Jugendsynode 2018 150Das Internetportal katholisch.de und kathpress berichten über den Abschlussbericht der Vor-Synode zu der im Oktober 2018 stattfindenden Bischofssynode über "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung". 300 Jugendliche haben dazu vom 19. bis 23. März in Rom getagt.

Das 13-seitige Papier ist ein Plädoyer für Frauen in der Kirche, mehr Mitbestimmung, Änderungen in der Sexualmoral und einsichtigere Erklärungen, eine Kirche die Gesprächspartnerin auf der Höhe der Zeit sein kann, die Beachtung, dass nicht nur Kleriker, sondern alle Menschen berufen sind sowie neue Formen der Verkündigung.

So wünschen sich Jugendliche die Kirche!

300 Jugendliche haben in Rom über die Zukunft der Kirche diskutiert. Jetzt wurde das Abschlusspapier dem Papst überreicht. Es will ein "Kompass" für die bevorstehende Synode zum Thema Jugend sein.
Vatikan | - 25.03.2018

Der 13-seitige Text ist von der sogenannten Vorsynode am Samstag nahezu einstimmig verabschiedet worden. Das Schreiben soll nach dem Willen der Jugendlichen "Bischöfen als Kompass dienen, junge Menschen besser zu verstehen". Es zur Vorbereitung der Weltbischofssynode zum Thema Jugend im Oktober dienen. Der Papst hatte angekündigt, die Wünsche und Forderungen der Jugendlichen in die Tagesordnung der Synode einfließen zu lassen. Das Dokument bündelt die Debatten von 300 Jugendlichen in Rom, weitere 15.000 waren via Internet beteiligt. Es besteht aus zwei Teilen und gliedert sich in 15 Kapitel. Die Originalsprache ist Englisch.

Das Schreiben beginnt mit der Feststellung, dass die Situationen von Jugendlichen weltweit heute nur schwer miteinander vergleichbar sind: "Jugendliche von heute sind mit einer Menge von inneren und äußeren Veränderungen und Möglichkeiten konfrontiert, von denen viele spezifisch für ihren individuellen Kontext sind und einige Kontinente übergreifend". Die Kirche müsse prüfen, wie sie angesichts dieser Lage ein "effektiver, relevanter und Leben schenkender Begleiter für deren Leben" sein könne. Das Dokument sei eine "synthetische Plattform, um einige Gedanken und Erfahrungen auszudrücken", heißt es weiter. Es handle sich um "eine Zusammenfassung unserer Gedanken und Erfahrungen, Überlegungen junger Menschen des 21. Jahrhunderts mit unterschiedlichem religiösen und kulturellen Hintergrund".

Die Logik des "Das-war-schon-immer-so" überwinden

Das 1. Kapitel trägt die Überschrift "Die Bildung der Persönlichkeit". Darin beklagen die Jugendlichen, dass die Kirche allzu häufig "zu streng" erscheine und "oft mit einem überzogenen Moralismus verbunden wird". Es sei in der Kirche schwer, die Logik des "Das-war-schon-immer-so" zu überwinden. Weiter heißt es: "Wir brauchen eine Kirche, die willkommen heißt und barmherzig ist, die ihre Wurzeln und ihr Erbe würdigt und jeden liebt, auch jene, die nicht den üblichen Standards folgen".

Die Jugendlichen fordern die Kirche zudem auf, Familien besser zu unterstützen und ihnen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Dies sei besonders in jenen Ländern nötig, in denen keine Meinungsfreiheit herrsche, und die Kinder deshalb von ihren Eltern zuhause im Glauben unterrichtet werden müssten. Mit Blick auf die schwierige Situation Jugendlicher im Nahen Osten, "die sich häufig gezwungen sehen, zu anderen Religionen überzutreten, um von Gleichaltrigen und der sie umgebenden dominanten Kultur akzeptiert zu werden", heißt es, die Kirche müsse zeigen, dass "es Platz für alle gibt". Das gelte ebenso für Einwanderer in Europa, die sozial ausgeschlossen seien und sich genötigt sähen, ihre kulturelle Identität aufzugeben und sich der vorherrschenden Kultur anzupassen. Außerdem äußern die Jugendlichen die Erwartung, dass die Kirche ein "kritisches Denken" etwa im Umgang mit sozialen Netzwerken lehre. Das geschehe in den Schulen oft nicht.

Im 2. Kapitel mit der Überschrift "Die Beziehung zu anderen Menschen" sprechen sich die Jugendlichen für einen "konstruktiven Dialog" mit Angehörigen anderer Religionen und Kulturen aus. Die Kirche müsse auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle spielen. Sie bedauern zugleich, dass es bislang keinen "bindenden Konsens in der Frage des Willkommens von Migranten und Flüchtlingen" gebe.

"Multikulturalismus kann Dialog und Toleranz erleichtern"

Die Jugendlichen betonen, dass die Vielfalt der globalisierten Welt eine Bereicherung sei und Unterschiede nicht unterdrückt werden sollten. "Multikulturalismus kann die Schaffung einer Umgebung für Toleranz und Dialog erleichtern". Die Jugendlichen beklagen allerdings, dass es für die christliche Minderheit im Nahen Osten oft schwer sei, ihren Glauben zu leben. Aber auch in Ländern mit christlichen Wurzeln würden Kirche und Religion Stück für Stück zurückgedrängt.

Unter der Überschrift "Junge Menschen und Zukunft" fordern die Jugendlichen von der Kirche im 3. Kapitel mehr Unterstützung für Altersgenossen in schwierigen Situationen, insbesondere jene die unter psychischen Erkrankungen und körperlichen Beeinträchtigungen leiden. Sie wünschen sich eine friedliche Welt und eine nachhaltig ökologische Weltwirtschaft. Hierbei sei die katholische Soziallehre für junge Leute besonders hilfreich, heißt es in dem Dokument.

"Die Beziehung zur Technologie" wird im 4. Kapitel thematisiert. Darin beschreiben die Jugendlichen die Zwiespältigkeit technischen Fortschritts. Von der Kirche wünschen sich die Teilnehmer der Vorsynode, dass sie sich mit diesem Thema intensiver beschäftigt, um mit der jungen Generation ins Gespräch zu kommen. Die Kirche sollte vor allem das Internet als "fruchtbaren Platz der Neuevangelisierung sehen".

Jugendliche fordern "echte Diksussion" über Rolle der Frau in der Kirche

"Die Suche nach dem Sinn des Lebens" steht im Mittelpunkt des 5. Kapitels. Viele Jugendliche hätten heute ihr Vertrauen in Institutionen verloren und sich von der "organisierten Religion" abgewandt, heißt es darin. Die Kirche habe bei ihnen durch tatsächliche und vermeintliche Skandale Vertrauen eingebüßt. Jugendliche würden sich oft nicht mehr als "religiös" bezeichnen, seien aber offen für spirituelle Angebote. Die Kirche müsse sicherstellen, dass diese Personengruppe nicht an den Rand gedrängt werde und sich akzeptiert fühle.

Die Jugendlichen mahnen auch eine offene Diskussion über die Rolle der Frau in der Kirche an. "Es ist ein generelles Problem in der heutigen Gesellschaft, dass Frauen immer noch nicht gleichen Platz darin haben. Das gilt auch für die Kirche." Daher stelle sich die Schlüsselfrage: "Welches sind die Aufgaben und Orte, an denen Frauen sich in Kirche und Gesellschaft entfalten können"? Es gebe "großartige Beispiele" von Frauen, die in Ordensgemeinschaften oder als Laien Führungspositionen innehätten, schreiben die Jugendlichen. "Aber für einige junge Frauen sind diese Beispiele nicht immer sichtbar". Die Kirche müsse bei diesem Thema eine "echte Diskussion" zulassen und "Offenheit für die verschiedenen Ideen und Erfahrungen" zeigen.

Meinungsverschiedenheiten über kirchliche Morallehre

Auch die schwindende Akzeptanz der kirchlichen Morallehre sprechen die Jugendlichen an. Es gebe oft große Meinungsverschiedenheiten unter jungen Leuten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche über eine "einige Lehren, die heute besonders kontrovers sind". Als Beispiele werden Empfängnisverhütung, Abtreibung, Homosexualität, Zusammenleben unverheirateter Paare, Hochzeit und die Wahrnehmung des Priesteramts genannt.

Diese Diskussionen seien "unabhängig vom jeweiligen Grad des Verständnisses kirchlicher Lehre". Das Ergebnis seien Forderungen, die Kirche solle ihre Lehre ändern oder eine bessere Erklärung dafür anbieten. Doch auch wenn Jugendliche nicht alle kirchlichen Positionen teilten, wollten sie jedoch weiter Teil der Kirche sein.

Im 6. Kapitel geht es unter dem Titel "Jugendliche und Jesus", darum dass Heranwachsende heute oft falsche Vorstellungen von Jesus haben. Für viele von ihnen sei Jesus nur noch eine historische Gestalt, die für ihr eigenes Leben keine Bedeutung habe. Andererseits gebe es Jugendliche, die irrtümliche Vorstellungen von christlichen Idealen hätten und das Christentum für einen "unerreichbaren Standard" hielten. Dem müsse die Kirche mit einer stärker biblisch verankerten Verkündigung entgegenwirken.

Jugendliche haben es schwer, ihren Platz in der Kirche zu finden

Mit "Glaube und Kirche" befasst sich das 7. Kapitel. Der Glaube sei heute für Jugendliche oft zur Privatsache geworden sei, schreiben die Jugendlichen. Dazu hätten auch negative Erfahrungen mit der Kirche beigetragen. Aus Sicht mancher Jugendlicher kreise die Kirche nur noch um sich selbst als Institution, habe aber keine lebendige Beziehung zu Jesus Christus mehr.

Oft sei es für Jugendliche zudem schwer, ihren Platz in der Kirche zu finden und sich aktiv einzubringen. "Jugendliche interpretieren Kirche aufgrund ihrer Erfahrung als Ort, wo sie als zu jung und unerfahren für Führungsaufgaben betrachtet werden". Diese Wahrnehmung hätten insbesondere junge Frauen. Andererseits machten Jugendliche vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika die Erfahrung, dass ihnen die Kirche sehr nahe sei.

Im 8., 9., 10. Kapitel geht es darum, wie Jugendliche heute ihre Berufung im Leben finden können. Die Jugendlichen schreiben, dass vielen ihrer Altersgenossen gar nicht klar, sei, was "Berufung" überhaupt bedeute. Sie betonen zugleich, dass dieser Begriff nicht nur auf Priesteramt und Ordensleben bezogen werden sollte. Jeder Jugendliche sei von Gott in unterschiedlicher Weise berufen. Für die Kirche sei es eine Chance, jungen Leuten dabei zu helfen, ihren Weg im Leben zu finden. Hierbei gelte es, besonders junge Frauen zu stärken.

Für eine transparente und offene Kirche

Im 11. Kapitel mit dem Titel "Das Verhalten der Kirche" appellieren die Jugendlichen an kirchliche Amtsträger transparenter und offener zu sein: "Besonders der Hierarchie sagen wir: Seid transparent, offen, ehrlich, einladend, kommunikativ, zugänglich, freudig und eine Gemeinschaft im Austausch. Eine glaubwürdige Kirche hat keine Angst, als verletzlich zu gelten." Die Kirche sollte zudem ihre Null-Toleranz-Politik gegenüber sexuellem Missbrauch ausweiten.

Unter der Überschrift "Junge Führungskräfte" fordern die Jugendlichen im 12. Kapitel mehr Mitspracherechte in der Kirche. "Die Kirche muss junge Leute in ihre Entscheidungsprozesse einbinden und ihnen Führungsrollen anbieten", heißt es in dem Text. Dies müsse vor Ort in den Pfarreien beginnen, aber auch auf diözesaner, nationaler und internationaler Ebene erfolgen, bis hin zu einer Kommission im Vatikan. Hierzu müssten Jugendliche mit speziellen Programmen vorbereitet werden. Weiter heißt es: "Einige Frauen haben den Eindruck, dass es ein Mangel an weiblichen Vorbildern in Führungspositionen in der Kirche gibt".

Im 13. Kapitel sagen die Jugendlichen, an welchen Orten Kirche ihrer Meinung nach vor allem präsent sein sollte. Kirche muss demnach auf der Straße stattfinden. Die Jugendlichen fordern "neue, kreative Ideen", um Leute anzusprechen. Dies könne etwa in Bars, Kaffees, Parks und Fitnessstudios, Sportstadien oder Kulturzentren erfolgen.

In den beiden letzten Kapiteln geht es um konkrete kirchliche Initiativen für junge Leute und darum, wie diese Zielgruppe angesprochen werden kann. "Die Kirche muss eine Sprache entwickeln, die zu den Gewohnheiten und Kulturen der Jungen passt, so dass alle die Chance haben, die Botschaft des Evangeliums zu hören", heißt es in dem Text. Die Jugendlichen schlagen etwa christliche Sportligen und eine intensivere Nutzung des Internets vor. (tja, mit KNA-Material)

------------------------------------

"Die Logik des 'Das war schon immer so' überwinden"

Auszüge aus der Abschlusserklärung der Jugend-Vorsynode in Rom berichtet kathpress:


Rom, 25.03.2018 (KAP/KNA) Bei der Vorsynode zum Thema Jugend vom 19. bis 23. März in Rom haben rund 300 junge Delegierte ein Abschlussdokument erstellt. Darin fassen sie Erfahrungen ihrer jeweiligen Lebenswelten sowie Fragen und Forderungen zu Glaube und Kirche zusammen. "Kathpress" dokumentiert im Folgenden einzelne Aussagen in eigener Übersetzung:

Einführung: Der junge Mensch von heute steht vor vielen inneren wie äußeren Herausforderungen wie Chancen. (...) Dieses Dokument ist eine Zusammenfassung unserer Gedanken und Erfahrungen, Überlegungen junger Menschen des 21. Jahrhunderts mit unterschiedlichen religiösem und kulturellem Hintergrund. (...) Es soll Bischöfen als Kompass dienen, junge Menschen besser zu verstehen. (...)

1. Persönlichkeitsbildung: Junge Menschen entwickeln ihr Selbstbild, indem sie Gemeinschaften suchen, die sie unterstützen und ermutigen, die authentisch und zugänglich sind, Gemeinschaften, die sie befähigen. (...) Oft wirkt die Kirche zu streng und wird mit übertriebenem Moralismus verbunden. Manchmal ist es schwer, in der Kirche die Logik des 'Das war schon immer so' zu überwinden. (...) Junge Menschen sind betroffen von und befassen sich mit Themen wie Sexualität, Sucht, gescheiterte Ehen, zerbrochene Familien wie auch größeren gesellschaftlichen Problemen wie organisierter Kriminalität, Menschenhandel, Gewalt, Korruption, Ausbeutung, Frauenmord, allen Formen von Verfolgung sowie Umweltzerstörung. (...)

2. Beziehungen mit anderen Menschen: (...) Viele junge Menschen sind es gewohnt, Verschiedenheit als Reichtum zu erkennen und in einer pluralistischen Welt Chancen zu sehen. Multikulturalismus kann die Schaffung einer Umgebung für Toleranz und Dialog erleichtern. (...)

3. Junge Menschen und Zukunft: (...) Ein gemeinsamer Traum ist das Verlangen nach einem Ort, an dem ein junger Mensch sich zugehörig fühlt. (...) Junge Menschen träumen von einem besseren Leben, dennoch sind viele gezwungen auszuwandern, um eine bessere wirtschaftliche und ökologische Umgebung zu finden. (...) Junge Afrikaner träumen von einer selbstständigen Ortskirche, die nicht auf Hilfe angewiesen ist, weil diese abhängig macht. (...)

4. Junge Menschen und Technologie: (...) Für einige hat Technologie zu verstärkten Beziehungen geführt, für viele andere zu Abhängigkeiten, die zum Ersatz für menschliche Beziehungen wurden, ja sogar für Gott. (...) Der Einfluss sozialer Medien auf junge Menschen ist nicht zu unterschätzen. (...) Trotz einer völlig vernetzten Welt, bleibt die Kommunikation junger Menschen auf jene beschränkt, die ähnlich wie sie sind. (...) Künstliche Intelligenz und neue Technologien wie Roboter sind ein Risiko für Arbeitsplätze in Arbeitermilieus. (...) Die Kirche sollte neue Medien - vor allem das Internet - als fruchtbares Feld für die Evangelisierung auffassen.

5. Suche nach Lebenssinn: (...) Religion wird heute nicht mehr als Hauptquelle gesehen, über die junge Menschen nach Lebenssinn suchen, daher wenden sie sich eher modernen Strömungen und Ideologien zu. Skandale in der Kirche - tatsächliche wie vermeintliche - erschüttern das Vertrauen junger Menschen in die Kirche (...) Heute gibt es das allgemeingesellschaftliche Problem mangelnder Gleichberechtigung für Frauen. Das betrifft auch die Kirche. (...) Daher stellt sich die Schlüsselfrage: Was sind die Aufgaben und Orte, an denen Frauen sich in Kirche und Gesellschaft entfalten können? (...) Es gibt oft große Meinungsverschiedenheiten unter jungen Leuten, in der Kirche wie außerhalb, über kontroverse Lehren der Kirche. Dazu gehören Verhütung, Abtreibung, Homosexualität, Zusammenleben, Ehe oder die Wahrnehmung des Priesteramtes (...) Unabhängig vom jeweiligen Grad des Verständnisses kirchlicher Lehre gibt es nach wie vor Uneinigkeit und weitere Diskussionen über diese strittige Themen. (...)

7. Glaube und Kirche: Für viele junge Menschen ist der Glaube zu einer privaten statt einer gemeinschaftlichen Angelegenheit geworden. Dazu haben negative Erfahrungen einiger mit der Kirche beigetragen. (...) Junge Menschen sehnen sich nach einer Kirche, die eine lebendige Zeugin dessen ist, was sie lehrt und (...) dazu gehört auch, Fehler anzuerkennen und um Vergebung zu bitten. (...)

8. Das Gespür für Berufung im Leben: (...) Jungen Menschen verstehen allgemein sehr wohl, was es heißt, seinem Leben Sinn zu geben und sich für Ziele einzusetzen: Aber viele wissen nicht, wie sie das mit Berufung als Geschenk und Ruf Gottes verbinden sollen. (...)

10. Junge Menschen und Begleitung: Junge Menschen suchen nach Lebensbegleitern, (...) treuen Männern und Frauen, die wahrhaftig sind und den Jungen erlauben, ihre Ansichten zu Glaube und Berufung zu äußern. (...)

11. Das Verhalten der Kirche: (...) Besonders der Hierarchie sagen wir: Seid transparent, offen, ehrlich, einladend, kommunikativ, zugänglich, freudig und eine Gemeinschaft im Austausch. Eine glaubwürdige Kirche hat keine Angst, als verletzlich zu gelten. (...) Die Kirche sollte ihre Null-Toleranz-Politik gegenüber sexuellem Missbrauch in ihren Einrichtungen verstärken. Dabei wird ihre Demut zweifellos ihre Glaubwürdigkeit bei der Jugend weltweit stärken. (...)

12. Junge Führungskräfte: Die Kirche muss junge Menschen stärker an Entscheidungsprozessen beteiligen und ihnen Verantwortung übertragen. (...) in Gemeinden, Bistümern, Ländern wie auch international, selbst in einer Kommission des Vatikan. (...)

13. Bevorzugte Orte: Wir würden die Kirche gerne dort treffen, wo sie bisher kaum oder gar nicht ist. Vor allem (...) auf der Straße, wo die Menschen sind (... oder in) Kneipen, Cafes, Parks, Sportstudios, Stadien und Konzerthallen (...)

15. Notwendige Instrumente: Die Kirche muss eine Sprache entwickeln, die zu den Gewohnheiten und Kulturen der Jungen passt, so dass alle die Chance haben, die Botschaft des Evangeliums zu hören. Gleichzeitig sind wir sehr leidenschaftlich, wenn es um verschiedene Ausdrucksformen der Kirche geht. Einige lieben das 'Feuer' aktueller charismatischer Bewegungen (...), andere fühlen sich angezogen von Schweigen, Meditation oder ehrfürchtiger traditioneller Liturgie. (...)


 Vorsynode der Jugend in Rom: Bischöfe, hört uns zu!

Bevor im Herbst Bischöfe über die Jugend beraten, will der Papst wissen, was junge Menschen denken und erleben. 300 von ihnen, neben Katholiken auch Atheisten und Muslime, lud er nun nach Rom ein - Kathpresse Korrespondentenbericht von Roland Juchem

 

Rom, 25.03.2018 (KAP) "Dass der Papst junge Menschen aufruft, etwas zu riskieren, weil sie sonst schnell altern, hat mich beeindruckt", sagt Sandro Bucher. Dabei könnte dem 25-Jährigen aus Winterthur (Schweiz) das, was ein Papst sagt, ziemlich egal sein. Bucher ist Atheist, Mitglied diverser Freidenker- und Humanistenverbände. Nun hat er sich für eine Woche nach Rom begeben - in ein Tagungszentrum der Legionäre Christi mitten unter rund 300 meist sehr engagierte Katholiken. Vermittelt über persönliche Kontakte zum Weltjugendtagskomitee der Schweizer Bischofskonferenz wurde Bucher eingeladen, um bei der vatikanischen Vorsynode der Jugend die Gruppe der Nichtglaubenden zu vertreten.

Als "Alibi-Atheist" fühlt er sich nicht. Weder er noch eine ebenfalls eingeladene Muslima aus dem Libanon hätten sich schämen müssen, ihre Meinung zu sagen. "Die jungen Katholiken hier sind sehr offen gegenüber andersdenkenden Menschen", sagt Bucher. Im Grunde lande man oft bei denselben philosophischen und existenziellen Fragen. Besonders prägend sei das Gespräch mit jungen Menschen aus armen Ländern gewesen, von denen etliche auch von Verfolgungen berichtet hätten. Eva Wimmer (20), Erzieherin und Theologiestudentin aus Graz, erlebte die Tage in Rom ähnlich.

Auch sie war angetan von der Art, wie Papst Franziskus die Teilnehmer der Vorsynode am Montag aufforderte, sich zu äußern: freimütig und offen. Junge Menschen würden zu oft von gesellschaftlicher Beteiligung ausgeschlossen und alleingelassen. Die Kirche wolle alle Jugendlichen hören, niemanden ausgeschlossen. Und so sprachen, stritten und verständigten sich während der Jugend-Vorsynode in Rom rund 300 junge Menschen in vier Sprachen und 20 Arbeitsgruppen über ihre Lebenswelten, ihr Verhältnis zu Glaube und Kirche und die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen.

Breite Themenpalette

Es ging um Arbeitslosigkeit und Menschenhandel, um Demokratie in der Kirche und um Christenverfolgung, um katholische Sexualmoral - zu der es unterschiedliche Meinungen gibt - und um korrupte Staatsgewalt. Auch die Ambivalenz der digitalen Revolution, das Thema Frauen in der Kirche und die Frage nach einer Liturgie, die junge Menschen wirklich anspricht, kamen zur Sprache.

Die Themenbereiche Jugend, Glaube und Lebensentscheidungen mit jeweils fünf Leitfragen wurden von den Organisatoren des Vortreffens und der für Oktober geplanten Bischofssynode vorgegeben. Neben den Delegierten in Rom äußerten sich dazu auch 15.000 registrierte Internetnutzer weltweit über spezielle Facebook-Seiten. Als dieses Forum am Mittwochmittag geschlossen wurde, waren über 40.000 Kommentare eingegangen. Gesichtet und zusammengefasst wurden sie von einem Social-Media-Team in Rom, zu dem auch Briana Santiago aus Austin (USA) gehörte.

Was Santiago in ihrem Themenbereich besonders auffällt: Quer durch alle Kulturen suchen junge Menschen Begleitung und Orientierung für ihre Entscheidungen. Und: Jeder möchte konstruktiv etwas beisteuern, um die Kirche und die Gesellschaft vor Ort voranzubringen. "Wir wollen nicht nur gehört werden, sondern wollen mit anpacken", fasst Thomas Andonie, Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Stimmen seiner Arbeitsgruppe zusammen. Also alles in Butter, alle zufrieden?

Auch Skepsis und Unbehagen

Natürlich nicht. Das wäre auch nicht im Sinne des Papstes. Skepsis und Unbehagen bleiben etwa bei der Frage, wie genau die Stimmen der Jugendlichen, ihre konkreten Erfahrungen, in die bischöflichen Beratungen im Oktober einfließen werden. Denn das Abschlussdokument gibt die Stimmen der Jungen eher allgemein wieder, wenn auch teilweise mit deutlichen Ansagen: Uns fehlen echte Vorbilder und Mitwirkung von Frauen in der Kirche. Keine Angst vor Vielfalt! Arbeitet Fehler auf. Kirche, komm raus zu uns auf die Straßen, in Bars und Sportanlagen.

Zu der eigentlichen Synode, die unter dem Leitwort "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung" steht, werden ausgewählte Jugendliche als Hörer eingeladen, haben aber kein Stimmrecht. Die Forderung, in die Synode genau so viele Jugendliche wie Bischöfe zu schicken, wird sich kirchenrechtlich nicht umsetzen lassen. Aber wenn möglichst viele Teilnehmer der Vorsynode im Herbst noch einmal mit den Teilnehmern der eigentlichen Synode sprechen könnten, wäre schon viel gewonnen, meinen die Vertreter der Jugend. Kardinal Lorenzo Baldisseri, dessen Sekretariat die Bischofssynode organisiert, versprach den jungen Teilnehmern, "sein Bestes zu tun", damit die Kirche transparent, einladend und authentisch sei.