Camera Dom Helder 200Der Seligsprechungsprozess des Mitinitiators des 1965 geschlossenen Katakombenpakts, Erzbischof Dom Helder Pessoa Camará, wurde eröffnet. Das berichtet kathpress. Camará ist einer der bekanntesten und glaubwürdigen Vertreter einer armen Kirche mit den Armen in Lateinamerika. Seine Solidarität mit den arm gemachten Menschen seiner Heimat, in der er immer wieder auf die systematische Vorgangsweise der Mächtigen und Reichen hinwies, die zur Armut breiter Teile des Vokes führt, brachte ihm den Ruf ein, ein "Kommunist" und der "rote Kardinal" zu sein. Camará bezeugte mit seinem Leben was es heißt, der Botschaft Jesu heute zu folgen. Dafür ist er bereits heute Beispiel zahlloser Christinnen und Christen in Lateinamerika und auf der ganzen Welt. Es ist eine Freude, dass nun auch eine offizielle Anerkennung seines Weges folgt, welcher im Strom einer Theologie der Befreiung wuchs. Von einem positiven Ergebnis dieses Verfahrens kann guten Glaubens ausgegangen werden. Mehr zur Vorgeschichte hier.

Seligsprechungsprozess Helder Camaras: Eröffnungsmesse in Olinda

Erzbischof Saburido würdigt Sozialengagement des berühmten "Bischofs der Armen" - "Jeder Prophet erleidet Ablehnung, selbst Jesus hatte nicht alle auf seiner Seite"
04.05.2015

Brasilia, 04.05.2015 (KAP/KNA) Mit einer feierlichen Messe in der Kathedrale von Olinda ist am Sonntag (Ortszeit) der Seligsprechungsprozess des früheren brasilianischen Erzbischofs Dom Helder Pessoa Camara (1909-1999) offiziell eröffnet worden. Der ehemalige Erzbischof von Recife und Olinda (1964-85) galt während der Militärdiktatur (1964-1985) in Brasilien als engagierter Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit, die er als "kollektive Sünde" brandmarkte. Sein Einsatz für die Armen und die offen ausgesprochene Kritik an den Militärs brachte ihm den Ruf eines "roten" und "kommunistischen" Bischofs ein.

Ende Februar hatte die vatikanische Heiligsprechungskongregation der brasilianischen Erzdiözese mitgeteilt, dass der Einleitung des Seligsprechungsprozesses nichts im Wege steht. Anfang April rief die Erzdiözese die Gläubigen auf, Dokumente einzureichen, die zum Seligsprechungsverfahren beitragen können. Zudem wurden die Bischöfe Nordostbrasiliens eingeladen, an der feierlichen Messe in der Kathedrale von Olinda teilzunehmen. Dort befinden sich die sterblichen Überreste von Dom Helder Camara.

Helder Camara galt in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) als der bekannteste Bischof Lateinamerikas. Sein Name steht für eine Kirche, die sich an die Seite der Armen stellt.

Seit seinem Amtsantritt hat Papst Franziskus mehrfach betont, dass er sich eine "arme Kirche für die Armen" wünscht. Ein weiterer "Volksmärtyrer", Erzbischof Oscar Romero aus El Salvador, wird Ende Mai in San Salvador seliggesprochen. Der 1980 während eines Gottesdienstes ermordete Romero hatte sich genau wie Camara unermüdlich für die Ärmsten der Armen eingesetzt und öffentlich Menschenrechtsverletzungen angeprangert. Im Februar hatte Papst Franziskus den Weg für die Seligsprechung Romeros freigemacht.

Zu Beginn und während der Messe in Olinda war lautstarker Jubel der Gläubigen ertönt. Noch heute sei Camaras Sozialengagement so manchem ein Dorn im Auge, sagte dessen Nachfolger als Erzbischof, Antonio Fernando Saburido. "Jeder Prophet erleidet so etwas - selbst Jesus hatte nicht alle auf seiner Seite." Der nun eingeleitete Prüfungsprozess, der der Seligsprechung vorausgeht, werde wohl mindestens ein Jahr dauern, sagte der Erzbischof: "Wir müssen eine Menge Menschen anhören."

Ausgewertet werden auch die unzähligen Schriftstücke, die Camara zurückließ. Lucia Moreira vom "Instituto Dom Helder Camara", die offiziell den Nachlass des Erzbischofs verwaltet, sagte in einem Gespräch mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA, es gebe "Tausende Briefe, die allein das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) behandeln". Dazu kämen Poesie, mehr als 3.000 Chroniken und die kompletten Redemanuskripte. Eigentlich aber könne man sich die umständlichen Untersuchungen allerdings sparen, sagte Moreira ironisch: "Der Beweis dafür, dass er Wunder vollbracht hat, ist die Wahl von Franziskus zum Papst." Dieser spreche heute Sätze aus, die man genauso bei Dom Helder nachlesen könne.

Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/69586.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.