Pfister Xave 120Xaver Pfister schreibt in der Schweizer Zeitschrift Aufbruch am 7. Juni 2018, dass ihm die "Verweigerung des Gesprächs und kritischen Denkens zornig" mache.

Die Stellungnahme des Leiters der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, in der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" am 30. Mai 2018 zum Nein der katholischen Kirche zur Priesterweihe für Frauen muss wohl als Rückzugsgefecht bewertet werden. Immer lauter und klarer werden die Stimmen, die für Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen eintreten. Das wird auch von diesem Beitrag des vatikanischen Erzbischofs nicht aufzuhalten sein.

Schon wieder eine Ohrfeige


Es ist verboten über die Weihe von Frauen zu Priesterinnen zu reden. Der Vatikan hat das Nein der katholischen Kirche zur Priesterweihe für Frauen erneut bekräftigt. Über diese Frage darf auch nicht diskutiert werden.

Denn darüber habe das unfehlbare Lehramt der Kirche endgültig entschieden, betont der Leiter der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, in einem Beitrag für die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (29.5.2018). In einigen Ländern gebe es bis heute Zweifel an der entsprechenden Aussage von Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" von 1994. Daher erklärt der Kurienerzbischof, den Franziskus bald zum Kardinal erheben wird, "die kirchliche Lehre zum Weiheamt sei „endgültig“, da es sich um eine Wahrheit handelt, die zum Glaubensgut der Kirche gehört". Nach vatikanischer Auffassung muss das Glaubensgut im Ganzen angenommen werden. Diese Behauptung entstammt einer Ideologie des Totalitarismus, liest man dazu im Neuen Theologischen Wörterbuch, das Herbert Vorgrimler 2000 herausgegeben hat, unter dem Stichwort Depositum fidei, dass ein Diskussionsverbot immer totalitär ist. Die von Ladaria deklarierte Interpretation geht weit hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurück.

Selbst im 20. Und 21.Jahrhundert gibt sich die Kirche voraufklärerisch.

Frauen werden von den Kirchenmännern kontinuierlich geohrfeigt. Obwohl eine Ohrfeige landläufig mit einem eher geringen Verletzungsrisiko und geringerer Schmerzhaftigkeit in Verbindung gebracht wird, gilt diese unter Erwachsenen doch als besonders ehrenrührig. Seine Würde wird nicht respektiert

Die Ohrfeige von Paul VI.

Schon am 30.November 1975 hat Paul VI in einem Brief an F. D. Coggan, Erzbischof von Canterbury, diese römisch-katholische Position vertreten. "Sie hält daran fest, dass es aus prinzipiellen Gründen nicht zulässig ist, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Zu diesen Gründen gehören: das in der Heiligen Schrift bezeugte Vorbild Christi, der nur Männer zu Aposteln wählte, die konstante Praxis der Kirche, die in der ausschließlichen Wahl von Männern Christus nachahmte, und ihr lebendiges Lehramt, das beharrlich daran festhält, dass der Ausschluss von Frauen vom Priesteramt in Übereinstimmung steht mit Gottes Plan für seine Kirche." In dieser Zeit hat die anglikanische Kirche entschieden, Frauen zu Priesterinnen zu weihen.

Die Ohrfeige von Johannes Paul II. (1978-2005)

Er hat am 22.Mai 1994 erklärt, "dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben".

Eine weitere Ohrfeige der Glaubenskongregation. Bereits im Oktober 1995 hatte die Glaubenskongregation auf Zweifel an "Ordinatio sacerdotalis" geantwortet: Die darin vorgelegte Lehre sei endgültig und gehöre zum Glaubensgut.

Die Frühsommerohfeige 2018 von Franziskus

In dem aktuellen Beitrag missbilligt Ladaria anhaltende Kritik und Zweifel, denen zufolge die Ablehnung der Frauenordination durch eine künftige Entscheidung eines Papstes oder des Konzils geändert werden könnte. Solche Zweifel schädigten nicht nur die kirchliche Lehre vom Weiheamt, sondern auch das Verständnis des Lehramts selbst. Unfehlbarkeit betreffe nicht nur feierliche Ankündigungen eines Konzils oder Papstes, sondern auch das normale und universale Lehramt der Bischöfe weltweit, wenn sie etwas in Gemeinschaft und mit dem Papst als katholische Lehre festhalten, schreibt Ladaria. Auf diese Unfehlbarkeit habe sich Johannes Paul II. bezogen. Und dann die unglaubliche Naivität im Reden von der Rolle der Frau und des Mannes. Der Anspruch, selber Frau und Mann definieren zu können.

Gleichzeitig verweist Ladaria darauf, dass unterschiedliche Aufgaben und Rollen von Frauen und Männern "keinerlei Unterordnung" bedeuteten, sondern "gegenseitige Bereicherung". Allerdings falle es der heutigen Kultur schwer, die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu verstehen und das Gute darin zu erkennen. Vielleicht vermag aber die Kirche die Bedeutung der Genderdebatte nicht zu verstehen.

Trotz aller Verbote diskutieren auch kirchentreue Kardinäle und Theologinnen und Theologen ausführlich und pointiert über die Weihe von Frauen zu Priesterinnen.

Die katholische Kirche diskriminiert Frauen willkürlich. Ein Theologe zerpflückt deren Argumente und fordert ein Umdenken. Kardinal Christoph Schönborn sieht in der katholischen Kirche "notwendiges Veränderungspotenzial". "Eine der Kernfragen ist die Rolle der Frauen in der Kirche", sagte er im Oster-Interview mit mehreren Tageszeitungen. Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen solle von einem Konzil geklärt werden. Die Priesterweihe verheirateter Männer werde wohl bei der Amazonas-Synode 2019 Thema sein. Die Weihe von Frauen zu Diakonen, Priestern und Bischöfen sei eine Frage, "die sicher nur von einem Konzil geklärt werden kann". Das könne auch nicht ein Papst alleine entscheiden. "Das ist eine zu große Frage, als dass sie vom Schreibtisch eines Papstes aus geklärt werden könnte", meinte Schönborn. Die Kirche sei eine Gemeinschaft, und große Entscheidungen sollten gemeinschaftlich getroffen werden.

Der Dogmatiker Michael Seewald meint: Die Argumente der katholischen Kirche gegen die Weihe von Frauen sind nicht überzeugend. Die katholische Kirche schliesst Frauen einzig "aufgrund ihres Geschlechts, das sie sich nicht ausgesucht haben, vom ordinierten Amt aus", schreibt der Theologe In einem Beitrag für die Herder Korrespondenz. Fehlende andere überzeugende Gründe könne man aber nicht einfach durch den Einsatz kirchlicher Autorität ersetzen. "Die Argumente gegen die Frauenordination wirken auf mich konstruiert und wenig überzeugend. Mit so schwachen Argumenten kann man keine derart restriktive Praxis rechtfertigen." Der Ausschluss der Frauen von der Weihe sei viel problematischer als der Pflichtzölibat. Die Entscheidung, ehelos zu leben, könne jeder selber treffen. Frauen hingegen könnten ihr Geschlecht nicht frei wählen. Hier fühlte sich die Hierarchie, egal ob mit Wojtyla, Ratzinger oder Bergoglio an der Spitze, im innersten Kern in ihrer männlichen Vorherrschaft angegriffen, denn diese steht seit der Entfernung weiblicher Apostel vor 2000 Jahren aus der Führungsspitze der frühen Kirche bis zum heutigen Tag unter der Devise: Die Macht in der Kirche haben nur Männer

Ich bin stinksauer, wütend und erzürnt, ob dieser Weigerung der Kirchenleitung, sich zu entwickeln, ob der Unverschämtheit, zu meinen, dass dort wo sie steht und starr bleibt, die Wahrheit wohne.

Mich macht die Verweigerung des Gesprächs und kritischen Denkens zornig.

Ich meine es gelte, immer heftiger zu widerstehen und den Widerspruch deutlich zu äussern.

Manchmal hilft der Humor.

Frage. „Was war auf dem Fünften Vatikanischen Konzil im Jahre 2500 der wichtigste Beschluss?
Antwort: Die Welt-Versammlung der Bischöfinnen der Katholische Kirche hat beschlossen, die Männer wieder zur Priesterweihe zuzulassen“


Zum Autor:

Xaver Pfister, Theologe und Publizist