Heggli Andreas 150Andreas Heggli wurde 1968 der erste Pastoralassistent der Schweiz. Sein langes römisch-katholisches Theologenleben engagiert er sich für die Freiheit in seiner Kirche. Dies tat er stets mit ganzem Herzen. Bei seinen Aufgaben war und ist zu spüren, es geht nicht nur darum die Sache gut zu machen, sondern es ging und geht ihm stehts auch um den Menschen. Die Aufgaben sind eingebunden in die Beziehung. Das zeichnet Andreas Heggli ganz besonders aus. Ihm gebührt für all sein Wirken herzlicher DANK!

Der in Luzern lebende Heggli hat lange Jahre den Herbert-Haag-Preis für die Freiheit in der Kirche mitgeprägt und wurde so auch schweizweit bekannt. Er wirkt auch bis heute in progressiven Basisgruppen der römisch-katholischen Kirche der Schweiz mit, etwa in der Allianz «es reicht». Warum es ihm trotz allem Protest selber immer noch nicht reicht mit seiner Kirche, erklärt er in der Sendung "Perspektiven".

Die Redakteurin Judith Wipfler vom Schweizer Radio SRF1 gestaltet am Sonntag, 11. März 2018 anlässlich des 50 Jahrestages der Anstellung des ersten Pastoralassistenten in der Schweiz eine Sendung. Diese sonntäglichen "Perspektiven" sind der Person Andreas Heggli und diesem Ereignis gewidmet.


 Vor 50 Jahren begann in der Luzerner Pfarrei St. Johannes, was heute in der Schweizer Kirche nicht mehr wegzudenken ist.

Andreas Heggli (*1943) erinnert sich, wie er zum ersten Pastoralassistenten der Schweiz wurde

Am 24. April 1968 begann meine Anstellung bei der Katholischen Kirchgemeinde Luzern. Kurz vorher, anfangs April, habe ich meinen Studienort Tübingen verlassen, wo ich seit Herbst 1963 katholische Theologie studiert hatte. Ich übernahm nach Ostern die Stelle von einer Katechetin, die während des Schuljahres ausschied. Als Mitarbeiter der Pfarrei St. Johannes war ich bis 28. Februar 1974 tätig, dann wechselte ich in die kirchliche Erwachsenenbildung. Nach zwei kürzeren Projekten war ich dann im RomeroHaus Luzern angestellt, etwas mehr als 25 Jahre bis zu meiner Pensionierung im Sommer 2008. Teilweise parallel dazu und weiter bis 2017 war ich während 14 Jahren teilzeitlich als Geschäftsführer der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche tätig (www.herberthaag-stiftung.ch).

Zurück ins Frühjahr 1968, das ja in der westlichen Welt alle Lebensbereiche gründlich durchschüttelte. In meinem damaligen Bewerbungsschreiben z.H. des Luzerner Kirchenrates schrieb ich: "Ich bewerbe mich um eine Stelle als Pfarrei-Helfer. Aus kirchenrechtlichen Gründen ist es leider vorläufig nicht möglich, mich als Diakon einzusetzen, obwohl das Konzil die Wiedereinführung des sog. Ständigen Diakonats grundsätzlich beschlossen hat. Ich werde diesen Beruf jedoch weiterhin anstreben und wäre Ihnen darum sehr dankbar, wenn sie mir schon vor meiner Weihe [zum Diakon] diakonale Aufgaben übertragen würden, damit ich eine meiner Neigung und Ausbildung entsprechende Tätigkeit ausüben kann." (Da ich – wie erwähnt – 1974 aus der Pfarreiarbeit/-seelsorge ausschied, habe ich später – als dies möglich geworden war – die Diakonatsweihe nicht weiterhin angestrebt.)

Warum ich jetzt nach fünfzig Jahren daran erinnere? Was 1968 in Luzern ziemlich unspektakulär realisiert wurde, war ja pionierhaft, wie im Rückblick festgestellt werden kann: Ich war damit der erste Pastoralassistent der Schweiz (damals noch "Pfarrei-Helfer" genannt, vielleicht in Anlehnung an die "Pfarrhelfer", wie die Vikare in der Mutterpfarrei St. Leodegar genannt wurden). Möglich gemacht hat diesen Schritt in erster Linie der damalige Pfarrrektor im Würzenbach-Quartier, Franz Xaver Schwander, zusammen mit dem Pfarrer von St. Karl, Karl Brunner, gesamtstädtisch für den Religionsunterricht zuständig, sowie unterstützt vom Kleinen Kirchenrat, wo Pfarrer Joseph Bühlmann Präsident war (wenn ich mich in diesem Punkt richtig erinnere). Das Ordinariat in Solothurn wurde nicht einbezogen, die "fehlende" Missio canonica wurde erst etwa drei Jahre später zum Thema bzw. zum Problem. Schwander vertrat dezidiert die Meinung, dass das kurz vorher abgeschlossene Konzil in dieser Richtung ging und folgerte "das machen wir doch jetzt" und fragen nicht lange nach einer Erlaubnis. Seine Entschiedenheit, gepaart mit dem fortschrittlichen Klima in der Luzerner Kirchgemeinde – das erfreulicherweise bis heute anhält –, machte diesen Anfang möglich.

Dieses Experiment mündete in einer Entwicklung, die die Seelsorge- bzw. Pfarreien-Landschaft in Luzern, im Bistum Basel und in der ganzen Deutschschweiz nachhaltig veränderte und ohne die inzwischen ja eine vernünftige kirchliche Arbeit gar nicht mehr denkbar wäre. In den Pfarreien von Luzern gab es sehr bald weitere Pfarrei-Helfer (Arthur Nussbaum / Markus Leutenegger / Hans-Ruedi Häusermann / Rob van Wezemal). Frauen kamen damals – ohne dass dazu überhaupt eine Diskussion stattfand – für diese Aufgabe noch nicht in Frage, was ich natürlich im Rückblick sehr kritisch beurteile, zumal es in Luzern schon in den 1950er-Jahren Katechetinnen gab (z.B. Hildegard Bannwart-Krieger)! Alle Beteiligten waren – so fortschrittlich sie in gewissen Fragen dachten und handelten – halt trotzdem auch Kinder ihrer Zeit.

Epilog – Während ich diese Erinnerungen zusammenstelle, kommt mir eine Medienmitteilung (von KNA) unter die Augen: Der emeritierte deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes (83) hat sich gegen eine kirchliche Gemeindeleitung durch Laien ausgesprochen. Das Kirchenrecht bestimme, dass die Leitung einem geweihten Priester obliegen müsse, sagte Cordes an einer Tagung im Februar 2018 in Trier. "Diese Festlegungen der Kirche begrenzen mögliche Innovationsfreude von Ordinarien", sagte Cordes. Und ich sage dazu: Wie gut, dass Franz Xaver Schwander vor fünfzig Jahren nicht solche Kirchen-Hirarchen um Erlaubnis gefragt hat, sondern sich "nur" fragte, was denn für jene Christen-Gemeinde gut ist, für die er eine besondere Verantwortung trägt – und auf welche Impulse des Konzils er sich dabei abstützen kann.

Einiges davon – und noch anderes – werde ich demnächst am Radio erzählen, schreibt Heggli.

Judith Wipfler von der SRF-Redaktion Religion hat mich anlässlich meiner bevorstehenden offiziellen Verabschiedung bei der Herbert-Haag-Stiftung zu einem Gespräch eingeladen, den Bogen dabei aber über meine ganze Zeit der kirchlichen Tätigkeit geschlagen. Sie wollte u.a. von mir wissen, warum ein Alt-68er sich immer noch im kirchlichen Umfeld engagiert...

Die Aufnahmen wurden vor einigen Tagen gemacht und es resultierte Tonmaterial von rund einer Stunde. Daraus wird Judith Wipfler dann eine halbstündige Sendung zusammenstellen. Ich bin gespannt darauf...!

Nachfolgend die Angaben von Radio SRF 2 Kultur zur vorgesehenen Sendung am Vormittag der Preisverleihung der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche (vgl. https://www.srf.ch/sendungen/perspektiven/ihm-reicht-s-nicht-mit-der-kirche)