Hallermann Heribert 150Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) beschloss im Februar 2018 mit großer Mehrheit eine orientierende Handreichung für Ehepaare und Seelsorger mit der ein Weg hin zu einer "verantwortbaren Entscheidung über die Möglichkeit des Kommunionempfangs des nichtkatholischen Partners" im Einzelfall gefunden werden kann.

Mit der Frage, ob eine solche Entscheidung zulässig sei, haben sich ohne vorherige Absprche mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sieben Bischöfe an den Vatikan gewendet. In Kopie erging das mittlerweile als "Brandbrief" bezeichnete Schreiben auch an den Vorsitzenden, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx. Dieser bejahte sofort öffentlich diese Frage, weil sie auch von der Bischofskonferenz diskutiert wurde und eine solche Entscheidung sogar ein einzelner Bischof treffen könne.

Der em. Würzburger Kirchenrechtler Heribert Hallermann nimmt in der Sache dazu in katholisch.de öffentlich Stellung.

Die sieben Unterzeichner sind, neben Erzbischof Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sowie die Bischöfe Stefan Oster (Passau), Konrad Zdarsa (Augsburg), Rudolf Voderholzer (Regensburg), Gregor Maria Hanke (Eichstätt) und Wolfgang Ipolt (Görlitz).


 Nachstehend der Beitrag von Heribert Hallermann vom 10.04.2018 in katholisch.de

Darum geht es beim Kommunionstreit der Bischöfe

Die deutschen Bischöfe streiten über den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner. Kirchenrechtler Heribert Hallermann erklärt, welcher Punkt strittig ist und wie eine Lösung aussehen könnte.

 

Dass Bischöfe über die Eucharistie streiten ist im Blick auf die Kirchengeschichte weder neu noch ungewöhnlich. Der Streit um die Eucharistie und um die Kirche steht den Bischöfen gut an, denn ihre Aufgabe ist es, als Hirten die Kirche aufzubauen und in Einheit zusammenzuhalten.

Die von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) diskutierte Handreichung für Seelsorgerinnen und Seelsorger ist Ausgangspunkt der aktuellen Auseinandersetzung. Sie scheint all den einfachen Grundsätzen zu widersprechen, die bis heute weithin das kirchliche Bewusstsein prägen: Evangelische Christen gehören nicht zur katholischen Kirche; sie sind generell von den Sakramenten, insbesondere vom Empfang der Eucharistie ausgeschlossen. Über die Möglichkeit des Eucharistieempfangs entscheiden nicht die Gläubigen selbst, sondern die Bischöfe, notfalls auch die Pfarrer vor Ort. Alle Fragen bezüglich des Sakramentenempfangs können nur auf Ebene der Weltkirche entschieden werden. Eine konfessionsverschiedene Ehe, die im Pressebericht der DBK auch als "konfessionsverbindende Ehe" bezeichnet wird, schafft weder eine neue Konfession noch kann man aus ihr irgendwelche Privilegien ableiten.

So kommen Fragen auf, denen im Folgenden nachgegangen werden soll.

Stehen evangelische Christen tatsächlich außerhalb der Kirche?

Evangelische Christen sind keine Katholiken. Sie gehören ihrer eigenen kirchlichen Gemeinschaft an. Aber man kann das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten nicht mehr mit "drinnen" und "draußen" kennzeichnen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat nämlich im Ökumenismusdekret "Unitatis redintegratio" über die evangelischen Christen festgestellt, dass sie "in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche" stehen (UR 3). Die evangelischen Christen stehen also nicht einfach "außerhalb" der katholischen Kirche, sondern sie stehen, weil sie gültig getauft sind, in der Gemeinschaft der katholischen Kirche, auch wenn sie diese nicht voll verwirklichen. Sie sind deshalb – wie die Katholiken auch – "Gläubige" im Sinn des Kirchenrechts (Codex Iuris Canonici, Canon 204 § 1). Gemessen an den weiter aufgestellten Kriterien des c. 205 CIC – Glaubensbekenntnis, Sakramente und kirchliche Leitung – verwirklichen evangelische Christen die kirchliche Gemeinschaft aber nicht voll. Die Unterschiede etwa bei der Zahl der Sakramente und beim Bischofsamt liegen auf der Hand.

Als Gläubige, die in einer zwar nicht voll verwirklichten, aber doch realen, in der Taufe begründeten Gemeinschaft mit der Kirche stehen, sind auch evangelische Christen Träger der Grundrechte und Grundpflichten der Getauften (cc. 208-223 CIC). Dazu gehört auch der Rechtsanspruch, aus den geistlichen Gütern der Kirche, insbesondere aus dem Wort Gottes und aus den Sakramenten, Hilfe von den geistlichen Hirten zu empfangen (c. 213 CIC). Die Annahme eines generellen Ausschlusses evangelischer Christen von den Sakramenten würde dieses Grundrecht negieren.

Können evangelische Christen Sakramente empfangen?

Im Normalfall üben die Gläubigen ihre in der Taufe gründenden Rechte und Pflichten in der eigenen Konfessionskirche aus. Dennoch sieht die Rechtsordnung der katholischen Kirche in c. 844 CIC Regelungen für den Fall vor, dass dies aus bestimmten Gründen im Einzelfall nicht möglich ist. Gemäß c. 844 § 4 CIC spenden katholische Spender die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung erlaubt auch evangelischen Christen, wenn entweder Todesgefahr besteht oder wenn eine andere schwerwiegende Notwendigkeit dazu drängt. Vorausgesetzt wird, dass die betreffenden Gläubigen in der konkreten Situation das Sakrament nicht in der eigenen Kirche empfangen können, dass sie von sich aus um den Sakramentenempfang bitten, bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in der rechten Weise disponiert sind.

Mit "Todesgefahr" ist die unmittelbare Gefahr für das Leben des betreffenden Gläubigen gemeint. Die "andere schwerwiegende Notwendigkeit" bleibt gesetzlich unbestimmt und somit auf viele Situationen hin offen. Aus dem Gesetzestext wird aber deutlich: Diese Notwendigkeit muss schwerwiegend sein, aber sie muss nicht in derselben Weise zwingend und ausweglos sein wie die Todesgefahr. Und sie muss anders sein, nämlich nicht von außen verursacht, sondern von einem wirklichen geistlichen Bedürfnis. Weil der Gesetzestext diesbezüglich nicht differenziert, können die Notwendigkeit und ihre Schwere subjektiv, das heißt von den einzelnen Gläubigen so empfunden werden. Es kann aber auch Situationen geben, die objektiv für eine schwerwiegende Notwendigkeit sprechen. Solche Situationen sind aber bislang für die deutschen Diözesen nicht definiert worden.

Wer entscheidet darüber, ob ein Gläubiger die Eucharistie empfangen darf oder nicht?

Tatsächlich muss jeder einzelne Gläubige selbst darüber entscheiden, ob er die Eucharistie empfangen will und darf. Die Prüfung der rechten Disposition ist immer und ausschließlich Sache des einzelnen Gläubigen, nicht aber einer anderen Person wie etwa des Kommunionspenders. Dazu gehört die Prüfung der für den Sakramentenempfang notwendigen inneren Einstellung, aber auch die Frage, ob möglicherweise eine schwere Sünde am Sakramentenempfang hindert (c. 916 CIC).

Grundsätzlich haben die Gläubigen nach c. 213 CIC ein Recht auf Sakramentenempfang. Dies wird auch in weiteren Normen bekräftigt: Gemäß c. 912 CIC kann und muss jeder Getaufte – alle Getauften, nicht nur Katholiken – zur heiligen Kommunion zugelassen werden, sofern er rechtlich nicht daran gehindert ist. Dem entspricht c. 843 § 1 CIC mit der Weisung, dass die Sakramente denen nicht verweigert werden dürfen, "die gelegen darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich nicht an ihrem Empfang gehindert sind".

Rechtlich gehindert sind etwa "Exkommunizierte und Interdizierte (…) sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren" (c. 915 CIC). Weil es vor dem Konzil anders geregelt war, muss darauf hingewiesen werden, dass diese Verweigerung der Eucharistie nicht auf die evangelischen Christen angewendet werden darf. Gemäß "Unitatis redintegratio" dürfen evangelische Christen aufgrund ihres Bekenntnisses nämlich nicht als Exkommunizierte, Interdizierte oder hartnäckige schwere Sünder behandelt werden (UR 3).

Wie ist es mit dem katholischen Glauben bezüglich der Eucharistie, der in c. 844 § 4 CIC ausdrücklich gefordert wird?

Die in c. 844 §4 CIC gefasste Regelung für den Eucharistieempfang fordert, dass die Empfänger "den katholischen Glauben bekunden" Diese Voraussetzung gilt nicht nur für evangelische Christen, sondern auch für Katholiken, wie etwa c. 913 CIC zeigt. Er fordert, dass Kinder vor der Erstkommunion eine "hinreichende Kenntnis und eine sorgfältige Vorbereitung erfahren", wodurch sie "das Geheimnis Christi gemäß ihrer Fassungskraft begreifen" können. Dabei zeigt die pastorale Erfahrung, dass diesbezüglich die Messlatte nicht allzu hoch gelegt werden sollte. Wahrscheinlich wird man auch unter Katholiken lange suchen müssen, bis jemand bezüglich der Eucharistie die vollständige und korrekte Antwort des Katechismus aufsagen kann. Und es steht nirgendwo, dass bei evangelischen Christen strengere Maßstäbe anzulegen sind als bei Katholiken. Insofern bleiben im Blick auf alle potentiellen Empfänger der Eucharistie nur die Möglichkeiten der Predigt, der Katechese, des Religionsunterrichts und der Erwachsenenbildung. Bei konfessionsverschiedenen Paaren sollte dieses Thema sowohl in der Ehevorbereitung als auch in der Ehebegleitung entsprechenden Raum einnehmen.

Welchen Entscheidungsspielraum haben die Bischofskonferenz und die einzelnen Bischöfe, wenn es um die Zulassung von evangelischen Christen zur Eucharistie geht?

Für den generellen Fall haben sie gar keinen Entscheidungsspielraum: Die DBK etwa kann nicht einfach eine "Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft" mit den evangelischen Kirchen ausrufen. Dem steht die anhaltende Trennung der Kirchen noch im Wege. Aber die Bischöfe können – als Verständnishilfen und zur Klarstellung für die Kommunionspender – typische Situationen benennen, in denen eine entsprechende "schwerwiegende Notwendigkeit" angenommen werden kann, wie zum Beispiel eine konfessionsverschiedene Ehe. (Vgl. Ökumenisches Direktorium Nr. 130).

Bei einer solchen Klarstellung geht es nicht darum, grundsätzlich jede konfessionsverschiedene Ehe zur "schweren Notlage" zu erklären. Papst Johannes Paul II. schreibt in "Familiaris Consortio" Nr. 78 dazu: "Die Ehen zwischen Katholiken und anderen Getauften weisen … zahlreiche Elemente auf, die es zu schätzen und zu entfalten gilt, sei es wegen ihres inneren Wertes, sei es wegen des Beitrags, den sie in die ökumenische Bewegung einbringen können. Dies trifft insbesondere zu, wenn beide Ehepartner ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen."

Bezüglich der Teilnahme des nichtkatholischen Gatten an der Eucharistie verweist der Papst auf das Ökumenische Direktorium. Dieses bezeichnet in Nr. 129 die Eucharistie für die Getauften – auch für die nichtkatholischen – als geistliche Nahrung. Zweifellos gehört die konfessionsverschiedene Ehe zu den Situationen, bei denen im Einzelfall "der Zutritt zu diesen Sakramenten Christen anderer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften gewährt oder sogar empfohlen werden kann." Dabei ist die Gewissensentscheidung jedes Partners besonders zu achten. (Ökumenisches Direktorium Nr. 146).

Gibt es auch einen objektiven Grund für die Teilnahme konfessionsverschiedener Gatten an der Eucharistie?

Wie eingangs erwähnt, wird mit c. 205 CIC ein dynamisches Verständnis ökumenischer Beziehungen eröffnet. Das dort benannte "Band der Sakramente" ist für beide Gatten in einer konfessionsverschiedenen Ehe stärker verwirklicht als für andere evangelische Christen, weil jede gültige konfessionsverschiedene Ehe objektiv ein Sakrament ist (vgl. c. 1055 § 2 CIC). Der evangelische Partner in einer solchen Ehe ist also stärker mit der katholischen Kirche verbunden als andere evangelische Christen; trotzdem lebt er nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche. Zur christlichen Ehe, die als umfassende Gemeinschaft des ganzen Lebens begriffen wird (vgl. c. 1055 §1 CIC), gehört – auch in einer konfessionsverschiedenen Ehe – das gemeinsame Leben und Praktizieren des Glaubens. Diese umfassende Gemeinschaft im Leben und im Glauben kann und muss im Einzelfall auch die Gemeinschaft am Tisch des Herrn einschließen.


Zum Autor:

Heribert Hallermann lehrte von 2003 bis 2016 Kirchenrecht an der Universität Würzburg. Einer seiner Forschungsschwerpunkte sind die Rechte und Pflichten der Gläubigen im geltenden Kirchenrecht nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Hallermann ist Eichstätter Diözesanpriester.


 Die genannten Texte aus dem Kirchenrecht

Can. 204 — § 1. Gläubige sind jene, die durch die Taufe Christus eingegliedert, zum Volke Gottes gemacht und dadurch auf ihre Weise des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi teilhaft geworden sind, sie sind gemäß ihrer je eigenen Stellung zur Ausübung der Sendung berufen, die Gott der Kirche zur Erfüllung in der Welt anvertraut hat.

§ 2. Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist in der katholischen Kirche verwirklicht, die von dem Nachfolger Petri und den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.

Can. 205 — Voll in der Gemeinschaft der katholischen Kirche in dieser Welt stehen jene Getauften, die in ihrem sichtbaren Verband mit Christus verbunden sind, und zwar durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der kirchlichen Leitung.

 

Can. 208 — Unter allen Gläubigen besteht, und zwar aufgrund ihrer Wiedergeburt in Christus, eine wahre Gleichheit in ihrer Würde und Tätigkeit, kraft der alle je nach ihrer eigenen Stellung und Aufgabe am Aufbau des Leibes Christi mitwirken.

Can. 209 — § 1. Die Gläubigen sind verpflichtet, auch in ihrem eigenen Verhalten, immer die Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren.

§ 2. Mit großer Sorgfalt haben sie ihre Pflichten zu erfüllen, die ihnen gegenüber der Gesamtkirche wie gegenüber der Teilkirche obliegen, zu der sie gemäß den Rechtsvorschriften gehören.

Can. 210 — Alle Gläubigen müssen je nach ihrer eigenen Stellung ihre Kräfte einsetzen, ein heiliges Leben zu führen sowie das Wachstum der Kirche und ihre ständige Heiligung zu fördern.

Can. 211 — Alle Gläubigen haben die Pflicht und das Recht, dazu beizutragen, daß die göttliche Heilsbotschaft immer mehr zu allen Menschen aller Zeiten auf der ganzen Welt gelangt.

Can. 212 — § 1. Was die geistlichen Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären oder als Leiter der Kirche bestimmen, haben die Gläubigen im Bewußtsein ihrer eigenen Verantwortung in christlichem Gehorsam zu befolgen.

§ 2. Den Gläubigen ist es unbenommen, ihre Anliegen, insbesondere die geistlichen, und ihre Wünsche den Hirten der Kirche zu eröffnen.

§ 3. Entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung haben sie das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und sie unter Wahrung der Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten und der Ehrfurcht gegenüber den Hirten und unter Beachtung des allgemeinen Nutzens und der Würde der Personen den übrigen Gläubigen kundzutun.

Can. 213 — Die Gläubigen haben das Recht, aus den geistlichen Gütern der Kirche, insbesondere dem Wort Gottes und den Sakramenten, Hilfe von den geistlichen Hirten zu empfangen.

Can. 214 — Die Gläubigen haben das Recht, den Gottesdienst gemäß den Vorschriften des eigenen, von den zuständigen Hirten der Kirche genehmigten Ritus zu feiern und der eigenen Form des geistlichen Lebens zu folgenj sofern diese mit der Lehre der Kirche übereinstimmt.

Can. 215* — Den Gläubigen ist es unbenommen, Vereinigungen für Zwecke der Caritas oder der Frömmigkeit oder zur Förderung der christlichen Berufung in der Welt frei zu gründen und zu leiten und Versammlungen abzuhalten, um diese Zwecke gemeinsam zu verfolgen.

Can. 216 — Da alle Gläubigen an der Sendung der Kirche teilhaben, haben sie das Recht, auch durch eigene Unternehmungen je nach ihrem Stand und ihrer Stellung eine apostolische Tätigkeit in Gang zu setzen oder zu unterhalten; keine Unternehmung darf sich jedoch ohne Zustimmung der zuständigen kirchlichen Autorität katholisch nennen.

Can. 217 — Da ja die Gläubigen durch, die Taufe zu einem Leben nach der Lehre des Evangeliums berufen sind, haben sie das Recht auf eine christliche Erziehung, durch die sie in angemessener Weise zur Erlangung der Reife der menschlichen Person und zugleich zur Erkenntnis des Heilsgeheimnisses und zu einem Leben danach angeleitet werden.

Can. 218 — Die sich theologischen Wissenschaften widmen, besitzen die gebührende Freiheit der Forschung und der klugen Meinungsäußerung in den Bereichen, in denen sie über Sachkenntnis verfügen, dabei ist der schuldige Gehorsam gegenüber dem Lehramt der Kirche zu wahren.

Can. 219 — Alle Gläubigen haben das Recht, ihren Lebensstand frei von jeglichem Zwang zu wählen.

Can. 220 — Niemand darf den guten Ruf, den jemand hat, rechtswidrig schädigen und das persönliche Recht eines jeden auf den Schutz der eigenen Intimsphäre verletzen.

Can. 221 — § 1. Den Gläubigen steht es zu, ihre Rechte, die sie in der Kirche besitzen, rechtmäßig geltend zu machen und sie nach Maßgabe des Rechts vor der zuständigen kirchlichen Behörde zu verteidigen.

§ 2. Wenn Gläubige von der zuständigen Autorität vor Gericht gezogen werden, haben sie auch das Recht auf ein Urteil, das nach Recht und Billigkeit gefällt wird.

§ 3. Die Gläubigen haben das Recht, daß kanonische Strafen über sie nur nach Maßgabe des Gesetzes verhängt werden.

Can. 222 — § 1. Die Gläubigen sind verpflichtet, für die Erfordernisse der Kirche Beiträge zu leisten, damit ihr die Mittel zur Verfügung stehen, die für den Gottesdienst, die Werke des Apostolats und der Caritas sowie für einen an. gemessenen Unterhalt der in ihrem Dienst Stehenden notwendig sind.

§ 2. Sie sind auch verpflichtet, die soziale Gerechtigkeit zu fördern und, des Gebotes des Herrn eingedenk, aus ihren eigenen Einkünften die Armen zu unterstützen.

Can. 223 — § 1. Bei der Ausübung ihrer Rechte müssen die Gläubigen sowohl als einzelne wie auch in Vereinigungen auf das Gemeinwohl der ‘Kirche, die Rechte anderer und ihre eigenen Pflichten gegenüber anderen Rücksicht nehmen.

§ 2. Der kirchlichen Autorität steht es zu, im Hinblick auf das Gemeinwohl die Ausübung der Rechte, die den Gläubigen eigen sind, zu regeln.

 

 

Can. 843 — § 1 Die geistlichen Amtsträger dürfen die Sakramente denen nicht verweigern, die gelegen darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind.

§ 2. Die Seelsorger und die übrigen Gläubigen haben jeweils gemäß der ihnen eigenen kirchlichen Aufgabe die Pflicht, dafür zu sorgen, daß jene, die Sakramente erbitten, auf ihren Empfang durch die erforderliche Verkündigung und katechetische Unterweisung unter Beachtung der von der zuständigen Autorität erlassenen Normen vorbereitet werden.

Can. 844 — § 1. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen der §§ 2, 3 und 4 dieses Canons sowie des ⇒ can.861, § 2.

§ 2. Sooft eine Notwendigkeit es erfordert oder ein wirklicher geistlicher Nutzen dazu rät und sofern die Gefahr des Irrtums oder des Indifferentismus vermieden wird, ist es Gläubigen, denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen, erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von nichtkatholischen Spendern zu empfangen, in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden.

§ 3. Katholische Spender spenden erlaubt die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung Angehörigen orientalischer Kirchen, die nicht die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche haben, wenn diese von sich aus darum bitten und in rechter Weise disponiert sind; dasselbe gilt für Angehörige anderer Kirchen, die nach dem Urteil des Apostolischen Stuhles hinsichtlich der Sakramente in der gleichen Lage sind wie die genannten orientalischen Kirchen.

§ 4. Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können und von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind.

§ 5. Für die in den §§ 2, 3 und 4 genannten Fälle darf der Diözesanbischof bzw. die Bischofskonferenz nur nach Beratung zumindest mit der lokalen zuständigen Autorität der betreffenden nichtkatholischen Kirche oder Gemeinschaft allgemeine Bestimmungen erlassen.

 

TEILNAHME AN DER HEILIGSTEN EUCHARISTIE

Can. 912 — Jeder Getaufte, der rechtlich nicht daran gehindert ist, kann und muß zur heiligen Kommunion zugelassen werden.

Can. 913 — § 1. Damit die heiligste Eucharistie Kindern gespendet werden darf, ist erforderlich, daß sie eine hinreichende Kenntnis und eine sorgfältige Vorbereitung erhalten haben, so daß sie das Geheimnis Christi gemäß ihrer Fassungskraft begreifen und den Leib des Herrn gläubig und andächtig zu empfangen in der Lage sind.

§ 2. Kindern jedoch, die sich in Todesgefahr befinden, darf die heiligste Eucharistie gespendet werden, wenn sie den Leib Christi von gewöhnlicher Speise unterscheiden und die Kommunion ehrfürchtig empfangen können.

Can. 914 — Pflicht vor allem der Eltern und derer, die an Stelle der Eltern stehen, sowie des Pfarrers ist es, dafür zu sorgen, daß die Kinder, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, gehörig vorbereitet werden und möglichst bald, nach vorheriger sakramentaler Beichte, mit dieser göttlichen Speise gestärkt werden. der Pfarrer hat auch darüber zu wachen, daß nicht Kinder zur heiligen Kommunion hinzutreten, die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben oder die nach seinem Urteil nicht ausreichend darauf vorbereitet sind.

Can. 915 — Zur heiligen Kommunion dürfen nicht zugelassen werden Exkommunizierte und Interdizierte nach Verhängung oder Feststellung der Strafe sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren.

Can. 916 — Wer sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe nicht feiern und nicht den Leib des Herrn empfangen, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz miteinschließt, sobald wie möglich zu beichten.

 

Can. 1055 — § 1. Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben.