Wie Radio Vatikan und kathpress berichten, kann der Seligsprechungsprozess für Dom Helder Camará bald beginnen. Grünes Licht für das entsprechende Verfahren auf Diözesanebene gab der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation dem Erzbischof von Olinda-Ricife, der Wirkungsstätte von Camará.

Christoph Strak berichtet in katholisch.de für die Katholische Kirche Deutschlands unter dem Titel: Der "rote Bischof", der Vatikan habe den Weg freigemacht, für eine Seligsprechung Camaras. Er steht wie kaum ein anderer für die Hinwendung der katholischen Kirche zu den Armen, siehe auch den Katakombenpakt, und die Theologie der Befreiung.

Die kathpress berichtet: Seligsprechungsprozess für Helder Camara kann beginnen

Erzbischof Helder Pessoa Camara (1909-1999) war in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der bekannteste Bischof Lateinamerikas 01.04.2015

Rom, 01.04.2015 (KAP) Der Vatikan hat grünes Licht für einen Seligsprechungsprozess von Dom Helder Camara (1909-1999) gegeben. Wie die Mailänder katholische Tageszeitung "Avvenire" am Dienstag berichtete, sei das "Nihil Obstat" bereits am 25. Februar erteilt worden. Das "Nihil Obstat" macht den Weg für den Start des Seligsprechungsverfahrens zunächst auf Diözesanebene frei. Der vom Präfekten der vatikanischen Heiligsprechungskongregation Kardinal Angelo Amato gezeichnete Positivbescheid ist an den Erzbischof von Olinda-Recife in Nordostbrasilien, Dom Fernando Saburido, gerichtet. Laut "Avvenire" haben alle brasilianischen Bischöfe im Mai 2014 den Vatikan um die Seligsprechung gebeten.

Helder Pessoa Camara war in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) der bekannteste Bischof Lateinamerikas. Sein Name steht für eine Kirche, die sich entschlossen an die Seite der Armen gestellt hatte.

Camara wurde am 7. Februar 1909 in Fortaleza als elftes von 13 Kindern seiner Familie geboren. 1931 wurde er zum Priester geweiht und engagierte sich rasch für soziale Anliegen und die Arbeiterschaft; 1952 folgte die Bischofsweihe.

Wenige Jahre später hatte der junge Weihbischof in Rio de Janeiro sein Bekehrungserlebnis: "Diese Favelas", sagte ihm ein alter Mitbruder, auf die Elendshütten zeigend, "sind eine Beleidigung für den Schöpfer". Camara erkannte, wie er sagte, in den Armen das Antlitz Jesu und wurde zum prominentesten Kämpfer gegen die soziale Ungerechtigkeit, die er eine "kollektive Sünde" nannte.

Seit 1964 Erzbischof von Olinda und Recife, erregte Dom Helder politisch immer häufiger Anstoß. Er legte sich mit der Militärdiktatur an, kämpfte für Menschenrechte und setzte sich für die Forderung nach Rückkehr zur Demokratie ein.

Camara war Initiator des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM und der ersten Basisgemeinden. Als er 1970 in Paris öffentlich über die grauenvollen Folterungen durch brasilianische Militärs sprach, gab es zunächst eine Pressekampagne gegen ihn. Dann schwiegen ihn die Medien seines Landes zehn Jahre lang tot. Kritiker sprachen vom "roten Bischof". In Europa wurde der lateinamerikanische Kirchenmann umso berühmter.

Mit seiner Botschaft "Entwicklung ist Frieden, Unterentwicklung ist Krieg" nahm Camara die Solidaritätsbewegungen vorweg. 16 Jahre nach seinem Tod bekommt manche seiner Äußerungen angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise einen neuen prophetischen Klang. Der Erzbischof trat konsequent für das Prinzip der Gewaltlosigkeit ein. Trotzdem galt er vielen als verkappter Kommunist oder politischer Aufrührer.

Als er 1985 in den Ruhestand ging, bekam seine Erzdiözese einen prononciert konservativen Nachfolger, Jose Cardoso Sobrinho, der die Uhren zurückdrehen wollte. Er ist bereits emeritiert. Camara hielt sich mit Bewertungen zurück. Johannes Paul II. würdigte ihn in einem Kondolenzschreiben 1999 als "engagierten Seelsorger" und erinnerte an seine "unzähligen pastoralen Aktivitäten". Camaras sterbliche Hülle ruht in der Kathedrale von Recife.


 

Dom Hélder Pessoa Câmara wurde am 7. Februar 1909 in Fortaleza, Ceará, in Nordost-Brasilien geboren. Er war war brasilianischer Erzbischof von Olinda und Recife. Câmara gründete die ersten kirchlichen Basisgemeinden in Brasilien und gehörte zu den profiliertesten Vertretern der Befreiungstheologie. Als Konzilsteilnehmer gehörte er zu den Gründerväter des Katakombenpacktes, in dem sich Bischöge verpflichteten, einLeben der Armut mit den Armen zu führen. Câmara galt als einer der bedeutendsten Kämpfer für die Menschenrechte in Brasilien, der in aller Welt die Folterer und Mörder während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 anprangerte.er starb am 27. August 1999 in Recife. Mehr zu seiner Person finden Sie in wikipedia.


 

DER SPIEGEL brachte am 21. September 1970 ein Interview mit Dom Helder Camara.

Eine kurze Würdigung des steten Erneuerere derrömisch-katholischen Kirche nahm die Neue Züricher Zeitung am 30. August 1990 vor, nachdem Camara im 90. Lebensjahr heimngegangen war.