Lutter Elisabeth 150Bica H 150kirche in klElisabeth Lutter und Heinrich Bica
(Vernetzte Ökumene Wien West)

Zwei in der Ökumene engagierte Katholikinnen berichten und geben ihren Ausblick zur Ökumenearbeit aud heutiger Sicht Beide Dr.in Elisabeth Lutter und Dr, Heinrich Bica,sind keine Theologen aber sehr engagiert.

„Wenn wir vollkommen wären, hätten wir einander nicht nötig“: Dieser Satz des Theologen Josef Dirnbeck aus seinem Buch “Der Himmel ist offen“ (Tyrolia, 2015) kann ein Leitgedanke für die Gebetswoche für die Einheit der Christen sein. Einander ergänzen, voneinander lernen, miteinander singen, beten und meditieren – ein lebendiger Weg, den Christinnen und Christen geschwisterlich miteinander beschreiten sollten.

Schon in den verschiedenen christlichen Gemeinden der ersten Jahrhunderte entstehen unterschiedliche Traditionen. Im Laufe der weiteren zeitlichen und politischen Entwicklungen und im Zuge der Verbreitung der Lehre Jesu „in alle Welt“ haben verschiedene Interpretationen oder auch Anpassungen an regionale Gegebenheiten zur Ausbildung der heute bestehenden „christlichen Kirchen“ geführt. Sie nehmen alle für sich in Anspruch, die Lehre und die Weisungen Jesu zu leben und weiterzugeben. Diese Verschiedenheit hat bis zu Religionskriegen geführt. Dagegen steht das „Testament Jesu“, das er den Seinen in seinen Abschiedsreden zur Verpflichtung gemacht hat: Er betet vor ihnen zu seinem himmlischen Vater: „Ich bitte dich, Vater, dass sie eins seien, wie du in mir und ich in dir.“ (Joh 17)

Angesichts des Auftrags, seine Botschaft den Menschen „in aller Welt“ zu verkünden, hat die christliche Mission schon vor etwa 100 Jahren die „ökumenische Bewegung“ ins Leben gerufen, um „den Heiden“ das gemeinsam Wesentliche der christlichen Lehre zu verkünden. Nach dem 2. Weltkrieg war es, als Reaktion auf alle erfahrene Unmenschlichkeit, ein gemeinsames Bedürfnis, die Ökumenische Bewegung zu erneuern. Das Reformationsgedenkjahr 2017 hat, in Nachfolge der gemeinsamen „Rechtfertigungslehre“ (1999), zu neuen Bemühungen um die „Einheit (der Kirchen) in versöhnter Verschiedenheit“ geführt. Gleichzeitig gibt es katholisch-orthodoxe Bemühungen um ein für beide Seiten annehmbares Verständnis des päpstlichen Primats (versus orthodoxer Synodalität), besonders betrieben vom wissenschaftlichen „Arbeitskreis St. Irenäus“. Dennoch besteht der katholische Anspruch auf das Petrusamt als weltweit anerkannten Primat mit Unfehlbarkeitsanspruch in der Glaubenslehre, die Unmöglichkeit des gemeinsamen Abendmahles auf Grund des katholischen Amtsverständnisses und die Unvereinbarkeit des Kirchenverständnisses. Die Enzyklika „Dominus Jesus“ war hier ein „Schuss vor den Bug“ erfolgversprechender Ökumenearbeit.

Wir stehen heute in der Ökumenearbeit vor dem Phänomen einer immer gott/religionsferneren Welt, aber gleichzeitig nehmen wir ein zunehmendes Sinnsuchen vieler Menschen wahr. Umso mehr müssen wir auf einen „Dialog auf Augenhöhe“ auch zwischen den christlichen Kirchen setzen. Dieser Dialog entdeckt immer wieder den spirituellen Reichtum der Partnerkirchen, man muss ihn nur, ebenso wie ihre Liturgie, aus der Sicht eben der Partnerkirchen und als Schatz, nicht als Defizit verstehen wollen. Das gelingt umso mehr, wenn wir uns gerade in der Ökumenearbeit des „allgemeinen Priestertums“ bewusst sind, das uns zugesprochen ist, und demnach das persönliche Gewissen als die oberste Instanz gegenüber lehramtlichen Ge/Verboten ins Zentrum stellen.

Vertieft durch gemeinsames Gebet, gemeinsame Gottesdienste und gemeinsame Erfahrungen in den unterschiedlichsten Feldern (Bibelarbeit, Caritas/Diakonie, Firm-/Konfirmationsvorbereitung...), kann von der Basis der betroffenen Menschen, besonders konfessionsverbindender Paare her, abseits von theologischer „Defizit-Fahndung“, eine neue „Einheit der Kirche Jesu in versöhnter Verschiedenheit“ gelingen. Auch der Dialog mit unseren „älteren Geschwistern im Glauben an den Ewigen“, den Juden, steht auf diesem Fundament und ist uns in gleichem Maß wichtig. Dazu ist der Aufbau von zwischenmenschlichem Vertrauen notwendig. Zur Übernahme dieses Modells der Annäherung laden wir als „Vernetzte Ökumene Wien“ mit unseren Initiativen ein.

Das Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen für 2021 ist: „Bleibt in meiner Liebe und ihr werdet reiche Frucht bringen“ (Joh 15,8-9) – bemühen wir uns, in ökumenischer Verbundenheit reiche Frucht zu bringen.

30.11.2020

 
What do you want to do ?
New mail
 
What do you want to do ?
New mail