Franziskus UN photo 120Wie kathpress berichtet, sagt Franziskus in der Pressekonferenz auf seinem Rückflug aus Schweden, seine Vorgänger hätten zur Frauenweihe klar gesprochen. "Und dabei bleibt es." Mit diesem kurzen Satz fixierte er seine Position. Damit lässt Franziskus aber auch hoffnungsvolle Höhenflüge hart landen.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben hat dazu nachstehende Stellungnahme veröffentlicht.

 

Das NEIN des Papstes zur Frauenweihe ent-täuscht

Enttäuscht sind all jene, die sich von Franziskus in der Frage Frauenpriesterweihe eine entscheidende Änderung erwartet haben. Entscheidungen wie diese bewegen immer mehr Frauen – vor allem junge – sich vom kirchlichen Leben zu entfernen.

Zur Frauenweihe haben seine Vorgänger klar gesprochen, sagte Franziskus in der Pressekonferenz auf seinem Rückflug aus Schweden. "Und dabei bleibt es." Mit diesem kurzen Satz fixierte er seine Position. Franziskus lässt damit aber auch hoffnungsvolle Höhenflüge hart landen.

Mit diesem Satz hat er die hoffnungsvollen Täuschungen, die über seinem Pontifikat liegen, ernüchternd aufgeklärt. Diese Entscheidung ist ein weiteres Indiz dafür, Franziskus öffnet zwar pastorale Einzelfalllösungen aber eine generelle Kirchenreform „von oben“ oder dogmatische Reformen wird es in seinem Pontifikat nicht geben. Die Erneuerung der Kirche findet am Boden statt, mitten im Leben oder gar nicht.

Bei der Forderung nach Priesterinnenweihe geht es um die gleichwertige Anerkennung von Frauen und Männer in der Kirche. Der gleiche Umfang an Aufgaben und Pflichten sowie der gleiche Zugang dazu sollten zum Ausdruck bringen, es kommt nicht auf das Geschlecht an, sondern auf die Fähigkeiten einen Dienst auszuüben. Nicht gebraucht werden klerikale Priester und Priesterinnen.

Unpersönliche Lobreden auf „die Frau“ ohne Aufwertung ihrer Dienste in der Kirche wurden schon zu lange als Beruhigungspille verabreicht. Deshalb haben schon zu viele Frauen ihre Hoffnungen auf Kirche als Ort der Achtung und Würdigung abgelegt.

Es ist geradezu lachhaft festzustellen, Frauen hätten das falsche Geschlecht oder Jesus habe nur Männer zu Aposteln berufen. In Wahrheit geht es nicht ums Mann-sein im priesterlichen Dienst, sondern ums Mensch-sein. Daran ändert auch eine lange kirchliche Tradition nichts.

Frauen und Männer sind entsprechend der Bibel durch die Taufe zum Allgemeinen Priestertum berufen. Die praktischen Auswirkungen bleiben bisher diffus. Ohne biblisches Argument wird aber der Weg zum besonderen Priestertum versperrt. Auch die Ergebnisse der Genderforschung überzeugen die patriachal hierarchisch strukturierte römisch-katholische Kirche nicht. Sie negiert die Fähigkeiten und Charismen von Frauen zum Presbyterium.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben wiederholt: Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen in der Kirche – auf allen Ebenen – der Wertschätzung der sogenannten „Laien“, Frauen wie Männern, den Platz einräumen, der ihnen kraft ihrer Würde zusteht. Es muss endlich damit begonnen werden, dass Verantwortung entsprechend den Fähigkeiten übertragen wird.

Kirchenspaltung?

Das entscheidende Argument ist die Angst vor einer Kirchenspaltung. Gerade auf einem 500 Jahre dauernden Weg zur Wiederannäherung gespaltener christlicher Kirchen ist eine neuerlich drohende Spaltung keine Hoffnung gebende Vision. Außerdem wandern bereits jetzt ohne formale Spaltungsanlässe in der Kirche Menschen Tag für Tag aus ihr aus. Sie wollen nicht länger unreflektierte, veraltete Prinzipien und Formen, die noch dazu oft aktuellen Erkenntnissen der Bibel- und anderen Wissenschaften entgegenstehen nicht mehr akzeptieren und mittragen.

Angst vor der Kirchenspaltung kann realistisch sein und echt bestehen. Als Beispiele gelten die Entwicklungen in der Anglikanischen Kirche mit den Bischöfinnen oder schwulen Bischöfen. Bewusst verbreitete Angst kann aber auch vorgeschützt sein. Dann ist sie als falsches Argument zu entlarven und hat zur Seite gelegt zu werden.

Keine Angst zu haben, lässt sich „von oben“ nicht anordnen. Angst kann nur zurück gedrängt werden, wenn sie im täglichen Leben mittels Erfahrungen beseitigt wird. Dazu sind alle Glieder der Kirche jetzt aufgerufen! Es braucht mehr Mut, Feinfühligkeit und Eigenverantwortung um die Kirche zu erneuern.

 

Für das Netzwerk: zeitgemäß glauben

Dr. Heinrich Bica, Hans Peter Hurka, Dr.in Renate Müller und Dr. Ignaz Reisenbichler


Kathpress berichtet: Papst bleibt beim "Nein" zu Priesterweihe für Frauen

 
01.11.2016, 18:43 Uhr Vatikan/Papst/Kirche/Frauen
 
Vatikanstadt, 01.11.2016 (KAP) Papst Franziskus hat einer Priesterweihe für Frauen in der katholischen Kirche erneut eine Absage erteilt. Zum Thema Frauenordination sei das letzte Wort von seinem Vorgänger Johannes Paul II. klar gesprochen worden, sagte Franziskus am Dienstag vor mitreisenden Journalisten auf dem Rückflug von seiner zweitägigen Schweden-Reise. "Und dabei bleibt es."

Franziskus bezog sich damit auf das päpstliche Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" von 1994, in dem Johannes Paul II. (1978-2005) die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche ausschloss. Der Papst aus Polen begründete dies damit, dass Jesus nur Männer zu Aposteln berufen habe, sowie mit der kirchlichen Tradition.

Beim ökumenischen Reformationsgedenken in Lund hatte Papst Franziskus auch die Erzbischöfin der lutherischen Kirche Schwedens, Antje Jackelen, getroffen und herzlich umarmt. Zudem hatte er sie vor der Reise in einem Interview gewürdigt. Eine schwedische Reporterin wollte daraufhin bei der "Fliegenden Pressekonferenz" am Dienstag von Franziskus wissen, ob es realistisch sei, in den nächsten Jahrzehnten auch in der katholischen Kirche an Frauen im Bischofsamt zu denken.

Zugleich bekräftigte der Papst einmal mehr, dass Frauen in der katholischen Kirche eine wichtige Rolle spielten. "Wer ist wichtiger an Pfingsten, die Apostel oder Maria? Maria! Die Kirche ist weiblich. Es heißt die Kirche", betonte der Papst. Zudem könnten Frauen viele Dinge besser als Männer. Die Schwedinnen lobte er als besonders starke Frauen.


Reaktionen dazu:

Franzi Hüsgen aus der Schweiz:

Mit Interesse habe ich den Blogbeitrag zum Nein zur Frauenordination von Papst Franziskus gelesen. Alles andere hätte mich allerdings sehr verblüfft. Aber ich habe einen Satz gelesen in dem Blog, der mir sehr gut gefallen hat: Die Erneuerung der Kirche findet am Boden statt, mitten im Leben oder gar nicht.

Ich denke, dassselbe gilt für ein pristerliches Tun. Wenn das konkrete Weihe-Priestertum anscheinend an den Mann gebunden ist, warum nicht einiges aus der Weihepflicht herausnehmen? Wenn die Eucharistie unsere Mitte und unser Zentrum ist, dann muss die Kirche sie uns auch gewährleisten. Und wenn sie keine Priestermänner hat, so ist das die Chance, "am Boden" still, aber im Vertrauen auf Gott, andere Lösungen finden.

Meistens gab es Neuerungen in der Kirche, wenn schon längst eine andere Praxis unter den Gläubigen ausgeübt wurde. Ich denke, dass es auch in diesem Fall irgendwann so sein wird.

Angst, Verantwortung für die Welt, - sie wird alles ausbremsen. Und Jesus hat gesagt: In der Welt habt Ihr Angst. Es schein ok zu sein, Angst zu haben.