Franziskus2 120Anna Miller berichtet am 14. April 2017 in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) über Widerstand gegen Franziskus und oppositionelle Kräfte in der römisch katholischen Kirche sowie deren Verbündete.

Diese Netzwerke und Verbindungen sind interessant. Sich davor übertrieben zu fürchten wäre kein guter Rat. Selbstbewusst seine Überzeugungen leben und dialogbereit und gelassen bleiben, wird die bessere Antwort sein. Wer mit Franziskus für eine synodale Kirche, für gleichberchtigte Positionen von Frauen in der Kirche eintritt oder Geschiedenen und wieder verheirateten eine neue Chance einräumt antwortet auf "Zeichen der Zeit" im Sinne Jesu Christi.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben dokumentiert den Beitrag nachstehend zur Information.

Es wird ein Komplott geschmiedet im Vatikan von Anna Miller 14.4.2017

Eine erzkonservative Allianz, vom Malteserorden bis zum inneren Kreis von Donald Trump, bringt sich in Stellung gegen den weltoffenen Papst Franziskus. Es geht um Geopolitik, Religion, Macht, Moral und Nationalismus. Eine Spaltung der Kirche ist nicht mehr undenkbar.

Das Schreiben ist kurz, an diesem 8. Dezember 2016, Mariä Empfängnis. Es sind drei Zeilen im Posteingang von Martin von Walterskirchen, Präsident des Malteserordens Schweiz, drei Zeilen, die alles verändern, geschrieben aus dem Epizentrum der Macht des Ordens an der Via Condotti 68 in Rom.

Unterschrieben ist der Brief von Matthew Festing, Grossmeister des Malteserordens und oberste Ordens-Instanz, Mönch aus dem britischen Adel, aufgewachsen in Ägypten, Malta, Singapur. Kurz und knapp wird den Länderverantwortlichen auf der ganzen Welt darin mitgeteilt, der Grosskanzler des Ordens, Albrecht von Boeselager, habe sein Amt verloren. Der Grosskanzler ist so etwas wie der Aussenminister des Malteserordens, einer halb weltlichen, halb religiösen Organisation, die vor über 1000 Jahren von Kreuzrittern gegründet wurde.

Als Grund für die Abberufung des Grosskanzlers wurde eine «extrem schwerwiegende und unhaltbare Situation» angegeben. Der Schweizer Ordensmann von Walterskirchen nimmt sein Telefon in die Hand und geht sein Adressbuch durch, die Namen und Nummern des weltweiten Netzwerks des Ordens, er will sich vergewissern, ob die Nachricht echt ist. Er ahnt schon jetzt, dass es zu einem Eklat kommen könnte, der den Orden der Malteser, auch eine der grössten humanitären Organisationen der Welt, grundlegend erschüttern würde.

Kondome in Burma

Von Boeselager war Festing schon länger ein Dorn im Auge. Doch lange hatte dieser nichts gegen den Grosskanzler in der Hand. Doch Ende Dezember 2016 kramt Festing ein Ereignis hervor, das schon Jahre zurückliegt. Es geht um die Verteilung von Kondomen in Burma, durchgeführt von Helfern des Ordens. Kondome und die katholische Kirche vertragen sich schlecht, die Haltung gegenüber Fragen der Sexualmoral ist eindeutig. Festing sah eine Gelegenheit gekommen.

Doch so leicht liess sich Boeselager nicht beseitigen. Er widersetzte sich der Rücktrittsforderung. Der Machtkampf rief den Papst persönlich auf den Plan. Und im Januar 2017 kommt es zu einem noch grösseren Kirchen-Eklat: Der geschasste Boeselager wird wieder auf seinen Posten zurückberufen. Dafür wird jetzt Festing, 2008 eigentlich auf Lebenszeit gewählt, vom Papst zum sofortigen Rücktritt gezwungen.

Aussenstehende dürften dazu verleitet sein, die Querelen im klandestinen Malteserorden, in dem viele Mitglieder aus ehemaligen Ritterfamilien stammen, wo sich mittlerweile aber auch viele Parvenues und Halbadlige tummmeln, als unbedeutenden Machtkampf in einer katholischen Subkultur abzutun. Vatikanexperten aber sind sich einig, dass sehr viel mehr dahinter steckt. Dem Malteserorden wird noch immer grossen Einfluss auf die katholische Kirche zugesprochen.

Festing gilt im Malteserorden als Konservativer, und er hat einen wichtigen Verbündeten: Kardinal Raymond Leo Burke, Amerikaner und einer der mächtigsten Männer im Vatikan. Und es wird vermutet, dass Burke die treibende Kraft hinter dem Konflikt im Malteserorden war.

Burke, seit 2014 Kardinalpatron des Malteserordens und damit für die Beziehungen zwischen dem Orden und dem Heiligen Stuhl zuständig, ziehe die Fäden im Hintergrund. Und er habe weit mehr im Sinn, als die Position der Malteser zu Kondomen und Führungspersonalien zu klären. Burke, so ist man sich einig, gehe es um die Ausrichtung der katholischen Kirche ganz allgemein.

Auch der Präsident der deutschen Malteser, Erich von Lobkowicz, einer vom eher progressiven Flügel, sprach im Zusammenhang mit den Ereignissen im Malteserorden jüngst von einer «Rebellion gegen den Papst», von einem «Kampf gegen all das, was Papst Franziskus repräsentiert».

Dass der Malteserorden in der Regel nicht zu den glühendsten Kirchenreformern zählt, ist bekannt. Dass man gerade jetzt die offene Konfrontation wagt, hängt aber vermutlich damit zusammen, dass man seit einiger Zeit neue, sehr mächtige Verbündete, auch ausserhalb der Kirche, hat.

Am 27. Juni 2014 loggt sich ein gewisser Stephen Bannon in einem Hotel in Los Angeles in seinen Computer ein, richtet seinen Blick in die Kamera und fängt an zu sprechen. Seine Worte fliessen durch den virtuellen Äther nach Rom, wo ihnen die erzkonservative Elite des Vatikans aufmerksam folgt. Unter den Teilnehmern am Video-Telefonat ist auch Raymond Leo Kardinal Burke.

«Es ist an der Zeit, für unsere Überzeugungen und gegen die neue Barbarei zu kämpfen.»

Auch dieser hört der apokalyptischen Vision von Bannon, damals noch Chef der ultrarechten amerikanischen Nachrichtenseite «Breitbart News», genau zu. Bannon sagt: «Der Westen steht am Beginn eines brutalen und blutigen Konflikts gegen den jihadistisch-islamischen Faschismus.» Und: «Es ist an der Zeit, nicht nur zum eigenen Glauben zu stehen, sondern für unsere Überzeugungen und gegen die neue Barbarei zu kämpfen.

Dazu zählt auch das kompromisslose Eintreten gegen Abtreibung und für ein traditionelles Eheverständnis.» Bannon empfiehlt in seiner 50-minütigen Ansprache auch eine «sehr, sehr, sehr aggressive Haltung gegen den radikalen Islam». Die Videobotschaft aus L. A. ist der Beginn einer Männerfreundschaft, die nicht nur auf die Politik des Vatikans, sondern auch auf die Weltpolitik Einfluss nehmen wird.

Burke und Bannon fühlen gleich, dass sie vieles verbindet. Dass sie eine gemeinsame Mission haben könnten, im Dunstkreis von Politik, Religion, Macht und Nationalismus. Beide sind in den sozialen Netzwerken aktiv, beide suchen Allianzen mit ideologisch Gleichgesinnten. Burke, hoch vernetzt im Machtzentrum der katholischen Welt, hatte in Bannon einen Menschen gefunden, der gerade dabei war, sich leise, aber stetig ins Machtzentrum der politischen Welt vorzuarbeiten.
Kardinal Burke und Papst Franziskus, das war hingegen seit Beginn eine schwierige Beziehung. Franziskus spricht über Klimawandel und übt Kritik an den Schattenseiten des Kapitalismus. Er hat aus der Insel Lampedusa das Symbol der Flüchtlingspolitik gemacht. Franziskus ist der Anti-Establishment-Papst, von dem seine beratenden Kardinäle sagen, er habe die Kirche längst so stark verändert, dass sie nicht mehr vor die Zeit seines Pontifikats zurückkönne.

Aber vor allem mit seiner Schrift «Amoris laetitia» rief Franziskus die Traditionalisten auf den Plan. Darin schreibt der Papst unter anderem, er halte es für richtig, die Sünde der Ehescheidung nach einer Zeit der Busse zu verzeihen. Kardinal Burke und drei weitere Kardinäle hatten sich im vergangenen Herbst offen gegen die Schrift ausgesprochen.

Die Öffnung der Kirche in Punkten wie der Sexualmoral sei «zweifelhaft», schreiben sie. Der Papst wurde aufgefordert, seine Gedanken zur Frage der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene zu präzisieren. Doch eine Antwort vom Papst darauf bleibt bis heute aus. Inzwischen schwirren seine Kritiker im apostolischen Palast umher und werfen dem Papst vor, er verunsichere und überfordere mit seiner Vagheit das Kirchenvolk.

Das Schreiben widerspiegelt weitverbreitete Ängste fundamental-christlicher Kreise. Sie fühlen sich bedroht von einem Papst, der gewillt scheint, auf die Fragen der Menschen ausserhalb des Vatikans stärker einzugehen als auf die Bedürfnisse der Kleriker, die den Vatikan als eine der letzten moralischen Instanzen der Welt und als Hüter des wahren Glaubens sehen.

Im Februar erst haben Anonyme in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Innenstadt von Rom mit Anti-Franziskus-Plakaten vollgekleistert, auf denen stand: «Hey Franz, du hast Kongregationen entmachtet, Priester entlassen, den Malteserorden und die Franziskaner enthauptet, Kardinäle ignoriert – wo bleibt deine Barmherzigkeit?»

Reinigungskräfte versuchten, die Plakate zu entfernen oder mit einem schwarzen Balken zu zensurieren, aber die Botschaft sickerte sofort in die Welt. Und mit ihr die ersten sichtbaren Widerstände gegen einen Papst, der in der breiten Öffentlichkeit als neue Glanzfigur gilt, als Antithese zur Abschottung, wie sie in nationalistischen Kreisen derzeit weltweit wächst.

Ausserhalb der vatikanischen Mauern mutierte der Papst hingegen zur Politfigur von staatsmännischer Grösse. Dass der Papst in innerkirchlichen Fragen klar konservativ ist und die katholische Kirche an Themen wie Frauenordination, Abtreibung nicht ansatzweise rüttelt, blenden seine Anhänger gerne aus. Lieber sehen ihn Millionen von Menschen als Anführer einer neuen Kirche des Aufbruchs, als Antihelden zu Figuren wie Trump und Le Pen, der offen den Bau von Mauern kritisiert und vom «Time Magazine» zur Person des Jahres gewählt wurde.

Bedrohte Einheit

Seinen Gegnern macht das Angst. Sie trauen ihm nicht, fürchten um ihre Stellung, um die Macht ihres Amtes, um ihre konservativen Prinzipien, «und davor, dass die Einheit auseinanderfällt», sagt Christian Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten. Seine Kritiker hätten Sorge, dass er sich zu sehr an den Zeitgeist anpasse.

«Sie befürchten den Ausverkauf der Kirche.» Die Diskussion um die Sexualmoral der katholischen Kirche habe neue gegnerische Kräfte mobilisiert, «denn an der Morallehre zur Sexualität wird die katholische Identität festgemacht». Der Text «Amoris laetitia» sei der erste Text, der direkte Folgen auf die Haltung der katholischen Kirche zu diesen Fragen haben könnte. Auch dass Franziskus ungern das Dogmatische betont oder über die richtige Form der Messe diskutiert, stösst einigen Klerikern sauer auf. Auch Burke.

Dass Kardinal Burke ihm gefährlich werden könnte, ist dem Pontifex offenbar schon länger bewusst. Er hat in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, seinen Einfluss innerhalb der vatikanischen Mauern zu schwächen.

Bereits 2013 berief Franziskus Burke aus zwei Ordensgemeinschaften ab, ein paar Monate später entliess er den Amerikaner als Chef des obersten Vatikangerichts und gab ihm den Posten bei den Maltesern. Zum Eklat im Malteserorden sagte Franziskus jüngst in einem Interview mit der «Zeit»: «Es geht darum, beim Orden ein wenig aufzuräumen», deshalb habe er jemanden dorthin geschickt.

Burke liess sich indes von verschiedentlichen Karriereknicken und der Intervention des Papstes beim Malteserorden nicht sonderlich entmutigen. Er ist ein versierter Netzwerker und weiss, wen er sich ausserhalb der vatikanischen Mauern dazuholen muss, um die konservative Bewegung zur Rettung des christlichen Abendlandes auch gegen den Willen des Papstes voranzutreiben.

Noch am 20. Januar, der Amtseinsetzung von Donald Trump als amerikanischem Präsidenten, greift Kardinal Burke zum Telefon und spricht Stephen Bannon seine Glückwünsche aus. Burke bezeichnet die Wahl von Trump in einem Interview als «sehr verlässlich», sein globales Netzwerk hatte sich gerade wieder um einen äusserts wertvollen Kontakt erweitert.

Donald Trump, der Chef des Neokreuzritters Bannon, sorgt dafür, dass Gott im Weissen Haus so gut vertreten ist wie seit Jahren nicht mehr: Von Beraterin Kellyanne Conway wird berichtet, sie gehe täglich in die Messe, Stabschef Reince Priebus ist strenggläubiger Christ, Vizepräsident Mike Pence trat in eine evangelikale Kirche über, nahm im Januar als erster Vizepräsident in der Geschichte am jüngsten «Marsch fürs Leben» in Washington teil.

Und der Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, ist ein Hardcore-Katholik, der sich in seiner Abschottungsrhetorik auch gerne an die Religion anlehnt: «Trump hat verstanden, dass Gläubige in den vergangenen Jahren an den Rand gedrängt worden sind.» Die letzten Monate im Weissen Haus haben bereits klar gezeigt, dass man gewillt ist, politische Taten folgen zu lassen, um dies zu ändern.

Bedrohter Westen

Bannon und Burke, das sind heute die Chefstrategen einer internationalen, christlich-fundamentalistischen Allianz, die sich darauf versteht, in medialen Parallelwelten immer mehr Menschen für die Idee einer bedrohten westlichen Kultur zu gewinnen.

Während CIA-Direktor Mike Pompeo sagt, «Jesus Christus ist die einzige Lösung für unsere Welt», stellt Kardinal Burke seine Haltung gegenüber dem Islam klar: «Es ist klar, dass die Muslime letztlich die Herrschaft über die Welt erobern wollen.» Die «Washington Post» bezeichnete den Kleriker jüngst als «rebellischen Kirchenfürsten, der seine Position im Vatikan ausnutzt, um extremistische Kräfte zu legitimieren, die die westliche liberale Demokratie zum Einsturz bringen wollen».

Bannon und Burke finden in der Haltung gegenüber den Themen islamischer Fundamentalismus, Immigration, Homo-Ehe und Abtreibung einen gemeinsamen Nenner. Themen, an denen sich die geistliche und die weltliche Politik des 21. Jahrhunderts langfristig aufreiben werden.

Die populistische Bewegung verleiht den reaktionären Papstkritikern auch in Europa Schwung. Während die Trump-Regierung in Amerika die konservativen Christen politisch ins Boot geholt hat, arbeitet Kardinal Burke auch an seinen Beziehungen zu populistischen Anführern diesseits des Atlantiks.

Anfang Jahr empfing er laut italienischen Medienberichten in seiner Wohnung im Vatikan den Parteichef der Lega Nord, Matteo Salvini. Salvini bezeichnet sich «wie meine Freundin Marine Le Pen als Krieger für ein katholisches Europa und gegen den Vormarsch der Muslime» und trägt an Parteikongressen auch manchmal ein T-Shirt mit der Aufschrift «Mein Papst ist Benedikt».

Auch der Gründer des Dignitatis Humanae Institute (DHI), eines fundamental-christlichen Think-Tanks, ist überzeugt, dass sich mit Burke und Bannon «zwei Gleichgesinnte» getroffen haben, die zusammen imstande sein könnten, einiges zu bewegen. In einem Interview mit dem Magazin «Profil» breitete Benjamin Harnwell jüngst aus, worauf diese Freundschaft gründet: auf einem gemeinsamen, irisch-amerikanischen Hintergrund, einer Herkunft aus der Arbeiterklasse und dem Gefühl, von den Eliten und Linken an den Rand gedrängt worden zu sein, zu denen man auch Papst Franziskus zählt.

Für Harnwell geht es um nicht weniger als einen «culture war», einen Kampf gegen den «militanten Säkularismus». Der Vatikan sei in einer Schlüsselposition, um «bei der Verteidigung der jüdisch-christlichen Zivilisation einen einzigartigen Beitrag zu leisten».

Während Papst Franziskus versuchte, Burke zu neutralisieren, findet dieser sich in den Armen der Trump-Regierung nun also gestärkt wieder. Burke werde von einem der mächtigsten Männer im Weissen Haus in höchstem Masse respektiert, sagt Harnwell, «das scheint in meinen Augen eher kein Anzeichen dafür zu sein, dass es ihm an Einfluss mangelt».

Inwieweit die gegenwärtigen Querelen um Bannons Funktion im Weissen Haus diese Beziehungen beeinflussen werden, ist unklar. So oder so ist davon auszugehen, dass die konservative Fraktion im Vatikan und das Weisse Haus unter Trump sich in Zukunft ideologisch verstärkt unterstützen werden, mit nun unabsehbaren Folgen für die Ausrichtung der grössten Glaubensgemeinschaft der Welt.

In Barack Obama hatte Papst Franziskus einen Gleichgesinnten. Die Pläne Trumps, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, kritisiert der Papst hingegen offen und sagte, Trumps «Muslim Ban» sei seiner eigenen Vision von Einheit und Frieden «entgegengesetzt». So sehr der Papst sich aber gegen aussen für Einheit einsetzt, so gespalten sind die Kleriker im Vatikan.

Es sei durchaus möglich, dass es im Vatikan zur Abspaltung erzkonservativer Gruppen unter Burke komme, sagt ein Beobachter der «NZZ am Sonntag». Die offene Konfrontation von Burke und weiteren Kardinälen, ausgelöst durch die päpstliche Schrift «Amoris laetitia, «sei ziemlich unüblich».

Einen so offenen Konflikt gab es letztmals in den 1960er Jahren, als sich eine Gruppe unter Kardinal Marcel Lefebvre abspaltete, weil sie wesentliche Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnte.

Doch Papst Franziskus mag innerkirchlich isolierter sein als noch vor ein paar Monaten, allein ist er nicht. In den Augen vieler ist er noch immer der verlängerte Arm Gottes, eine Instanz, die man nicht infrage stellt. «Der Papst hat neben seiner politischen Autorität als Staatsoberhaupt noch die moralische Autorität eines Kirchenoberhauptes für 1,2 Milliarden Menschen», so ein Insider, «damit hat er ein grösseres Gewicht als der Präsident der Vereinigten Staaten.» Der Brückenschlag von Kirche und politischer Rechter sei so nicht ganz einfach zu vollziehen.

«Man wird sich in den USA schwertun, sich an die Spitze eines neuen Kreuzzugs zu setzen, solange der Papst keine Mauern will.» Das Rückgrat der Kirche sei immer noch die Barmherzigkeit, und das wiege langfristig schwerer. «Hitler dachte auch, er könne die Kirche gegen den Kommunismus instrumentalisieren. Aber die Botschaft der Barmherzigkeit von Jesus Christus kriegen Sie politisch nicht weg.»

Law-and Order-Ideologie

Doch die Fronten werden sich nach Überzeugung von Vatikankennern zweifellos verhärten. «Der Konflikt wird sich potenzieren, die Gruppe der Kritiker wird wachsen, auch mithilfe von Akteuren, die ihre Ideologien in den sozialen Netzwerken ungehindert verbreiten können», sagt einer. Es gebe viele Menschen, die verunsichert seien, über die voranschreitende Säkularisierung und die Aufweichung alter Werte, in einem diffusen Umfeld von Digitalisierung und offenen Grenzen. Diese Menschen suchen Zuflucht in einer Law-and-Order-Ideologie, die Vordenker wie Bannon und Burke vertreten und die sich rasend schnell digital verbreitet.

Am 29. April wird der Malteserorden einen neuen Mann bestimmen, der die Fäden nach dem Eklat wieder in die Hände nimmt, einen neuen Grossmeister, Nachfolger von Festing, oder, zweite Option, einen Statthalter auf bestimmte Zeit, der die Verfassung revidiert und sie an eine neue Zeit anpasst. Das zumindest würde sich der Schweizer Malteser-Präsident Martin von Walterskirchen wünschen. Es wird sicher ein Mann sein, es wird ein Mönch aus dem Malteserorden sein, und er muss nachweisen können, dass das Blut des Adels in ihm fliesst. Wer nach der Wahl Gott danken wird, der Papst oder Kardinal Leo Raymond Burke und Stephen Bannon, das ist offen.



Wie der Malteserorden entstand

Der Orden, eine halb weltliche, halb religiöse Organisation, wurde im 11. Jahrhundert gegründet. Karl der V. gab dem Orden 1530 die Insel Malta als königliches Lehen. Unter Napoleon verloren die «Malteser-Ritter» die Insel wieder. Seither gilt der Malteserorden als «Regierung im Exil», geniesst aber weiterhin alle diplomatischen Privilegien und wird völkerrechtlich von 30 Staaten anerkannt. Der Orden sieht seine Hauptaufgabe in der weltweiten Caritas. Er hat 13 500 Mitglieder. Viele stammen noch immer aus ehemaligen Ritterfamilien.


Kathpress berichtete am 3. Mai 2017 zur Wahl eines neuen Stadthalters bei den Maltesern:

Malteser: Statthalter-Wahl ist Signal für gemeinsamen Aufbruch

Großkanzler Boeselager: Viele Vorschläge, die nun umgesetzt werden sollen - Übergangs-Ordenschef Dalla Torre genießt "höchstes Vertrauen und Ansehen"

Rom, 03.05.2017 (KAP) Der Malteserorden befindet sich nach Worten seines Großkanzlers Albrecht von Boeselager aktuell in einer "Übergangsphase". Ausdruck dafür sei die Wahl eines Statthalters anstelle eines Großmeisters auf Lebenszeit, erklärte Boeselager auf Anfrage am Dienstag in Rom. Er nannte dies zugleich ein "klares Signal für einen gemeinsamen Aufbruch".

Der Große Staatsrat des Ordens hatte am Samstag den 72-jährigen Italiener Fra Giacomo Dalla Torre als Übergangsleiter für ein Jahr gewählt. Dalla Torre soll den Orden während interner Reformen und bis zur Wahl eines neuen Großmeisters führen.

Dalla Torre sei dazu bestimmt, den bereits angestoßenen Reformprozess zu leiten, so Boeselager weiter. "Die Konsultationen zu den Reformen haben bereits begonnen. Die Ordensregierung wird unter Leitung des Statthalters nun eine Reihe von Ausschüssen zu einzelnen Themen bilden."

Ziel sei es, die eingegangenen Vorschläge in den nächsten Monaten auszuwerten und in konkrete Handlungsempfehlungen zu überführen, über die das Generalkapitel abstimmen werde, erklärte Boeselager weiter. Dies sei "ein inklusiver Prozess, der sicher auch dazu beitragen wird, den Zusammenhalt und Austausch im Orden zu stärken", so der Großkanzler. Dalla Torre genieße im Orden aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und seines bisherigen Wirkens "höchstes Vertrauen und Ansehen".

Der unter anderem in der internationalen Nothilfe tätige Orden, der einen eigenen völkerrechtlichen Status besitzt, war unter dem früheren Großmeister Matthew Festing in eine Leitungskrise geraten. Nach einem Streit um die Amtsenthebung und Wiedereinsetzung von Boeselagers als Großkanzler trat Festing Ende Jänner zurück.

Dalla Torre hatte den Orden bereits 2008 in seiner Funktion als Großkomtur nach dem Tod des damaligen Großmeisters, Fra Andrew Bertie, übergangsweise geleitet. Seit 2008 ist Fra Giacomo Dalla Torre Großprior von Rom. Sein älterer Bruder Giuseppe Dalla Torre ist Richter im Vatikan; er hatte den Vorsitz bei den Vatileaks-Prozessen.