Haering Hermann20 150Hermann Häring feiert morgen seinen 80. Geburtstag. Dabei blickt er nicht nur auf ein langes und arbeitsreiches Leben zurück, sondern auch auf ein bewegtes. Das Netzwerk: zeitgemäß glauben gratuliert dem Jubilar und bedankt sich bei ihm für all sein umsichtiges und segensreiches Wirken. Häring hat für die Theologie in der Moderne Preschen geschlagen, die kommenden Generationen zu Gute kommen werden. DANKE!

Hermann Häring wurde am 7. Juli 1937 in Pforzheim geboren. Er wuchs mit seinen zwei Brüdern Karl, dem späteren Pfarrer und Georg dem späteren Juristen auf.

Der Jubilar besuchte die Heimschule Lender und studierte anschließend Philosophie in München und katholische Theologie an der Universität Tübingen. Häring wollte ursprünglich Jesuit werden, trat auch ins Noviziat ein, doch entschied er sich dann für ein Leben mit Familie. Er heiratete seine Frau Inge und gemeinsam haben sie drei Kinder.

Von 1970 bis 1980 war Häring wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für ökumenische Forschung in Tübingen unter Leitung von Hans Küng.

1980 erhielt er eine Professur für katholische Systematische Theologie an der Universität Nijmegen. Schon dieser Umstand ist bemerkenswert. Ein deutscher Theologe – noch dazu mit diesem Format – erhält eine Professur in den Niederlanden und nicht in Deutschland. Offensichtlich haben die vatikanischen und in Deutschland romtreuen Kräfte Professoren zu verhindern gewusst, die vom Geist Hans Küngs infiziert sein könnten.

1999 wurde er Professor für Wissenschaftstheorie und Theologie. In dessen Rahmen baute er das interdisziplinäre Institut für Theologie, Wissenschaft und Kultur auf.

2005 emeritierte Häring. Auch danach – bis zum heutigen Tag – blieb er weiterhin wissenschaftlicher Berater beim Küngschen „Projekt Weltethos“ und beschäftigt sich mit den relevanten aktuellen Fragen des Lebens, der Kirche und der Theologie. Sein aktuelles Forschungsinteresse gilt besonders Fragen des ökumenischen und interreligiösen Dialogs.

2009 erhielt er den Herbert-Haag-Preis. Die Herbert Haag-Stiftung sagte damals: „Hermann Häring hat er sich immer wieder gegen dogmatische Engführungen gewandt, römische Vorgaben kritisch hinterfragt und darauf hingewiesen, dass kirchliche Ämter nur dann legitim sind, wenn sie sich als Dienst an der Botschaft Jesu verstehen. Häring stellt die Fragen heutiger Menschen ins Zentrum seiner Theologie und nimmt sie als mündige und kompetente Gesprächspartner ernst.“

Die Person Häring ist besser kaum zu charakterisieren. Persönlich sehe ich Häring als Mensch und Theologen, der sich um die Menschen sorgt, dabei einfühlsam ist, ruhig und besonnen agiert, stets auch die Anliegen der anderen Seite im Auge hat, kritisch die Realität in den Blick nimmt, messerscharf reflektiert und so viele Fragen der Gegenwart in der Kirche mit Klartext auf den Punkt bringt. Er ist ein sich zuwendender, geschwisterlicher Mensch. Gleichzeitig ist er ein liebevoller Familienmensch. Härig ist kein blinder Karriereeiferer, sondern ein Ehepartner, der seine reizende Frau oft mit an seiner Seite hat, die ihn auch gerne begleitet und hilfreich unterstützt. In all den Begegnungen, die ich bisher mit Hermann Häring hatte, ist mir nicht nur seine Klugheit, sein umfangreiches Wissen und sein scharfer Intellekt aufgefallen, sondern vor allem seine Menschlichkeit. Er drängt sich nicht vor, such nicht ständig das Rampenlicht, ist kein Besserwisser, sondern er ist klug, selbstbewusst und stellt ich dort in den Dienst, wo er gebraucht wird. Das zeichnet Hermann Häring aus.

Prägnante Äußerungen der jüngeren Vergangenheit

In den letzten Jahren hat er immer wieder zu den aktuellen Frage in Büchern, Artikeln oder Interviews öffentlich Stellung bezogen. So hat er sich mit der Person und mit der Theologie von Joseph Ratzinger – den er ja noch aus der Tübinger Zeit kennt – und späteren Benedikt XVI. intensiv auseinander gesetzt. Auch hier nennt er in einer Gesamtbeurteilung zuerst seine Stärken „intellektuellen Kraft“ und anschließend die Schwächen „Angst vor der Moderne“ die er sieht. So meint Häring: Benedikt habe die Fragen „konservativ geregelt. Aber er hat das mit intellektuellem Anspruch getan.“ Auf die Frage nach den Defiziten sagt Häring: „In der wachsenden Angst und dem wachsenden Misstrauen gegenüber den kirchlichen Entwicklungen, die Benedikt XVI. mit einem verstärkten Rückgriff auf die griechische Tradition beantwortete. Er versuchte das Neue Testament auf Biegen und Brechen so auszulegen, dass es in Kontinuität mit den altkirchlichen Dogmen stand. Im Gegenzug zeigte sich seine Unfähigkeit mit dem umzugehen, was wir Moderne nennen. Das war für ihn "Diktatur des Relativismus". Und meint, er habe eine „zu Stein gewordene Theologie“.

Kirche

Häring propagiert, „die Kirche muss pluraler werden. Wir brauchen eine dezentralisierte Kirche, in der die Kontinente ein eigenes Glaubensgesicht formulieren können. In allen Kirchen muss die Rolle der Frau befriedigend geregelt werden. Die Menschenrechte müssen zur Grundlage theologischen Denkens, von Kirchenrecht und Kirchenordnung werden.“

Und er konstatiert optimistisch, „wir sind nicht am Ende eines schmerzlichen, sondern am Beginn eines heilsamen Prozesses.

Konzil

Zur Erneuerung der Kirche meint er, dass die alleinige Rückbesinnung auf das letzte große Konzil zu wenig ist, weil die „Konzilstexte in sich selbst disparat, voller Spannungen und unausgegorener Kompromisse sind.“

Franziskus

Auch gegenüber den heutigen Bischof von Rom ist Häring kritisch. So sagt er: „dass Franziskus die klassische Lehre und Theologie bislang in keiner Weise zu ändern gedenkt“.


2013 schreibt Häring inder Zeitschrift „Imprimatur“ Nr. 7/2013 auf Seite 325: Der „absolute Wahrheitsanspruch der kirchlichen Lehre“ müsse „mühsam aufgebrochen“ und „mit unserer Wirklichkeit konfrontiert“ werden.

Gerhard Ludwig Müller

Vor wenigen Tagen wurde Gerhard Ludwig Müller vom Chefsessel der Glaubenskongregation abberufen, genau gesagt, seine Betrauung mit dieser Funktion wurde nicht weiter verlängert. Bereits im November 2013 sagt Häring: „Deshalb muss jetzt schon deutlich gesagt werden, dass ein Mann wie Bischof Gerhard L. Müller mit seiner autoritären, biblisch nicht begründbaren Lehramtsideologie an der Spitze der Glaubenskongregation untragbar und unhaltbar ist.“ „Am besten wäre es, zusammen mit seiner Absetzung diese unselige Behörde abzuschaffen.“

Kirchenbild

Häring ist in all seinen Konzepten stets für Gleichberechtigung aller in der Kirche eingetreten sowie er hat stets auch „Demokratie“, „Dialog“ und „Toleranz“ als wesentliche Säulen jeder Gemeinschaft gesehen.

Vorfälle in Limburg: Tebartz-van Elst

Auch zu Tebartz-van Elst hat er klar Stellung bezogen: „Er stehe wegen seines Führungsstils und angeblicher Verschwendung in der Kritik“ und „in der Amtsführung von Bischof Tebartz-van Elst ist keine Korrektur zu erwarten".
Er benennt auch klar die falsche Strategie: "Ablenkungen und Verschleierungen, Ausflüchte, Vertröstungen und halbrichtige Behauptungen" seinen zur Routine geworden.
Und als er bennet auch Konsequenzen: "Dieser enorme Vertrauensverlust ist ein unhaltbarer Zustand, den ein Bistum nicht verdient, der eines Bischofs unwürdig ist und die Betroffenen im Grunde verhöhnt", schreibt Häring in einem Brief. Und weiter: "Ganz offensichtlich ist dieser Kirchenmann überhaupt nicht fähig, sich selbst zu beobachten und in eine selbstkritische Beziehung einzutreten, seine Schwächen zu erkennen und etwas zuzugeben, vielleicht Reue zu zeigen, geschweige denn darüber zu reden und sein Verhalten konkret zu ändern."

Bischöfe

Bischöfe seien bislang nur dann berufen worden, "wenn sie absolut obrigkeitshörig waren und sich von persönlichen Sonderproblemen der Gläubigen nicht irritieren ließen". Der Fall sei deshalb so wichtig, "weil er eine Mentalität bloßlegt, die sich - gedämpfter vielleicht - bei vielen Bischöfen eingenistet hat".

In SPIEGEL ONLINE sagt Häring 2013: „Obwohl in einer demokratischen Gesellschaft erzogen, vereinigen sie [die Bischöfe]in ihrer Amtsführung gesetzgebende, exekutive und richterliche Gewalten. Hat Jesus denn vor 2000 Jahren eine Autokratie installiert?“

Das ist Klartext!

Sexuelle Übergriffe

Ebenso eindeutig nimmt Häring 2010 in der Frage der sexuellen Übergriffe und einem eigenartigen vatikanischen Kurs Stellung: „In Rom habe Kardinal Sodano die Klagen der Opfer als Geschwätz verhöhnt. Auch scheine es die neue Sprachregelung der Hardliner in der Kirche zu sein, die Homosexualität zum Sündenbock zu machen.“

Und er expliziert: „Die Mehrheit der katholischen Moraltheologen akzeptiert inzwischen, was Ergebnis auch wissenschaftlicher Untersuchungen ist. Es gibt homosexuelle und es gibt heterosexuelle Neigungen, die den Menschen gegeben sind, die sie nicht mehr beeinflussen können - Punkt eins. Punkt zwei: Sinn der Sexualität ist eben nicht nur und auch nicht unbedingt in erster Linie, wie man früher sagte, die Zeugung der Nachkommenschaft, womit sie ja nur dann in der Ehe erlaubt wäre, sondern ist das Zeugnis gegenseitiger Liebe.

Auch das ist eine klare Sprache!

Häring unterstützt die Kurienreform und sieht sie dringlich. Er begründet dies damit: „Es gibt nichts im Augenblick, was nicht in Rom kontrolliert würde. Es ist ein Überwachungswahn, der schleunigst aufhören muss.“

Familiensynode

Im Vorfeld der Familiensynode sagt Häring: „Ich hoffe auf eine Regelung zur Wiederzulassung von Wiederverheirateten zu den Sakramenten. Auch sollte wenigstens allgemein anerkannt werden, dass es bei Sexualität um entwicklungsfähige Beziehungen geht. Daraus ergibt sich von selbst auch ein Verständnis für Menschen mit einem anderen Lebenskonzept.“

Und weiter: „Ja, es gibt Grundfragen, die den aktuellen Diskussionen vorangehen müssten. So wird Sexualität in der Kirche noch immer rein biologistisch betrachtet, und was über die Zeugung von Kindern hinausgeht, kaum zur Kenntnis genommen. Konsens ist zwar, dass Sexualität etwas mit Liebe zu tun hat, aber Konsequenzen zieht man daraus kaum.“

Naturwissenschaft und Lehramt

Und wieder ein Stück Klartext: „Ja, das sogenannte Lehramt hielt es bislang nicht für notwendig, Psychologie und Naturwissenschaften ernsthaft aufzunehmen. Man glaubt sich selbst im Vollbesitz der Wahrheit.“

Zum Abschluss diese kurzen Würdigung noch einige Buchtitel von © Hermann Häring:

  • Theologie und Ideologie bei Joseph Ratzinger (2001)
  • Jesus von Nazareth in der wissenschaftlichen Diskussion (Hg) (2008
  • Im Namen des Herren: Wohin der Papst die Kirche führt (2009)
  • Der Jesus des Papstes (2011)
  • Freiheit im Haus des Herrn (2011)
  • Versuchung Fundamentalismus (2013)
  • Keine Christen zweiter Klasse! Wiederverheiratete Geschiedene - Ein theologischer Zwischenruf (2014)