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Blasche Helmut 150Der in der Kirchenzeitung JA vor rund 25 Jahren erschienene Artikel über die Unterscheidung von aktiven und lebdendigen Kirchen-Gemeinden ist gerdae heute auch hoch ktuell.

Der Priester und Pafarrer Helmut Blasche hat in Schwchat ein Modell errichtet, welches damals wie heute vorbildlich ist. Seine Gedanken sind allen zu empfehlen, die in kirchlichenEinrichtungen pastoral arbeiten

Helmut Blasche und Paul Weß? waren es mit wenigen Ausnahmen leider die einzigen in Österreich, die sich nachdem letzten Konzil  praktisch und theoretisch im inhaltlichen Gleichklang um Gemeindebildung verdient gemacht haben. Schwechat und Machstraße beziehen von da her Ihren weit über die Grenzen hinusreichenden herausragenden Ruf unter Pfarren in Österreich..

Bitte lesen sie nachstehnend. Wir werden weitere Artikel mit diesem Thema veröffentlichen.

hurka 2010Osternern 2020: Die Stunde der Laien!Die Corona- Pandemie hat das kirchliche Leben ruhen lasen. Alle Gottesdienste wurden abgesagt und fanden nicht statt. Die Gläubigen feierten zu Hause,von Pfarren unterstützt Hausgottesdienste. Das reichte vom Vorlesen  vorgegebener Texte bis zur kreativen Gestaltung. Ganz nach den Bedürfnissen der Feiernden der Hausgemeinde.

 
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Worte zur Corona-Krise 1: Verlorene Sicherheiten
Veröffentlicht am
Liebe Freundinnen und Freunde,
Schwestern und Brüder unseres irdischen Lebens!
Schon freute ich mich auf die Predigt, die ich in einer Stuttgarter Kirchengemeinde hätte halten sollen. Jetzt macht uns der Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung, denn das Unmögliche ist eingetreten: selbst für die Fastenzeit, die Karwoche und für Ostern sind die Gottesdienste gestrichen. Ist das seit 1945 je einmal passiert?
Die Sicherheiten schwinden
Dabei waren wir bei der Ankündigung gar nicht so falsch gelegen. Wir hatten schon von einer Welt gesprochen, die keine Sicherheit mehr bietet, einem Klima, das aus den Fugen geraten ist, dem wachsenden Terrorismus und einer zynischen Machtpolitik, die ganze Länder in Angst und Schrecken versetzt. Mehr denn je bricht die Frage auf, worauf wir noch vertrauen können.
Inzwischen ist eine Krise hinzugekommen, vom neuen Corona-Virus verursacht, das uns die Medien wie einen bunt strahlenden Ball präsentieren. Doch es bedroht die biologische Lebensbasis von uns allen, legt die Wirtschaft, die Kultur und das Schulsystem lahm und bringt unser Gesundheitssystem an seine Grenzen. Die italienischen, zu Totentransportern umfunktionierten Militärwagen gehen wohl in unser kollektives Gedächtnis ein. Inzwischen sind ganze Subkontinente und Länder lahmgelegt, viele Sicherheiten unseres Alltags sind uns genommen.
Wer hätte das vor einigen Wochen für möglich gehalten? In „unterentwickelten“ Gebieten, ja, da hielten wir das für möglich. Ich erinnere mich an das Ebolafieber, das 2014 afrikanische Länder in Atem hielt. Natürlich, so dachten wir, geschieht so etwas in Zentralafrika, wo man von Infektionen keine Ahnung hat, keine hygienischen Vorschriften kennt und noch an Hexen und böse Geister glaubt. Auch erinnere ich mich an meinen Vater, der vor gut 60 Jahren für meinen Geburtsort ein Theaterstück schrieb. Darin gedachte er einer Pestwelle, die 1356/57 nahezu die gesamte Bevölkerung ausrottete. Die Überlebenden gelobten, jährlich der Ereignisse mit Fasten und Gottesdiensten zu gedenken und bis heute lebt die Tradition dieses „Gelübdetags“ fort. Selbstverständlich war die Pest von Gott geschickt, verursacht durch die Sünden der Menschen und von Gott wieder weggenommen. Die Menschen glaubten, beteten und verzweifelten.
Durch Reformation, Aufklärung und moderne Wissenschaften haben wird diese magischen Zeiten überwunden und niemand kann leugnen, dass unsere Welt seitdem um ein Unendliches sicherer und berechenbarer wurde. Weltreisen sind so selbstverständlich geworden wie ein geregeltes Alltagsleben. Die Gesundheitsvorsorge hat ebenso ungeheure Fortschritte gemacht wie eine bevölkerungsbreite Bildung. Die durchschnittliche Lebenserwartung deutscher Frauen ist von 25 Jahren im Mittelalter auf inzwischen über 84 Jahre gestiegen. Was wollen wir mehr? Ist unsere Lebenszuversicht nicht ins Utopische gestiegen? Leben wir nicht sicherer denn je?
Das Unheimliche der Statistik
Dann dieser Donnerschlag, der jetzt über die Kontinente hallt und selbst den Alleskönner Donald Trump aus der Fassung bringt; die COVID-19 Pandemie hält uns im Griff. Seit gut zwei Monaten sind wir Zeugen dieses unglaublichen Geschehens. Zuerst hielt sie China in Bann und die ersten Ausläufer in Deutschland konnten wir spielend beherrschen. Jetzt beherrschen sie uns; die Infektionen steigen exponentiell. Über die Folgen klärt uns niemand verlässlich auf. Ausgerechnet die Heilshüter der Stunde, Virus- und Epidemiespezialisten, höchst vertrauenswürdige Leute, konfrontieren uns mit der einzig sicheren Aussage, dass wir nämlich in absehbarer Zeit auf keinen wirksamen Schutz rechnen, auch in Zukunft vor solchen Weltereignissen nie sicher sein können.
Da liegen sie nun schutzlos blank, die tiefen Ängste um uns und unsere Lieben, vor allem um die Älteren unter uns: Eltern und Großeltern, liebgewordene Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten, die uns buchstäblich lebenswichtig sind, oder um alle, die sich in Krankenhäusern oder Altersheimen einsetzen und so täglich einer möglichen Infektion ausgesetzt sind. Die vorhergesagte Erwartung von „meist milden Verläufen“ beruhigt uns nur wenig, denn diese statistische Erwartung betrifft niemanden direkt und alle zugleich. Sie macht die Einsicht nur noch brutaler, dass der Scharfrichter willkürlich zuschlagen oder verschonen kann.
Gewissheit statt Sicherheit
Doch hilft diese Klage nicht weiter, zudem könnte sie jede und jeder von uns, je nach Situation, direkter und konkreter, ergreifender und eindrücklicher, wütender oder verzweifelter beschreiben. Mir bleibt nur noch zu sagen: Diese bedrohte Grundsituation, dieses Scheiternkönnen und diese letzte Machtlosigkeit schlummern schon immer in uns allen. Wer von uns hat nicht irgendwann um das Leben eines Mitmenschen, vielleicht um sein Kind oder sein eigenes Leben gebangt. Jetzt werden diese individuellen Erinnerungen in eine gemeinsame Schreckenserfahrung eingesammelt; wir leben damit nicht mehr allein. Auch das hat sein Gutes.
Doch geht es nicht darum, dass wir ab heute zu miesepetrigen Jammerlappen werden, uns gar jede Freude verbieten. Vielmehr könnten wir lernen, diese unsichtbare, aber uns aufgezwungene Gefahr als Grundbedingung unseres Lebens zu akzeptieren, die nie einfach verschwinden wird. Wir bewegen uns immer zwischen Geburt und Tod, in denen alles auf der Kippe steht. Wir schwimmen auf keinem unsinkbaren Panzerboot, sondern auf einem recht labilen Floß dahin. Philosophie und Soziologie, die moderne Anthropologie und Psychologie haben sich ausführlich mit dieser Zerbrechlichkeit beschäftigt.
Auch fromme Protagonisten haben es meist aufgegeben, für unsere Lebensfragen Scheinsicherheiten anzubieten. Und ausgerechnet mir als katholischem Theologen wurde vor Jahren der ungeheure Durchbruch klar, als Martin Luther zwischen Sicherheit und Gewissheit unterschied. Unbedingte Sicherheit gibt es nirgendwo, weder in religiösen noch in weltlichen Dingen. Wir sollten sie uns abschminken, auch wenn sie sich uns heute als Begeisterung für die modernen Naturwissenschaften, in der Erwartung neuester Sicherheitssysteme oder für die ungeheure Leistung „künstlicher Intelligenzen“ anbietet.
Gewissheit dagegen hat es mit Vertrauen und der Überzeugung zu tun, dass es sich lohnt, jemanden oder etwas zu lieben und dass die Liebe stärker sein kann als der Tod, weil sie mir niemand nehmen kann. Diese entschlossene Gewissheit ist deshalb nie ein sanftes Ruhekissen, vielmehr fordert sie uns zu aktivem Handeln, zur Sorge und zu einem praktischen Lebensrealismus heraus. Sie macht uns das Leben nicht leichter, gibt ihm aber einen Sinn. Sie zeigt uns ein Gespür für die Dinge, auf die es ankommt und behütet uns davor, zu vergesslichen Menschen zu werden, die sich in der Euphorie des nächsten Erfolgs schon wieder verlieren.
Von der Verzweiflung zur Hoffnung?
Ist es deshalb gut, dass uns die Coronakrise jetzt überfallen hat? Wird sie dafür sorgen, dass wir wieder zu uns kommen? Diese Folgerung halte ich für leicht übertrieben. Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen; jeder schwer schädigende oder tödliche Krankheitsverlauf ist einer zu viel, ebenso wie jede seelische Überlastung und jedes bleibende Trauma, eine jede Insolvenz oder soziale Katastrophe nichts Gutes ist. Aber da sie uns und unser Zusammenleben nun mal in die Zange genommen hat, könnten wenigstens die unter uns, die nicht von existentiellen Nöten überrollt werden, die Zeit zur Arbeit an der Frage nutzen: Wer sind wir eigentlich und wo wollen wir – allein oder mit unseren Lieben zusammen – hin? Eine letzte Distanz zu dem, was uns fesselt und täglich umgibt, tut uns, sofern sie noch möglich ist, allen gut.
Doch auch diese Antwort kann sehr banal klingen, denn auch von innerer Distanz und unseren „eigentlichen“ Zielen wird oft zu schnell geredet. Ich denke da an eine Geschichte von jenem ruhelosen Propheten, der gerade von Galiläa nach Jerusalem zog (Mk 9, 14-29). Der Vater eines epileptischen Jungen mit einer fürchterlichen und endlosen Krankengeschichte schrie nach ihm. Konnte Jesus helfen? Offensichtlich verwies er Jesus auf die Kräfte der Selbstheilung, als er erklärte: „Alles kann, wer glaubt.“ Der Vater verstand dies nur zu genau, doch jetzt brach alle Hilflosigkeit erst recht aus ihm heraus, als er rief: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Heute würde er wohl sagen: Ich möchte ja, aber ich bin verzweifelt. Zur Debatte steht also kein jenseitiger Glaube, sondern ein letztes Vertrauen, die letzte innere Kraft einer Hoffnung, die uns alle einmal verlassen kann, schon mehr als einmal verlassen hat.
Was geschieht? Der Bericht fasst sich kurz: „Jesus fasste den Jungen an der Hand und richtete ihn auf, und der Junge erhob sich.“ In dieser Nachdenkgeschichte tritt Jesus als der Mitmensch auf, der in der Stunde des letzten Hoffnungsverlusts zur Stelle sein und neue Kraft vermitteln kann.
Vielleicht hätten unsere Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten weniger Innerlichkeitspflege veranstalten sollen. Denker wie Ernst Bloch (der sich immer einen Atheisten nannte) und Jürgen Moltmann (der den christlichen Glauben als eine hochpolitische Angelegenheit begriff) zeigten mit großer Sprachkraft: In uns Menschen brechen tiefe und unzerstörbare Hoffnungspotentiale gerade dann auf, wenn uns die Sicherheiten des Alltags aus der Hand geschlagen werden. Wir Menschen sind Wesen, die hoffen müssen, wenn sie sich nicht aufgeben wollen, und tatsächlich blühen immer wieder Hoffnungskräfte auf, die unserem Lebensstil ein Zentrum geben können.
Noch viel zu tun
Damit sind wir mit der Arbeit nicht am Ende, denn auf dem beschriebenen Weg erhält sie Konturen, die sich an den Einzelfragen dieser Tage bewähren müssen: Wie gehen wir mit der Zeit um, die uns plötzlich im Übermaß gegeben ist und nur ungeduldig macht? Was passiert mit unserem Zusammenleben und unserer Gemeinschaft, wenn wir uns plötzlich aus dem Wege gehen sollen? Was geschieht mit den plötzlich Abwesenden, die möglicherweise in einer Quarantänestation vereinsamt sterben sollen? Und gelingt es uns, neue Maßstäbe für eine Zukunft zu entwickeln, die besser werden soll als die vergangene?
Neue Traumbilder werden uns nicht erlaubt sein, auch wenn vor Venedig jetzt wieder Delphine gesichtet wurden. Doch ein neues Gleichgewicht zwischen Familie und Arbeit, Gesellschaft und Natur, zwischen Leistung und Gerechtigkeit sollten uns schon gelingen. Diejenigen unter uns, die sich als entschiedene Christinnen und Christen verstehen, möchte ich daran erinnern: Auch Jesus, einer der größten Propheten der Menschheitsgeschichte, stand und agierte in einer aufgeheizten apokalyptischen Zeit. Seine Auferstehung selbst wurde als ein apokalyptisches Ereignis begriffen und das Urchristentum war für die Fragen des Zeitenumbruchs höchst sensibel.
„Apokalypse jetzt“? Ja und nein. Nicht als ob jetzt alles verloren wäre, aber vieles steht auf dem Spiel. Paulus schrieb: „Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein … Wir, die dem Tag gehören, sollten nüchtern sein und uns rüsten.“ Womit? Mit einer nüchternen und unverkrampften Hoffnung. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, schreibt Hölderlin, dessen 250. Geburtstag wir in diesen Tagen begehen. Das ist ein Lebensmotto, das sich vor Gott und der Welt sehen lassen kann.

 
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Haering Hermann1 120Der Deutsche Dogmatiker, Hermann Häring hat einige Gedankenz rund um die Corona Pandemie formuliertund auf seiner Homepage veröffentlicht. 
 
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Der Deutsche Dogmtiker Hermann Häring hat nachstehenden Text anlässlich der Corona -Krise verfasst. Die Thematik der verlorenen Sicherheit haben wir herausgegriffenund nachstehdnd auchveröffentlicht

HPH Stauber 150kirche inCovid-19 hat unser soziales, privates, öffentliches und kirchliches Leben zum Erliegen gebracht. Das Leben scheint still zustehen. So schnell kann es gehen und ein Ereignis irgendwo auf der Welt ist plötzlich brand aktuell in unserem Fokus. Und doch ist unser Blick nicht weit genug. Neben den Zahlen der stark steigenden Coronaerkrankungen samt der traurigen Todesfolgen unterdrücken wir notwendige Hilfeleistungen an Kindern und unbegleiteten Minderjährigen in den Flüchtlingslagern auf Lesbos und anderen griechischen Inseln. Wir blenden diese Not einfach aus und erkennen darin einen Trick einzusteigen, und wandeln das Bild in eine Angst vor einer neuen Flüchtlingswelle (Pulleffekt wie es unser Kanzler zu bezeichnen pflegt) Ein Stück mehr Großzügigkeit stünde uns als christlicher Gesellschaft sehr gut an.

Die deutsche Zeitschrift Publik-Forum hat nachstehenden Beitrag von Thomans Ruster veröffentlicht. Das Netzwerk weist auf diesen konstruktiven Beitrag gern hin.

Ruster Thomas.2 150Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum, Heft 1/2020 Publik-Forum, Heft 1/2020 Ausgabe bestellen Jetzt testen Zukünfte gesucht! Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden Der Inhalt: Editorial 2 Sie haben Post 3 Editorial: Liebe Leserin, lieber Leser, Menschen & Meinungen 6 Aufgefallen: Russlands Greta Arshak Makichyan protestiert in Moskau gegen den Klimawandel. Und landet gleich im Gefängnis. Doch die Fridays-Bewegung wächst auch hier 6 Personen und Konflikte 8 Pro und Contra: Sind die Grünen zu zahm geworden? Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl, Bündnis 90/Die Grünen käme auf gut zwanzig Prozent der Stimmen und wäre damit zweitstärkste Partei. Doch den Grünen wird im vierzigsten Jahr ihres Bestehens vorgeworfen, angesichts der Klimakrise viel zu zaghaft zu handeln. Müssten sie radikaler sein? Ja, sagt Annemarie Botzki von Extinction Rebellion. Nein, erwidert Sven Giegold, Europaabgeordneter der Grünen 9 Gastkommentar: Das Leid der Jesidinnen Zu helfen wäre einfach. Doch die Bundesregierung weigert sich, weitere traumatisierte Frauen und Kinder aus dem Irak aufzunehmen. Ein Kommentar von Karl-Heinz Behr Kommentare 10 Was 2020 auf dem Spiel steht Ein unberechenbarer US-Präsident, ein starkes China, ein aggressives Russland, dazu Zersplitterung und Gefahren von innen: Europa gerät unter Druck.

Maier Martin 120Der deutsche Jesuit Martin Maier, er ist als Befreiungstheologe immer wieder in El Salvator beschreibt die Morde an den  Märtyrern unsrer Tage, die nunmehr 30 Jahre ungestraft und ungesühnt sind.  ER kennt wie wenige die Situationi in dem Mittelamerikanischen Land und die Ereignissee rund um die Tat.

Koller Erwi 120K ATHOLISCHE K IRCHE E S KRACHT IM G EBÄLK
Beitrag für Journal 21 von Erwin Koller – 13. Oktober 2018
Das Ausmass der sexuellen Missbräuche durch Geistliche sprengt jede Vorstellung. Mög-
lich wurde es in einer abgeschotteten, die Moderne verteufelnden Kirche.

Koller Erwi 120EIN KLEINER ANSTOSS , DER DEN S TEIN INS R OLLEN BRINGT; Kommentar zur Amazoniensyynode  von Erwin Koller, Präsident der Herbert Haag Stiftung

Inder Zeitschrift Aubruch hat deren Ehrenherausgeberteine ine erste kurze Analyse derBedeutung derErgebnisse der Amazoniensynode verfasst. das Netzwerk: zeitgemäß glauben veröffentlicht den Text ebenfalls, weil es sehr interessantist.



6400 km ist er lang, 10‘000 Flüsse münden in ihn, neun Länder durchfliesst er, gegen 400
Völker leben in seinem Becken so gross wie drei Viertel Europas: der Amazonas. Darüber
hinaus umfasst die «grüne Lunge des Planeten» einen Drittel der globalen
Urwaldbestände. Kaum erstaunlich, dass uns von dort Nachrichten erreichen, die man auf
keinen Nenner bringen kann. Wir sehen seit Monaten Bilder vom brennenden Regenwald,
angefeuert von Brasiliens Staatspräsident Bolsonaro. Viele Europäer schimpfen über den
neoliberalen Trump-Freund und vergessen dabei, wie sehr sie auf Bolsonaros Seite
stehen: Mit jedem Stück Fleisch, das sie essen, schaffen sie die Nachfrage für sein
Geschäftsmodell. Amazonien ist im wahren Sinn

ein Brennpunkt innerer Widersprüche grüner Bekenntnisse

Andererseits ging am letzten Oktobersonntag in Rom eine Amazonas-Synode zu Ende,
von der hierzulande vor allem eines aufhorchen liess: Rund 300 Bischöfe, Ordensleute
und Laien, vor allem Indigene, haben während drei Wochen die Situation der Kirche in
Amazonien beraten. Und die 185 stimmberechtigten Bischöfe sind mit einer Dreiviertels-
Mehrheit zum Schluss gekommen, dass der Papst die Weihe von verheirateten Männern
zulassen müsse, um Menschen auf diesem Kontinent zu ermöglichen, mehr als ein- oder
zweimal im Jahr eine Eucharistie zu feiern. Der ecuadorianische Bischof Rafael Cob etwa
berichtete, in seiner Diözese Puyo im Amazonas-Tiefland gebe es 16 Priester für ein Gebiet
so gross wie die Schweiz: «Wir brauchen eine Präsenzpastoral, nicht eine
Besuchspastoral!»
Natürlich sprach sich eine Minderheit von Bischöfen (41 Nein- gegen 128 Ja-Stimmen)
auch gegen diesen Beschluss zuhanden des Papstes aus. Franziskus hielt ihnen mit
entwaffnender Offenheit ein Wort des Dichters Charles Péguy entgegen: «Ihr meint, auf
der Seite Gottes zu sein, weil ihr nicht den Mut habt, auf der Seite der Menschen zu
stehen.»

Was aber hat der brennende Regenwald mit dem Zölibat zu tun?

Eines zumindest: Es geht ums Lebendige. Fragen um die Seelsorge sind in Amazonien kein
akademischer Disput. Wenn Ordensfrauen und Vertreterinnen der Indigenen und der
Nachfahren entflohener Sklaven sich auf der Synode für die Menschenrechte einsetzten –
und es gibt keine Seelsorge ohne Menschensorge –, dann riskierten sie, dass sie oder ihre
Angehörigen zuhause ermordet werden. Erzbischof Romero hat es am eigenen Leib
erfahren, Bischof Erwin Kräutler ums Haar, in Kardinal Pedro Ricardo Barretos Heimat
trugen sie, weil er gegen die Minen und die Metallindustrie protestierte, einen Sarg mit
seinem Namen durch die Stadt. Der Vorsitzende der Synode, Kardinal Claudio Hummes,
musste wissen, was es bedeutet, wenn er die Synodalen trotzdem aufforderte: «Sprecht
frei und ohne Angst!» Je kritischer auf der Synode im Geist der Enzyklika «Laudato sí» die
Ökologie und der gefrässige Kapitalismus ins Auge gefasst wurden, desto gefährlicher für
die Synodalen aus der Amazonasregion.

Warum eine Amazonas-Synode in Rom?

Es schien zunächst befremdlich, dass eine Amazonassynode in Rom stattfinden muss.
Vom Ergebnis her kann man es nur begrüssen: Endlich sind die Nöte vom Ende der Welt
im Zentrum der Kirche angekommen. Ob es dort auch begriffen wurde, steht noch dahin.
Es gab Dinge, wo man sich in die Zeit der spanischen und portugiesischen Konquistadoren
zurückversetzt fühlte. Etwa als Indios in ihrem Schmuck auftraten und Papst Franziskus
Kritiker zurechtweisen musste: «Was ist denn der Unterschied zwischen einem
Federnschmuck und einem Birett?» Oder als indigene Holzfiguren aus der Kirche Santa
Maria in Traspontina bei der Engelsburg entwendet und in den Tiber geworfen wurden:
Darstellungen kniender, nackter und schwangerer Frauen, Symbole des Lebens, des
gegenwärtigen und des künftigen. Sie mochten an die Pachamama, die
Fruchtbarkeitsgöttin der Indios, erinnern – an was denn sonst erinnern unsere zahllosen
Madonnenfiguren, noch gar wenn sie schwarz sind? Doch in einem Hass-Tweet lobte ein
US-amerikanischer Priester das Versenken der Holzfiguren und gestand, er sei versucht,
«jenen ein ähnliches Schicksal zu wünschen, die diese Götzenbilder in einer Kirche erlaubt
haben».

Auch so also wurde der Schrei der Armen aufgenommen – sichtbarer Ausdruck des
Dramas, das die römische Kirche umtreibt. Es gibt katholische Ultras, die mit einer
Spaltung der Kirche drohen, wenn der Zölibat aufgehoben werde. Hand aufs Herz:
Verdient eine Kirche, die daran zerbricht, aufrechterhalten zu werden? Und überhaupt: Ist
sie nicht längst gespalten? 1000 Jahre kam sie ohne den obligatorischen Zölibat aus, und
auch nachher wurde er hart kritisiert und nur partiell eingehalten. Wenn ein
Kirchengesetz ohne biblische Grundlage so hoch gehängt wird – «Nur ein Konzil kann das
ändern!» –, kommt es einem als Eidgenosse vor, wie wenn man eine Volksabstimmung
machen müsste, um ein Fahrverbot aufzuheben, damit ein Rettungsfahrzeug
durchkommt.

Welches sind die Konsequenzen der Amazonas-Synode?

1. Der Papst wird noch vor Weihnachten verbindlich zu den Beschlüssen Stellung
nehmen.
2. Zu meinen, es gebe nur in der Amazonasregion gute Gründe für die Aufhebung des
Zölibats, ist eine Illusion. Die Debatte wird schnell in Fahrt kommen.
3. Es geht nicht um eine Feuerwehraktion, sondern um Menschenrechte. Auch wenn
pastorale Löcher mit «bewährten Männern» gestopft werden, bleibt die Weihe
ebenso bewährter Frauen ein dringliches Postulat, dem sich die Hierarchie nicht
entziehen kann, erst recht die gegenwärtige Kirche auf der Intensivstation: auch
dieser Damm wird brechen.
4. Der kleine Schritt, den Franziskus mit dieser Synode gegangen ist, könnte zum
grössten seiner Ära werden. Wenn der Kreuzweg der Völker Amazoniens und eng
damit verbunden die Sorge um die Schöpfung in der Mitte der Kirche ankommen und
alle zu einem einfacheren und bescheideneren Lebensstil auffordern, dann hat sich
Franz von Assisi durchgesetzt.
Uster, an Allerheiligen 2019 / Erwin Koller

 

Haering Hermann3 120Hermann Häring hat hat in nachstehendem Beitrg die Männerbünde und die hierarchischen Strukturen als Ursachen für die zahllosen Missbrauchsfälle identifiziert und schlägt Maßnahmen vor, um weitere Übergriffe zu verhindern., die mündige Gemeinden einsetzen können. Es braucht Hellhörigkeit, Empathie und die eindeutige Positionierung an der Seite der Opfer statt an der Seite  hierarchischer Macht.