Hurka STANDARD Ausschnitt 120kirche in klDas System der Alleinentscheidungen durch klerikale Männer ist am Ende. Seit langem wird es kritisiert und widerspricht dem Geist Jesu nach Geschwisterlichkeit. Die Ereignisse im Zusammenhang mit der Versetzung von Alois Schwarz zeigen das wieder einmal deutlich.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben dokumentiert den in der Ausgabe 02/2019 der Monatsschrift KIRCHE IN abgedruckten Beitrag.

Schon die Ankündigung des Wechsels vom Gurker Bischofsstuhl nach St. Pölten war auffallend. Menschen außerhalb Kärntens fragten sich, warum tut sich das der 65-jährige Bischof Schwarz an. Nur, weil es Rom, wer auch immer damit gemeint sein kann, so will?

Aus heutiger Sicht kann durchaus davon ausgegangen werden. Liegt doch nunmehr ein erster Prüfbericht und ein Pressestatement des Domkapitels der Diözese Gurk/Klagenfurt vor. Demnach gab es Kritik an der Amts- und Lebensführung des Bischofs. „In jedem kleinsten Bergdorf wurde man auf euer Verhältnis angesprochen“ schrieb Gerda Schaffelhofer in einem offenen Brief an ihren Studienkollegen. Damit hat sie die Beziehung von Schwarz zu seiner „Lebensfrau“ gemeint. Informierte Beobachter sahen daraus eine Abhängigkeit begründet, die objektive Entscheidungen erschwerten.

Über Auftrag des Diözesanadministrators prüfte eine auch mit externen Prüfern ausgestattete „Arbeitsgruppe Bistum“ die wirtschaftliche Situation des Mensalguts. Sie stellten nicht nur Verluste in Millionenhöhe, sondern auch das Ausschalten verbindlicher Mitentscheidungsinstanzen fest. So wurde der seit 2013 eingesetzte „Wirtschaftsrat mit 31.1.2018 aufgelöst und durch einen Fachbeirat ersetzt“. Dieser hatte nur mehr „ausschließlich beratenden Kompetenzen“ und „die Wertgrenzen für die Beratung durch den Fachbeirat bei Krediten und Veräußerungen [wurden] von € 100.000,-- auf € 1,0 Mio angehoben und damit verzehnfacht“.

Es kann durchaus glaubwürdig davon ausgegangen werden, dass Rom davon wusste. Immerhin gab es zahlreiche Interventionen in Richtung Nuntiatur, Kardinal Christoph Schönborn oder dem Vorsitzenden der Kirchenprovinz, dem Salzburger Erzbischof.

Die Vorgangsweise Roms verlief aber nach dem alten, intransparenten Muster „vertuschen und versetzen“, wie es die „Laieninitiative“ nannte. Selbst unter Berücksichtigung des berechtigten Schutzes von Persönlichkeitsrechten vergrößert ein solches Verhalten eher die Probleme, als dass es sie löst. Über Angelegenheiten, die alle betreffen sind auch alle zu informieren. Nicht erst, wenn Schaden entstanden ist.

Bei aller Bedeutsamkeit der Ereignisse, darf aber nicht übersehen werden, dass es sich hier nicht nur um ein „System Schwarz“ handelt. Selbstverständlich sind die Vorkommnisse aufzuklären und Lösungen zu erarbeiten, die eine Wiederholung weder in Kärnten noch in einer anderen Diözese erlauben.

Dazu braucht es aber den Blick über die Einzelfälle hinaus auf die grundsätzlichen Fragen nach Macht, Gewaltentrennung, Transparenz, Mitbestimmung, Entscheidungskompetenzen, Zölibat usw.

Wunibald Müller, der langjährige Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach, stellte erst kürzlich in einem Gastbeitrag in der „Welt“ fest, die Bischöfe haben sich „in der Vergangenheit als nicht fähig erwiesen, die Kirche gemäß dem Evangelium zu leiten und vor Schaden zu bewahren.“ Der Theologe und Psychologe fordert darin eine „Revolution“, die die „Machtpyramide“ aber nicht einfach umkehrt. Er verweist auf den Benediktinerpater David Steindl-Rast und meint, sie ist abzubauen und „durch ein Netzwerk gegenseitiger Unterstützung und Ermächtigung“ zu ersetzen.

Die Kirche muss ausgehend von der Gemeinschaft der Gläubigen neu strukturiert werden und nicht von der Teilung in Kleriker und Laien oder Männer und Frauen. Es geht um den alten Grundsatz: „Was alle angeht, muss von allen besprochen werden“. Die Kirche, die Machtverteilung, das Kirchenvermögen usw. geht alle etwas an und ist daher von allen, insbesondere von den Betroffenen mitzubestimmen und zu kontrollieren. Dazu braucht es Informationen und die Einbindung in die Entscheidungen.

Ein System, das einzelne Personen zu unkontrollierbaren Alleinentscheidungen ermächtigt und die Betroffenen ausschließlich zu stillem Gehorsam verpflichtet, ist weder jesuanisch noch zeitgemäß. Es braucht eine Balance der Machtverteilung, die Beteiligung der Betroffenen bei den Entscheidungen und eine regelmäßige unabhängige Kontrolle. Entscheidungen, so zeigt schon die Apostelgeschichte, sind einmütig zu treffen. Das ist keine Einstimmigkeit, aber die Betroffenen nehmen die Entscheidung, wenn auch mit Vorbehalten, an.

Schon 1987, anlässlich der Ernennung von Kurt Krenn zum Weihbischof in Wien, hat das "Forum Kirche ist Gemeinschaft" ein vorausgehendes „Diözensankonklave“ vorgeschlagen. Aus einem so in der Diözese erarbeiteten „Dreiervorschlag“ kann dann der Bischof von Rom oder wer auch immer den Bischof wählen. Ob die Visitatoren zukunftsweisende Schlüsse ziehen, wird auch an der Neubestellung eines Bischofs in Kärnten abzulesen sein.

Auch was die Finanzgebarung der Bistümer anlangt, besteht dringender Handlungsbedarf. Die Gläubigen werden nicht ernst genommen, wenn zwar global Rechenschaft in Form von bunten Tortendiagrammen über die Höhe und Verwendung des Kirchenbeitrags gelegt wird, gleichzeitig ein „Schattenbudget“ im Geheimen vorhanden ist, über das nur der Bischof und ganz wenige Vertraute Bescheid wissen. Damit wird der Finanzgrundsatz der Vollständigkeit grob vernachlässigt.

So sieht keine arme Kirche an der Seite der Armen aus. Damit wird zumindest der Verdacht nach großem Vermögen gesät. Auch wenn es schon zu keiner Zusammenführung kommt, weil es verschiedene Rechnungskreise sind, ist doch eine Offenlegung allen Gläubigen gegenüber das Mindestmaß.

Wie weit das „System Schwarz“ auch mit dem Zölibat zusammen hängt, wird vielleicht auch geklärt. Entscheidend ist aber die Aufhebung des Pflichtzölibats. Die große Mehrheit der Gläubigen fällt nicht mehr aus dem Bett, wenn sich Kleriker in eine Frau verlieben. Hier hat Rom schon lange Handlungsbedarf. Es braucht eine Trennung der Gewalten, eine Neuverteilung der Macht sowie einen reiferen, faireren und angemesseneren Umgang mit Sexualität. Dieser erschwert Übergriffe.

Das alles ist seit langem bekannt. Es ist zu hoffen, dass die Visitation in der Diözese Gurk/Klagenfurt die entscheidenden Punkte ans Tageslicht bringt und entsprechende Schlüsse zieht, die solche Änderungen einleiten. Ob dafür die geeigneten Visitatoren ausgesucht wurden, wird auch an den Ergebnissen zu beurteilen sein. Vielleicht ist das „System Schwarz“ der Wendepunkt, um Götterdämmerung einzuleiten.