Franziskus papst02 150Jeder Mensch, in jedem Moment an seinem Platz und bei jeder Entscheidung oder Handlung ist zur Heiligkeit berufen, sagt Franziskus in seinem jüngsten Lehrschreiben "Gaudete et exsultate – Freut euch und jubelt". Gleich zu Beginn weist er darauf hin, dass Gott alles fordert und dafür „wahres Leben und Glück“ anbietet. Der Bischof von Rom sagt, die „Vollkommenheit der Menschen wird an ihrer Nächstenliebe gemessen.“ (37) Und ein Leben nach den Seligpreisungen (Mt 5) bezeichnet Franziskus als den „Personalausweis“ (63) der Christinnen und Christen.

Dieses Dokument hat der Generalvikar für die Diözese Rom, Angelo De Donatis, am 9. April 2018 mit einem Video mit Menschen und Szenen aus aller Welt vorgestellt.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben hat nachstehend einige Stellungnahmen zusammengestellt und Zitate ausgewählt.

 kathpress berichtet:

 Neues Papstschreiben: Barmherzigkeit ist Weg zu Heiligkeit

Dokument "Gaudete et exsultate" befasst sich mit zeitgemäßem Weg der Heiligkeit im Leben der Christen - Einsatz für Arme, Migranten und gegen alle Bedrohungen des Lebens entscheidend - Warnung vor religiöser Überheblichkeit, kirchlichem oder technologischem Machbarkeitswahn, geistiger Starrheit, Konsumsucht und egoistischer Trägheit

Vatikanstadt, 09.04.2018 (KAP) Papst Franziskus fordert in seinem neuen, am Montag veröffentlichten Apostolischen Schreiben "Gaudete et exsultate" ("Freut euch und jubelt") größere Aufmerksamkeit für die Bedürftigen und die soziale Gerechtigkeit im Leben der Katholiken. Die Herausforderung für eine zeitgemäße Heiligkeit sei, "Jesus in den Armen und Elenden zu erkennen". "Wir können kein Heiligkeitsideal in Erwägung ziehen, das die Ungerechtigkeit dieser Welt nicht sieht, wo einige feiern, fröhlich verbrauchen und ihr Leben auf die Neuheiten des Konsums reduzieren, während andere nur von außen zuschauen können und gleichzeitig ihr Leben weiter voran schreitet und armselig zu Ende geht", heißt es wörtlich.

In dem 48-seitigen Lehrschreiben wirbt der Papst für eine "Heiligkeit der Menschen nebenan", der "Heiligkeit im geduldigen Volk Gottes". Jeder könne mit Gottes Hilfe heilig sein, ob Priester oder Arbeiter, Eltern oder Eheleute, Ordensleute oder Politiker.

"Gaudete und exsultate" ist in Form einer "Apostolischen Exhortation" wie zuvor etwa "Evangelii gaudium" (2013) und "Amoris laetitia" (2016) publiziert und weist auf den Mangel an Kohärenz einiger Christen in den ethischen und sozialen Positionierungen hin. Als Beispiel erwähnt der Papst die Flüchtlingsfrage: "Oft hört man, dass angesichts des Relativismus und der Grenzen der heutigen Welt beispielsweise die Lage der Migranten eine weniger wichtige Angelegenheit wäre. Manche Katholiken behaupten, es sei ein nebensächliches Thema gegenüber den 'ernsthaften' Themen der Bioethik. Dass ein um seinen Erfolg besorgter Politiker so etwas sagt, kann man verstehen, aber nicht ein Christ, zu dem nur die Haltung passt, sich in die Lage des Bruders und der Schwester zu versetzen, die ihr Leben riskieren, um ihren Kindern eine Zukunft zu bieten."

Das Dokument fordert die Gemeinden zudem auf, eine wirksame Verteidigung des Lebens in allen seinen Phasen zu fördern. "Die Verteidigung des ungeborenen unschuldigen Lebens zum Beispiel muss klar, fest und leidenschaftlich sein, weil hier die Würde des menschlichen Lebens, das immer heilig ist, auf dem Spiel steht und es die Liebe zu jeder Person unabhängig von ihrer Entwicklungsstufe verlangt."

Es gehe aber auch um die Heiligkeit des Lebens der Armen: "Aber gleichermaßen heilig ist das Leben der Armen, die schon geboren sind und sich herumschlagen mit dem Elend, mit der Verlassenheit, der Ausgrenzung, dem Menschenhandel, mit der versteckten Euthanasie der Kranken und Alten, denen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, mit den neuen Formen von Sklaverei und jeder Form des Wegwerfens", so der Text.

Bergpredigt und Barmherzigkeit

In die Mitte des Dokuments stellt der Papst im dritten Kapitel die Seligpreisungen der Bergpredigt und schreibt: "Sie sind gleichsam der Personalausweis des Christen." Der "große Maßstab" für echte Heiligkeit ist dabei gelebte Barmherzigkeit. Dieser zentrale Begriff im Pontifikat verweist auf das 25. Kapitel des Matthäusevangeliums als einen Schlüssel des geistlichen Lebens. Jesus führt dort die Basis des göttlichen Urteils auf das zurück, was jeder für den anderen getan hat.

"Wenn ich einem Menschen begegne, der in einer kalten Nacht unter freiem Himmel schläft, kann ich fühlen, dass dieser arme Wicht etwas Unvorhergesehenes ist, das mir dazwischenkommt, ein Nichtsnutz und Gauner, ein Störenfried auf meinem Weg, ein lästiger Stachel für mein Gewissen, ein Problem, das die Politiker lösen müssen, und vielleicht sogar ein Abfall, der den öffentlichen Bereich verschmutzt. Oder ich kann aus dem Glauben und der Liebe heraus reagieren und in ihm ein menschliches Wesen erkennen, mit gleicher Würde wie ich, ein vom Vater unendlich geliebtes Geschöpf, ein Abbild Gottes, ein von Jesus Christus erlöster Bruder oder Schwester. Das heißt es, Christ zu sein", so der Papst: "Oder kann man etwa die Heiligkeit abseits dieses konkreten Anerkennens der Würde jedes menschlichen Wesens verstehen?"

Der Text weist auf den Fehler hin, die Forderungen des Evangeliums von der eigenen "persönlichen Beziehung" zu Gott zu trennen und das konkrete Christentum als eine "Art von NGO" zu deuten. Der Papst richtet sich auch gegen das Misstrauen jener Menschen, die das soziale Engagement der anderen als "oberflächlich, weltlich, säkularisiert, immanentistisch, kommunistisch oder populistisch halten, oder es relativieren, als würde es wichtigere Dinge geben". Manche dächten, "dass wir Gott die Ehre nur mit dem Gottesdienst und dem Gebet geben oder wenn wir lediglich einige ethische Vorschriften beachten - in der Tat kommt der Beziehung zu Gott der Vorrang zu -, und vergessen dabei, dass das Kriterium für die Beurteilung unseres Lebens vor allem darin besteht, was wir den anderen getan haben".

Der Papst richtet sich weiters gegen religiöse Überheblichkeit, kirchlichen oder technologischen Machbarkeitswahn ebenso wie geistige Starrheit, Konsumsucht und egoistische Trägheit. Der Weg zur Heiligkeit des Christen sei "ein ständiger Kampf", schreibt Franziskus. Dieser gelte nicht nur rein weltlichen Einstellungen und eigenen Schwäche, sondern auch gegen den Teufel, der nicht nur ein Mythos sei. "Der Teufel vergiftet uns mit Hass, Traurigkeit, Neid, mit Lastern", schreibt Franziskus.

Verlangt seien Wachsamkeit und ständige geistliche Unterscheidungen, was der Sinngehalt des eigenen Leben ist und wie dieser in einer jeweiligen Situation zu leben ist. Dazu gelte es zu beten, auf das Evangelium und die Kirche zu hören sowie auf Gottes Geduld zu vertrauen.


 Kardinal Christoph Schönbort zu "Gaudate et exsultate":

Schönborn: Jede Reform startet mit Schritt zu eigener Heiligkeit

Schönborn facebook 120Kardinal im "Kathpress"-Interview zum neuen päpstlichen Schreiben "Gaudete et exsultate": Franziskus nimmt "Mittelschicht der Heiligkeit" in den Blick und will zu konkreten Schritten im Alltag ermutigen - Papst wendet sich gegen elitäres "Leistungschristentum"


Wien, 09.04.2018 (KAP) Jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen und es geht in erster Linie um die kleinen Schritte dorthin im alltäglichen Leben. Darauf möchte Papst Franziskus mit seinem neuen Schreiben "Gaudete et exsultate" hinweisen und ermutigen, wie Kardinal Christoph Schönborn in einer ersten Stellungnahme am Montag im "Kathpress"-Interview unterstrich. Heiligkeit sei nichts für eine kleine Elite, so Schönborn, der zugleich daran erinnerte, dass jede große Reform beim Einzelnen und seinem Bemühen um Heiligkeit beginne. Die großen Reformer in der Kirche seien immer die Heiligen gewesen, nicht nur die großen bekannten Gestalten, sondern vor allem die vielen Unbekannten, die Franziskus in Anspielung auf den französischen Schriftsteller Joseph Malegue "Mittelschicht der Heiligkeit" nennt.

Für den Wiener Erzbischof ist das päpstliche Schreiben eine Art "Handbüchlein, wie es immer wieder geistliche Lehrer verfasst haben; sehr praktisch, lebensnah und praktikabel." Es handle sich um keine große theologische Abhandlung, wiewohl es auf einem "soliden theologischen Fundament" beruhe. Jedermann könne und solle sich damit auf dem Weg zur täglichen Heiligkeit machen.

Das neue Dokument würde die drei päpstlichen Schreiben ("Evangelii gaudium", "Laudato si" und "Amoris laetitia") ergänzen. Es sei quasi der "Brennstoff", damit das Engagement der Christen für das Evangelium (EG), die Umwelt (LS) und die Familie (AL) kraftvoll seien und es zu keinen Ermüdungserscheinungen komme.

Ausdrücklich unterstrich Schönborn auch die von Papst Franziskus in seinem Schreiben angeführten Gefahren des Gnostizismus bzw. Pelagianismus. Letztlich gehe es dabei in der einen oder anderen Weise immer um ein elitäres "Leistungschristentum", das Gott als Buchhalter der menschlichen Leistungen sieht und in dem die meisten Menschen keinen Platz hätten, das aber gar nicht nicht dem Christentum entspricht.

Zur Frage, ob "Gaudete et exsultate" deshalb auch als Kritik des Papstes an verschiedenen Kräften innerhalb der Kirche zu verstehen sei, die mit dem Kurs des Papstes nicht einverstanden sind, meinte Schönborn: "Dieses Schreiben dient sicher auch der Gewissenserforschung. Jeder soll es lesen und sich fragen, ob der Papst damit auch mich meint."

Eines sei für Papst Franziskus jedenfalls ganz wesentlich, betonte Schönborn: Ohne den in der Bergpredigt genannten Einsatz für Hungrige, Durstige, Fremde, Mittellose oder Kranke könne es keine Heiligkeit geben bzw. sei man nicht auf dem richtigen Weg. Schließlich sei das "Christentum gemacht, um gelebt zu werden".

Einprägsam seien auch die vielen starken Bilder bzw. Worte, die der Papst in seinem Schreiben verwendet, so der Kardinal weiter; wenn Franziskus etwa vor der Gefahr digitaler Oberflächlichkeiten warnt und wörtlich vom "Faktor der Verblödung" spricht. An anderer Stelle wiederum übe er heftige Kritik an "geistlicher Korruption".

Das kirchliche Verfahren der Heiligsprechung werde vom Papst hingegen nicht angesprochen. Thema sei nicht, "wie man heilig gesprochen wird", sondern er thematisiere eben die Berufung jedes Christen zur Heiligkeit. Franziskus knüpfe damit u.a. auch bei Benedikt XVI. an, so Schönborn. Dieser hatte einst eine große Katechesenreihe über bedeutende Heilige in der Kirche gehalten. Seine abschließende Katechese war den vielen unbekannten Heiligen gewidmet, denn: "Das breit Tragende in der Kirche und in der Welt ist die täglich gelebte einfache Heiligkeit."


 Der Wiener Dogmatik Professor Heier Tück:

Papst-Schreiben: "Klare Absage an Elitenprogramm der Heiligkeit"

Tück Jan Heiner 120Wiener Dogmatiker Tück im "Kathpress"-Interview über neues Papst-Schreiben: Franziskus zielt auf "Demokratisierung des Heiligkeitsbegriffs", lehrt eine "Mystik der offenen Augen" und wendet sich gegen "gnadenlose Selbstperfektionierung"


Wien, 09.04.2018 (KAP) Das neue Papst-Schreiben "Gaudete et exsultate" ist ein "starkes Stück päpstlicher Seelsorge", insofern es dem Leser auf Augenhöhe begegnet und ihm aufzeigen möchte, wie man als Mensch des 21. Jahrhunderts Heiligkeit tatsächlich leben kann. Das hat der Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück aus Anlass des am Montag veröffentlichten Schreibens "über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute" gegenüber "Kathpress" betont.

Das Dokument setze auf eine "Demokratisierung des Heiligkeitsbegriffs", da es Heiligkeit nicht einem bestimmten Stand von Klerikern oder Asketen und Frömmigkeitsvirtuosen vorbehalte, sondern auf alle Menschen in der Kirche ausweite. Jeder Christ sei berufen, dem Evangelium in seinem Lebensumfeld ein ansprechendes Gesicht zu geben. Damit sei das Schreiben zugleich eine "klare Absage an ein Elitenprogramm der Heiligkeit", so Tück.

Mit der Titelwahl - "Über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute" - schließe Franziskus nicht nur an entsprechende Aussagen des Konzilsdokuments "Lumen Gentium" (Kap. 5), sondern auch an das berühmte Schreiben "Gaudium et spes" an, welches mit "Über die Kirche in der Welt von heute" überschrieben ist. Damit verbinde Franziskus die Absage an elitäre Spiritualitätsformen mit einer wachen Aufmerksamkeit für die gesellschaftlichen Nöte der Zeit. "Es geht Franziskus nicht um eine Mystik der geschlossenen Augen, die Heiligkeit als eine Form der Weltflucht versteht, sondern es geht ihm um eine Mystik der offenen Augen, die Heiligkeit als praktische Lebensform ganz in dieser Welt auslotet".

Das zweite Kapitel des Schreibens, welches "Gnostizismus" und "Pelagianismus" als "Häresien (...) alarmierender Aktualität" beschreibt, stehe ein wenig unvermittelt im Gesamtkontext des Schreibens. "Man fragt sich, wen Franziskus mit diesen Begriffen und Zuschreibungen eigentlich genau meint", so Tück weiter; außerdem stehe die Idee einer lehramtlichen Abwehr von Häresien in einer gewissen Spannung zur Vision einer einladenden Kirche der offenen Tore, für die Franziskus sonst eintrete. Franziskus scheine mit diesen Formulierungen weniger bestimmte Formen der Gegenwartstheologie im Blick zu haben, als vielmehr Grundhaltungen, die - wie im Falle des Gnostizismus - "hochgradig spekulativ" und "tendenziell weltlos und ungeschichtlich" argumentieren oder - wie im Falle des Neo-Pelagianismus - eine "gnadenlose Selbstperfektionierung" propagieren. Dazu zähle auch ein Festhalten an einem unbeweglichen "traditionalistischen Wahrheitsbegriff".

"Für einen westeuropäischen Christen anstößig", jedoch zugleich ebenfalls ganz in der Tradition der bisherigen Lehrverkündigung von Franziskus stehen laut Tück indes jene Wendungen gegen Ende des Schreibens, in denen der Papst vom Teufel in personaler Form spricht. Damit irritiere der Papst jene modernen theologischen Ansätze, die den Teufel als "mythologische Figur" interpretieren - für ein Christentum, das "durch das Feuer der Aufklärung gegangen" ist, sei dies "zweifellos gewöhnungs- und erläuterungsbedürftig" - angesichts der "Dramatik des Kampfes, in der Franziskus den Menschen Tat für Tag gestellt sieht", warne die Formulierung jedoch zugleich mit eindringlicher Kraft vor jeder Form der Unbekümmertheit gegenüber der abgründigen Realität des Bösen in der Welt, so Tück.


 Auszüge - Zitate aus "Gaudetes et exsultate"

 "Es gibt nur eine Traurigkeit im Leben: kein Heiliger zu sein"

Zitate und Passagen aus dem Apostolischen Schreiben "Gaudete et exsultate"

Der Herr fordert alles; was er dafür anbietet, ist wahres Leben, das Glück, für das wir geschaffen wurden. Er will, dass wir heilig sind, und erwartet mehr von uns, als dass wir uns mit einer mittelmäßigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufriedengeben. (Nr. 1)

Mein bescheidenes Ziel ist es, den Ruf zur Heiligkeit einmal mehr zum Klingen zu bringen und zu versuchen, ihn im gegenwärtigen Kontext mit seinen Risiken, Herausforderungen und Chancen Gestalt annehmen zu lassen. (Nr. 2)

Aufopferung des eigenen Lebens für andere ist vorbildlichen Nachahmung Christi (Nr. 5)

Niemand kann sich allein, als isoliertes Individuum, retten, sondern Gott zieht uns an, wobei er das komplexe Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen berücksichtigt, (Nr. 6)

»Aus der dunkelsten Nacht treten die größten Propheten – Heiligengestalten hervor. (Nr. 8)

Die Heiligkeit ist das schönste Gesicht der Kirche. (Nr. 9)

vor allem der Ruf zur Heiligkeit, den der Herr an jeden und jede von uns richtet: »Seid heilig, weil ich heilig bin« (Lev 11,44; 1 Petr 1,16) (Nr. 10)

... dass jeder Gläubige seinen eigenen Weg erkennt und sein Bestes zum Vorschein bringt, (Nr. 11)

Bist du ein Gottgeweihter oder eine Gottgeweihte? Sei heilig, indem du deine Hingabe freudig lebst. Bist du verheiratet? Sei heilig, indem du deinen Mann oder deine Frau liebst und umsorgst, wie Christus es mit der Kirche getan hat. Bist du ein Arbeiter? Sei heilig, indem du deine Arbeit im Dienst an den Brüdern und Schwestern mit Redlichkeit und Sachverstand verrichtest. Bist du Vater oder Mutter, Großvater oder Großmutter? Sei heilig, indem du den Kindern geduldig beibringst, Jesus zu folgen. Hast du eine Verantwortungsposition inne? Sei heilig, indem du für das Gemeinwohl kämpfst und auf deine persönlichen Interessen verzichtest. (Nr. 14)

Kardinal François-Xavier Nguyên Van Thuân im Gefängnis: »Nütze jeden Tag die Gelegenheit, um kleine Dinge in großartiger Weise zu erledigen.« (Nr. 17)

Im Tiefsten bedeutet Heiligkeit, in Einheit mit ihm die Geheimnisse seines Lebens zu leben. Sie besteht darin, sich auf einzigartige und persönliche Weise mit dem Tod und der Auferstehung des Herrn zu verbinden, ständig mit ihm zu sterben und mit ihm aufzuerstehen. (Nr. 20)

Heiligkeit kann nur von Christus her verstanden werden und bedeutet Einheit mit ihm. (Nr. 20)

Heiligkeit ist »nichts anderes als die in Fülle gelebte Liebe« Benedikt XVI., Katechese bei der Generalaudienz am 13. April 2011: L’Osservatore Romano (dt.), Jg. 41 (2011), Nr.16/17 (22. April 2011), S. 2 (Nr. 21)

Nicht alles, was ein Heiliger sagt, ist dem Evangelium vollkommen treu, nicht alles, was er tut, ist authentisch oder perfekt. (Nr. 22)

erlaube dem Geist, in dir jenes persönliche Geheimnis zu formen, das Jesus Christus in der Welt von heute widerscheinen lässt. (Nr. 23)

Lass dich verwandeln, lass dich vom Geist erneuern, damit dies möglich wird (Nr. 24)

 

Deine Identifikation mit Christus und seinen Wünschen impliziert das Bemühen, mit ihm das Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens für alle zu errichten. (Nr. 25)

Es ist nicht gesund, die Stille zu lieben und die Begegnung mit anderen zu meiden, Ruhe zu wünschen und Aktivität abzulehnen, das Gebet zu suchen und den Dienst zu verachten. [...] Wir sind aufgerufen, die Kontemplation auch inmitten des Handelns zu leben, und wir heiligen uns in der verantwortlichen und großherzigen Ausübung der eigenen Sendung. (Nr. 26)

Manchmal sind wir jedenfalls versucht, die pastorale Hingabe oder das Engagement in der Welt als zweitrangig zu betrachten, als wären sie „Ablenkungen“ auf dem Weg der Heiligung und des inneren Friedens. (Nr. 27)

Ein Einsatz, der von der Angst, vom Stolz oder vom Bedürfnis, gut dazustehen und zu herrschen, motiviert ist, wird sicherlich nicht heiligend sein. Die Herausforderung besteht darin, die eigene Selbsthingabe so zu leben, dass die Bemühungen einen dem Evangelium entsprechenden Sinn haben und uns immer mehr Jesus Christus angleichen. (Nr. 28)

Die ständig neuen technologischen Errungenschaften, die Attraktivität des Reisens, die unzähligen Konsumangebote lassen nämlich dem Erklingen der Stimme Gottes manchmal keinen Raum. (Nr. 29)

Wir brauchen einen Geist der Heiligkeit, der sowohl die Einsamkeit als auch den Dienst, die Innerlichkeit wie auch den Einsatz für die Verkündigung durchdringt, damit jeder Moment ein Ausdruck hingebungsvoller Liebe unter den Augen Gottes ist. So werden all diese Momente zu Stufen auf unserem Weg der Heiligung. (Nr. 31)

Gott, und nicht der Mensch, ist der wahre Herr eines jeden Menschen und Menschenlebens. (Nr.32)

Im Grunde genommen gibt es, wie Leon Bloy sagte, "nur eine Traurigkeit im Leben: kein Heiliger zu sein". (Nr. 34)

zwei Verfälschungen der Heiligkeit: der Gnostizismus und der Pelagianismus ….. wo man, anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet (Nr. 35)

Vollkommenheit der Menschen an ihrer Nächstenliebe gemessen wird (Nr. 37)

viel Bewegung an der Oberfläche des Geistes, aber die Tiefe des Denkens bewegt sich nicht, (Nr. 38)

Sie (die Gnostiker, Anm.) verabsolutieren ihre eigenen Theorien und verpflichten die anderen, sich den von ihnen genutzten Argumentationen zu unterwerfen. Eine Sache ist der gesunde und demütige Gebrauch der Vernunft, um über die theologische und moralische Lehre des Evangeliums nachzudenken; etwas anderes ist es, danach zu streben, die Lehre Jesu auf eine kalte und harte Logik zu reduzieren, die alles zu beherrschen sucht. (Nr. 39)

Der Gnostizismus ist eine der schlimmsten Ideologien. Er überbetont nämlich die Erkenntnis oder eine bestimmte Erfahrung und hält gleichzeitig seine eigene Sicht der Wirklichkeit für vollkommen. Auf diese Weise nährt sich diese Ideologie, vielleicht ohne es zu merken, von sich selbst und wird noch verblendeter. Zuweilen wird sie besonders trügerisch, wenn sie sich als entleiblichte Spiritualität tarnt. Denn der Gnostizismus will "von Natur aus dem Geheimnis die Flügel stutzen", dem Geheimnis Gottes und seiner Gnade genauso wie dem Geheimnis des Lebens der anderen. (Nr. 40)

Wenn jemand Antworten auf alle Fragen hat, zeigt er damit, dass er sich nicht auf einem gesunden Weg befindet; (Nr. 41)

Genauso wenig kann man beanspruchen festzulegen, wo Gott nicht ist, weil er geheimnisvoll im Leben jeder Person anwesend ist, (Nr. 42)

Es gelingt uns kaum, die Wahrheit, die wir vom Herrn empfangen haben, zu verstehen. Unter größten Schwierigkeiten gelingt es uns, sie auszudrücken. Deshalb können wir nicht beanspruchen, dass unsere Art, die Wahrheit zu verstehen, uns ermächtigt, eine strenge Überwachung des Lebens der anderen vorzunehmen. Ich möchte daran erinnern, dass in der Kirche unterschiedliche Arten und Weisen der Interpretation vieler Aspekte der Lehre und des christlichen Lebens berechtigterweise koexistieren, die in ihrer Vielfalt "helfen, den äußerst reichen Schatz des Wortes besser deutlich zu machen". (Nr. 43)

»Die Fragen unseres Volkes, seine Leiden, seine Auseinandersetzungen, seine Träume, seine Kämpfe, seine Sorgen besitzen einen hermeneutischen Wert, den wir nicht unbeachtet lassen dürfen, wenn wir das Prinzip der Menschwerdung ernst nehmen wollen. (Nr. 44)

Pelagianismus: Man vergaß, dass »es nicht auf das Wollen und Laufen des Menschen ankommt, sondern auf den sich erbarmenden Gott« (Röm 9,16) (Nr. 48)

Diejenigen, die dieser pelagianischen oder semipelagianischen Mentalität entsprechen, verlassen sich, auch wenn sie mit süßlichen Reden von der Gnade Gottes sprechen, "letztlich einzig auf die eigenen Kräfte" und fühlen sich "den anderen überlegen [...], weil sie bestimmte Normen einhalten oder weil sie einem gewissen katholischen Stil der Vergangenheit unerschütterlich treu sind". Wenn einige von ihnen sich an die Schwachen wenden und ihnen sagen, dass man mit der Gnade Gottes alles kann, pflegen sie im Grunde die Idee zu vermitteln, dass man alles mit dem menschlichen Willen kann, als ob dieser etwas Reines, Vollkommenes, Allmächtiges wäre, zu dem die Gnade hinzukommt. (Nr. 49)

Wenn es keine aufrichtige, erlittene und durchbetete Anerkennung unserer Grenzen gibt, wird die Gnade im Grunde daran gehindert, wirksam in uns tätig zu sein. (Nr. 50)

vereint mit ihm gehen und seine beständige Liebe in unserem Leben erkennen. (Nr. 51)

Die Kirche hat wiederholt gelehrt, dass wir nicht durch unsere Werke oder unsere Anstrengungen gerechtfertigt werden, sondern durch die Gnade des Herrn (Nr. 52)

kein Mensch kann die Gabe der göttlichen Gnade einfordern, verdienen oder käuflich erwerben (Nr. 53)

Katechismus Nr. 1998 → Geschenk der Gnade »über die Verstandes- und Willenskräfte des Menschen und jedes Geschöpfes hinausgeht« (Nr. 54)

An erster Stelle steht, Gott anzugehören. … »Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen« (Röm 12,1). … denn »hätte [ich] die Liebe nicht, wäre ich nichts« (1 Kor 13,2). (Nr. 56)

 

Dennoch gibt es Christen, die einen anderen Weg gehen wollen: jenen der Rechtfertigung durch die eigenen Kräfte, jenen der Anbetung des menschlichen Willens und der eigenen Fähigkeit; das übersetzt sich in eine egozentrische und elitäre Selbstgefälligkeit, ohne wahre Liebe. Dies tritt in vielen scheinbar unterschiedlichen Haltungen zutage: dem Gesetzeswahn, der Faszination daran, gesellschaftliche und politische Errungenschaften vorweisen zu können, dem Zurschaustellen der Sorge für die Liturgie, die Lehre und das Ansehen der Kirche, der mit der Organisation praktischer Angelegenheiten verbundenen Prahlerei, oder der Neigung zu Dynamiken von Selbsthilfe und ichbezogener Selbstverwirklichung. Hierfür verschwenden einige Christen ihre Kräfte und ihre Zeit, anstatt sich vom Geist auf den Weg der Liebe führen zu lassen, sich für die Weitergabe der Schönheit und der Freude des Evangeliums zu begeistern und die Verlorengegangenen in diesen unermesslichen Massen, die nach Christus dürsten, zu suchen. (Nr. 57)

Oftmals verwandelt sich das Leben der Kirche, dem Antrieb des Heiligen Geistes entgegen, in ein Museumsstück oder in ein Eigentum einiger weniger. (Nr. 58)

Wenn wir denken, dass alles von der menschlichen Anstrengung abhängt, die durch Vorschriften und kirchliche Strukturen gelenkt wird, verkomplizieren wir unbewusst das Evangelium und werden wieder zu Sklaven eines Schemas, das wenige Poren für das Wirken der Gnade offenlässt. Der heilige Thomas von Aquin hat uns daran erinnert, dass die von der Kirche dem Evangelium hinzugefügten Gebote maßvoll eingefordert werden müssen, »um das Leben der Gläubigen nicht beschwerlich zu machen«, weil sich sonst »unsere Religion in eine Sklaverei verwandeln würde« (Nr. 59)

Hierarchie der Tugenden … Vorrang kommt den göttlichen Tugenden zu, … In ihrem Zentrum steht die Liebe. … Paulus: »der Glaube, der durch die Liebe wirkt« (Gal 5,6) »Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt […] Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes« (Röm 13,8.10). »Denn das ganze Gesetz ist in dem einen (ení) Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Gal 5,14). (Nr. 60)

Jesus erlaubt uns, zwei Gesichter zu erkennen, das des Vaters und das des Bruders. … in jedem Bruder oder in jeder Schwester, besonders in dem oder der kleinsten, gebrechlichsten, wehrlosesten und bedürftigsten, ist das Bild Gottes selbst gegenwärtig. (Nr. 61)

Möge der Herr die Kirche von den neuen Formen des Gnostizismus und des Pelagianismus befreien, die sie auf ihrem Weg der Heiligkeit beschweren und aufhalten! Deshalb ermahne ich jeden, sich zu fragen und vor Gott zu prüfen, auf welche Weise sie in seinem Leben auftreten können.(Nr. 62)

Jesus erklärte mit aller Einfachheit, was es heißt, heilig zu sein, und er tat dies, als er uns die Seligpreisungen hinterließ (vgl. Mt 5,3-12; Lk 6,20-23). Sie sind gleichsam der Personalausweis des Christen. (Nr. 63)

Das Wort „glücklich“ oder „selig“ wird zum Synonym für „heilig“ (Nr. 64)

gegen den Strom der Gewohnheit, gegen das, was man in der Gesellschaft so tut (Nr. 65)

»Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.«
Lukas spricht nicht von einer Armut „im Geiste“, sondern nur davon, „arm“ zu sein (vgl. Lk 6,20). So lädt er uns auch zu einem schlichten und genügsamen Leben ein. Auf diese Weise ruft er uns auf, das Leben mit den Notleidenden zu teilen, das Leben, das die Apostel führten, und uns letztendlich Jesus gleichförmig zu machen: »Er, der reich war, wurde […] arm« (2 Kor 8,9).
Im Herzen arm sein, das ist Heiligkeit. (Nr. 70)

»Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.«
Letztendlich ist [die Welt] es ein Reich des Stolzes und der Eitelkeit, wo ein jeder glaubt, das Recht zu haben, sich über die anderen zu erheben. Jesus schlägt dennoch einen anderen Stil vor: Sanftmut. (71)
Zurechtweisung: »Gib Acht, dass du nicht selbst in Versuchung gerätst!« (ebd.). Auch wenn man seinen Glauben und seine Überzeugung verteidigt, muss man es »bescheiden« tun (1 Petr 3,16), und selbst die Gegner müssen »mit Güte« behandelt werden (2 Tim 2,25). (Nr. 73)

Mit demütiger Sanftmut reagieren, das ist Heiligkeit. (Nr. 74)

»Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.«

Die Welt schlägt uns … vor: Unterhaltung, Genuss, Zerstreuung, Vergnügen. … Sie zieht es vor, leidvolle Situationen zu ignorieren, zu verdecke n oder zu verstecken. (Nr. 75)

Der Mensch, der die Dinge sieht, wie sie wirklich sind, der sich vom Schmerz durchdringen lässt und in seinem Herzen weint, ist fähig, die Tiefen des Lebens zu berühren und wahrhaft glücklich zu sein. Dieser Mensch wird getröstet, aber mit dem Trost Jesu … Auf diese Weise findet er, dass das Leben Sinn hat, wenn man dem anderen in seinem Schmerz beisteht, (Nr. 76)

Mit den anderen zu trauern wissen, das ist Heiligkeit.

»Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.«
Diese Gerechtigkeit wird im Leben eines jeden Wirklichkeit, wenn er in seinen eigenen Entscheidungen gerecht ist, und drückt sich dann in der Suche nach Gerechtigkeit für die Armen und Schwachen aus. Gewiss kann das Wort „Gerechtigkeit“ Synonym für die Treue zu Gottes Willen sein ...
Voll Hunger und Durst die Gerechtigkeit suchen, das ist Heiligkeit. (Nr. 79)

»Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.«

Die Barmherzigkeit beinhaltet zwei Aspekte: den anderen geben, helfen, dienen und ebenso vergeben, verstehen. »Denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden« (Lk 6,38) (Nr. 80)

Mit Barmherzigkeit sehen und handeln, das ist Heiligkeit. (Nr. 82)

»Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.«

Nichts, was durch Falschheit beschmutzt ist, hat echten Wert für den Herrn. (Nr. 84)

Im Matthäusevangelium sehen wir ebenso: Das, was »aus dem Herzen [kommt,] macht den Menschen unrein« (15,18), denn von dort kommen Mord, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und andere böse Taten (vgl. 15,19). In den Absichten des Herzens haben die Wünsche und die tieferen Entscheidungen, die uns wirklich bewegen, ihren Ursprung. (Nr. 85)

Das Herz rein halten von allem, was die Liebe befleckt, das ist Heiligkeit.(Nr. 86)

»Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.«

Die Welt des Geredes, gemacht von Menschen, die gerne kritisieren und zerstören, baut den Frieden nicht auf. Diese Menschen sind vielmehr Feinde des Friedens und in keiner Weise selig. (Nr. 87)

»Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.«

Nichts, was durch Falschheit beschmutzt ist, hat echten Wert für den Herrn. (Nr. 84)

Im Matthäusevangelium sehen wir ebenso: Das, was »aus dem Herzen [kommt,] macht den Menschen unrein« (15,18), denn von dort kommen Mord, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und andere böse Taten (vgl. 15,19). In den Absichten des Herzens haben die Wünsche und die tieferen Entscheidungen, die uns wirklich bewegen, ihren Ursprung. (Nr. 85)

Das Herz rein halten von allem, was die Liebe befleckt, das ist Heiligkeit.(Nr. 86)

»Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.«

Die Welt des Geredes, gemacht von Menschen, die gerne kritisieren und zerstören, baut den Frieden nicht auf. Diese Menschen sind vielmehr Feinde des Friedens und in keiner Weise selig. (Nr. 87)

Es geht darum, Handwerker des Friedens zu sein, weil den Frieden aufzubauen eine Kunst ist, die Gelassenheit, Kreativität, Feingefühl und Geschicklichkeit erfordert. … Um uns herum Frieden säen, das ist Heiligkeit. (Nr. 89)

»Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.«

Die Verfolgungen (von Christen, Anm.) sind keine Realität der Vergangenheit; auch heute erleiden wir sie, sei es auf blutige Weise, wie viele Märtyrer unserer Zeit, oder auf subtilere Weise durch Verleumdungen und Unwahrheiten. (Nr. 94)

Im Kapitel 25 des Matthäusevangeliums (Verse 31-46) verweilt Jesus erneut bei einer dieser Seligpreisungen, nämlich bei der, welche die Barmherzigen selig nennt. Wenn wir die Heiligkeit suchen, die in Gottes Augen gefällt, dann entdecken wir gerade in diesem Text einen Maßstab, nach dem wir geurteilt werden. (Nr. 95)

Heilig sein bedeutet daher nicht, in einer vermeintlichen Ekstase die Augen zu verdrehen. (Nr. 96)

Der Herr hat uns ganz deutlich gesagt, dass die Heiligkeit weder verstanden noch gelebt werden kann, wenn man von seinen Forderungen absieht, denn die Barmherzigkeit ist "das pulsierende Herz des Evangeliums" (Nr. 97).

Wenn ich einem Menschen begegne, der in einer kalten Nacht unter freiem Himmel schläft, kann ich fühlen, dass dieser arme Wicht etwas Unvorhergesehenes ist, das mir dazwischenkommt, ein Nichtsnutz und Gauner, ein Störenfried auf meinem Weg, ein lästiger Stachel für mein Gewissen, ein Problem, das die Politiker lösen müssen, und vielleicht sogar ein Abfall, der den öffentlichen Bereich verschmutzt. Oder ich kann aus dem Glauben und der Liebe heraus reagieren und in ihm ein menschliches Wesen erkennen, mit gleicher Würde wie ich, ein vom Vater unendlich geliebtes Geschöpf, ein Abbild Gottes, ein von Jesus Christus erlöster Bruder oder Schwester. Das heißt es, Christ zu sein! (Nr. 98)

... haben dies deutlich zum Ausdruck gebracht. In ihren biblischen Katechesen über das Jubeljahr haben die Bischöfe Kanadas gezeigt, dass es nicht bloß darum geht, einige gute Werke zu vollbringen, sondern darum, einen gesellschaftlichen Wandel anzustreben (Nr. 99)

Ich bedaure, dass uns die Ideologien oft zu zwei schädlichen Fehlern verleiten. Einerseits zu dem jener Christen, die diese Forderungen des Evangeliums von ihrer persönlichen Beziehung zum Herrn, von ihrer inneren Verbindung mit ihm, von der Gnade trennen. So wird das Christentum zu einer Art NGO, es wird jener leuchtenden Spiritualität beraubt, (Nr. 100)

Die Verteidigung des ungeborenen unschuldigen Lebens zum Beispiel muss klar, fest und leidenschaftlich sein, weil hier die Würde des menschlichen Lebens, das immer heilig ist, auf dem Spiel steht und es die Liebe zu jeder Person unabhängig von ihrer Entwicklungsstufe verlangt. Aber gleichermaßen heilig ist das Leben der Armen, die schon geboren sind und sich herumschlagen mit dem Elend, mit der Verlassenheit, der Ausgrenzung, dem Menschenhandel, mit der versteckten Euthanasie der Kranken und Alten, denen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, mit den neuen Formen von Sklaverei und jeder Form des Wegwerfens. Wir können kein Heiligkeitsideal in Erwägung ziehen, das die Ungerechtigkeit dieser Welt nicht sieht, wo einige feiern, fröhlich verbrauchen und ihr Leben auf die Neuheiten des Konsums reduzieren, während andere nur von außen zuschauen können und gleichzeitig ihr Leben weiter voran schreitet und armselig zu Ende geht. (Nr. 101)

Oft hört man, dass angesichts des Relativismus und der Grenzen der heutigen Welt beispielsweise die Lage der Migranten eine weniger wichtige Angelegenheit wäre. Manche Katholiken behaupten, es sei ein nebensächliches Thema gegenüber den "ernsthaften" Themen der Bioethik. Dass ein um seinen Erfolg besorgter Politiker so etwas sagt, kann man verstehen, aber nicht ein Christ, zu dem nur die Haltung passt, sich in die Lage des Bruders und der Schwester zu versetzen, die ihr Leben riskieren, um ihren Kindern eine Zukunft zu bieten. (...) Ähnliches legt das Alte Testament dar, wenn es sagt: "Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen" (Ex 22,20). (...) Es handelt sich daher nicht um die Erfindung eines Papstes oder um eine momentane Begeisterung. (Nr. 102-103)

Das Gebet ist wertvoll, wenn es eine tägliche liebende Hingabe fördert. Unser Gottesdienst ist dem Herrn wohlgefällig, wenn wir dort unsere Vorsätze, großherzig zu leben, hineintragen und wenn wir zulassen, dass die Gabe Gottes, die wir im Gottesdienst empfangen haben, in der Hingabe an die Brüder und Schwestern sichtbar wird. (Nr. 104)

Thomas von Aquin bezüglich unserer größten Handlungen, der äußeren Werke, die unserer Liebe zu Gott am besten Ausdruck verleihen. Ohne zu zweifeln antwortete er, dass es die Werke der Barmherzigkeit gegenüber dem Nächsten [Vgl. Summa Theologiae, II-II, q. 30, a. 4.] sind, mehr als die Akte des Gottesdienstes. (Nr. 106)

Wer in Wahrheit Gott mit seinem Leben ehren möchte, wer sich wirklich nach der Heiligung sehnt, damit sein Dasein Gott, den Heiligen, verherrlicht, der ist berufen, sich voll Leidenschaft zu verzehren und abzuplagen im Bemühen, die Werke der Barmherzigkeit zu leben. (Nr. 107)

Der hedonistische Konsumismus kann uns einen bösen Streich spielen, denn in der Vergnügungssucht sind wir schließlich allzu sehr konzentriert auf uns selbst, auf unsere Rechte und auf die verbissene Jagd auf freie Zeit, um das Leben zu genießen. (...) Auch der Konsum oberflächlicher Nachrichten und die Formen schneller virtueller Kommunikation können ein Faktor von Verblödung sein, der uns unsere ganze Zeit raubt und uns vom leidenden Fleisch der Brüder und Schwestern entfernt. Inmitten dieses aktuellen Trubels erschallt wieder das Evangelium, um uns ein anderes, gesünderes und glücklicheres Leben anzubieten. (Nr. 108)

das Christentum ist nämlich vor allem dafür gemacht, gelebt zu werden; wenn es auch Gegenstand von Reflexion ist, so hat dies nur Wert, wenn es hilft, das Evangelium im Alltag zu leben. (Nr. 109)

Gefahren und Grenzen der heutigen Kultur. In ihr zeigen sich: die nervöse und heftige Unruhe, die uns zerstreut und schwächt; die negative Einstellung und die Traurigkeit; die bequeme, konsumorientierte und egoistische Trägheit; der Individualismus und viele Formen einer falschen Spiritualität ohne Gottesbegegnung, die den aktuellen Religionsmarkt beherrschen. (Nr. 111)

Dies ist die Quelle des Friedens, der sich im Verhalten eines Heiligen zeigt. Ausgehend von einer solchen inneren Gefestigtheit besteht in unserer beschleunigten, unbeständigen und aggressiven Welt das Zeugnis der Heiligkeit aus Geduld und Beständigkeit im Guten. Es ist die Treue der Liebe, denn wer sich auf Gott stützt (griech. pistis), der kann auch den Brüdern und Schwestern gegenüber treu sein (griech. pistós), lässt sie in schlechten Zeiten nicht im Stich, lässt sich nicht von ihrer Angst anstecken und bleibt beharrlich an der Seite der anderen, auch wenn ihm das keine unmittelbaren Genugtuungen bringt. (Nr. 112)

Auch Christen können über das Internet und die verschiedenen Foren und Räume des digitalen Austausches Teil von Netzwerken verbaler Gewalt werden. Sogar in katholischen Medien können die Grenzen überschritten werden; oft bürgern sich Verleumdung und üble Nachrede ein, und jegliche Ethik und jeglicher Respekt vor dem Ansehen anderer scheinen außen vor zu bleiben. ... Es ist auffällig, dass unter dem Vorwand, andere Gebote zu verteidigen, das achte Gebot – »Du sollst kein falsches Zeugnis geben« – zuweilen komplett übergangen und das Ansehen anderer gnadenlos zerstört wird.(Nr. 115)

Der Heilige verschwendet seine Energien nicht damit, über fremde Fehler zu klagen; er kann über die Schwächen seiner Brüder und Schwestern schweigen und vermeidet verbale Gewalt, die zerstört und misshandelt; er hält sich nämlich nicht für würdig, den anderen gegenüber hart zu sein, sondern schätzt sie vielmehr »höher ein als sich selbst« (Phil 2,3). (Nr. 116)

Es tut uns nicht gut, von oben herabzuschauen, die Rolle gnadenloser Richter einzunehmen, die anderen für unwürdig zu halten und ständig Belehrungen geben zu wollen. Dies ist eine subtile Form der Gewalt. (Nr. 117)

Wenn du nicht fähig bist, einige Demütigungen zu ertragen und aufzuopfern, so bist du nicht demütig und befindest dich nicht auf dem Weg der Heiligkeit. … Die Demütigung macht dich Jesus ähnlich (Nr. 118)

Ich sage nicht, dass die Demütigung etwas Angenehmes ist – denn das wäre Masochismus –, sondern dass es sich um einen Weg handelt, um Jesus nachzuahmen und in der Vereinigung mit ihm zu wachsen. (Nr. 120)

Der Heilige ist fähig, mit Freude und Sinn für Humor zu leben. (Nr. 122)

Missmut ist kein Zeichen von Heiligkeit. (Nr. 126)

Zugleich bedeutet Heiligkeit auch parrhesía: sie ist Wagemut, ist Antrieb zur Evangelisierung, die eine Spur in dieser Welt hinterlässt. (Nr. 129)

Der Herr lädt uns ein, unser Leben in seinem Dienst zu verausgaben. In ihm verankert fassen wir Mut, alle unsere Charismen in den Dienst der anderen zu stellen. (Nr. 130)

Wie der Prophet Jona sind wir immer latent in der Versuchung, an einen sicheren Ort zu fliehen, der viele Namen haben kann: Individualismus, Spiritualismus, Einschließen in kleine Welten, Abhängigkeit, Sich-Einrichten, Wiederholung bereits festgelegter Schemata, Dogmatismus, Nostalgie, Pessimismus, Zuflucht zu den Normen. (Nr. 134)

Gott bringt uns dort hin, wo die Menschheit am meisten verletzt ist und wo die Menschen – unter dem Anschein der Oberflächlichkeit und des Konformismus – weiter die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens suchen. (Nr. 135)

Die Gewohnheit verführt uns und behauptet, dass es keinen Sinn habe, etwas zu ändern zu versuchen, dass wir angesichts dieser Situation nichts tun können, dass es immer so gewesen ist und dass wir dennoch weitergelebt haben. (Nr. 136)

Das Vorbild vieler Priester, Ordensfrauen, Ordensmänner und Laien, die sich mit großer Treue hingeben, um zu verkündigen und zu dienen – oftmals unter Einsatz ihres Lebens und gewiss auf Kosten ihrer Bequemlichkeit –, versetzt uns in Bewegung. Ihr Zeugnis erinnert uns daran, dass die Kirche nicht viele Bürokraten und Funktionäre braucht, sondern leidenschaftliche Missionare, die verzehrt werden von der Begeisterung, das wahre Leben mitzuteilen. Die Heiligen überraschen, verwirren, weil ihr Leben uns einlädt, aus der ruhigen und betäubenden Mittelmäßigkeit hinauszugehen. (Nr. 138)

Es ist sehr schwierig, gegen die eigene Begehrlichkeit und gegen die Nachstellungen und Versuchungen des Bösen und der egoistischen Welt zu kämpfen, wenn wir uns absondern. Es ist ein solches Bombardement, das uns verleitet, dass wir – wenn wir zu viel alleine sind – leicht den Sinn für die Wirklichkeit, die innere Klarheit, verlieren und unterliegen. (Nr. 140)

Die Heiligung ist ein gemeinschaftlicher Weg, immer zu zweit. (Nr. 141)

Die Gemeinschaft ist dazu berufen, diesen »göttlichen Ort« zu schaffen, »an dem die mystische Gegenwart des auferstandenen Herrn erfahren werden kann« Das Wort Gottes miteinander zu teilen und die Eucharistie gemeinsam zu feiern, macht uns immer mehr zu Brüdern und Schwestern und verwandelt uns in eine heilige und missionarische Gemeinschaft. (Nr. 142)

Die Gemeinschaft, die die kleinen Details der Liebe bewahrt, wo die Mitglieder sich umeinander kümmern und einen offenen und evangelisierenden Raum bilden, ist Ort der Gegenwart des Auferstandenen, der sie entsprechend dem Heilsplan des Vaters heiligt. (Nr. 145)

Gegen die Tendenz zum konsumistischen Individualismus – der uns schließlich isoliert auf der Suche nach dem Wohlergehen abseits von den anderen – dürfen wir auf unserem Weg der Heiligung nicht aufhören, uns mit dem Wunsch Jesu zu identifizieren: »Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin« (Joh 17,21). (Nr. 146)

Ich glaube nicht an eine Heiligkeit ohne Gebet, auch wenn es sich nicht notwendigerweise um ausgedehnte Zeiten oder intensive Gefühle handeln muss. (Nr. 147)

Damit dies jedoch möglich ist, sind auch einige Momente nur für Gott notwendig, in Abgeschiedenheit mit ihm. ... Das vertrauensvolle Gebet ist eine Reaktion des Herzens, das sich Gott von Angesicht zu Angesicht öffnet, wo alles Gerede zum Verstummen kommt, um auf die sanfte Stimme des Herrn zu horchen, die im Schweigen widerhallt. (Nr. 149)

Das Gebet sollte – gerade weil es sich von der Gabe Gottes nährt, die sich in unser Leben ergießt – immer ein gutes Gedächtnis besitzen. Das Gedächtnis der Taten Gottes ist die Grundlage der Erfahrung des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Da Gott in die Geschichte eintreten wollte, ist das Gebet aus Erinnerungen gewoben: nicht nur aus der Erinnerung des geoffenbarten Wortes, sondern auch aus der Erinnerung des eigenen Lebens, des Lebens der anderen, dessen, was der Herr in seiner Kirche gewirkt hat. (Nr. 153)

Die Fürbitte hat einen besonderen Wert, weil sie ein Akt des Gottvertrauens und zugleich ein Ausdruck der Nächstenliebe ist. (Nr. 154)

Wenn wir wirklich glauben, dass Gott existiert, können wir es nicht unterlassen, ihn anzubeten (Nr. 155)

Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf. Es bedarf Kraft und Mut, um den Versuchungen des Teufels zu widerstehen und das Evangelium zu verkünden. Dieses Ringen ist schön, weil es uns jedes Mal feiern lässt, dass der Herr in unserem Leben siegt. (Nr. 158)

Der Teufel ist auf den ersten Seiten der Bibel gegenwärtig, an deren Ende aber steht der Sieg Gottes über den Satan. Als Jesus uns das Vaterunser lehrte, wollte er tatsächlich, dass wir am Ende den Vater bitten, er möge uns von dem Bösen erlösen. Der dort benutzte Ausdruck bezieht sich nicht auf etwas Böses im abstrakten Sinn, sondern lässt sich genauer mit "der Böse" übersetzen. Er weist auf ein personales Wesen hin, das uns bedrängt. Jesus lehrte uns, täglich um diese Befreiung zu bitten, damit die Macht Satans uns nicht beherrsche. (Nr. 160)

Der Teufel hat es nicht nötig, uns zu beherrschen. Er vergiftet uns mit Hass, Traurigkeit, Neid, mit den Lastern. (Nr. 161)

unser Weg auf die Heiligkeit zu ist auch ein ständiger Kampf [mit dem Bösen]. (Nr. 162)

Die geistliche Korruption ist schlimmer als der Fall eines Sünders, weil es sich um eine bequeme und selbstgefällige Blindheit handelt, wo schließlich alles zulässig erscheint: Unwahrheit, üble Nachrede, Egoismus und viele subtile Formen von Selbstbezogenheit (Nr. 165)

Wie wissen wir, ob etwas vom Heiligen Geist kommt oder ob es im Geist der Welt oder im Geist des Teufels seinen Ursprung hat? Die einzige Methode ist die Unterscheidung, die nicht nur ein gutes Denkvermögen und einen gesunden Menschenverstand voraussetzt. Sie ist auch eine Gabe, um die man beten muss. (Nr. 166)

Heutzutage ist die Haltung der Unterscheidung besonders notwendig. Das gegenwärtige Leben bietet enorme Möglichkeiten der Betätigung und der Ablenkung. Die Welt präsentiert sie, als wären sie alle wertvoll und gut. Alle, besonders die jungen Menschen, sind einem ständigen Zapping ausgesetzt. Man kann auf zwei oder drei Bildschirmen gleichzeitig navigieren und zugleich auf verschiedenen virtuellen Ebenen interagieren. Ohne die Weisheit der Unterscheidung können wir leicht zu Marionetten werden, die den augenblicklichen Trends ausgeliefert sind. (Nr. 167)

Wir sind frei, mit der Freiheit Jesu Christi; doch er ruft uns, das zu prüfen, was in uns ist – Wünsche, Ängste, Furcht, Sehnsüchte – und das, was außerhalb von uns geschieht – die „Zeichen der Zeit“ –, damit wir die Wege der Freiheit in Fülle erkennen: »Prüft alles und behaltet das Gute!« (1 Thess 5,21). (Nr. 168)

In der Tat schließt die geistliche Unterscheidung die Hilfe der menschlichen, existentiellen, psychologischen, soziologischen oder moralischen Weisheit nicht aus. Sie transzendiert sie jedoch.(Nr.170)

Dennoch kann es sein, dass wir uns selbst beim Gebet nicht der Freiheit des Geistes, der wirkt, wo er will, stellen wollen. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Unterscheidung im Gebet von einer Bereitschaft zum Hören ausgehen muss: auf den Herrn, auf die anderen, auf die Wirklichkeit selbst, die uns immer auf neue Weisen fordert. Nur wer bereit ist zu hören, besitzt die Freiheit, seine eigene partielle und unzulängliche Betrachtungsweise, seine Gewohnheiten und seine Denkschemata aufzugeben. So ist man wirklich bereit, den Ruf zu hören, der die eigenen Sicherheiten aufbricht und zu einem besseren Leben führt, weil es nicht genügt, dass alles soweit gut geht und ruhig ist. Vielleicht will Gott uns Größeres schenken, und wir in unserer bequemen Zerstreutheit merken es nicht. (Nr. 172)

Diese Haltung des Hörens schließt im Übrigen den Gehorsam gegenüber dem Evangelium als letztes Kriterium ein, aber auch gegenüber dem Lehramt, das es bewahrt und versucht, im Schatz der Kirche das zu finden, was am fruchtbarsten für das Heute des Heils ist. Es geht nicht darum, Rezepte anzuwenden oder die Vergangenheit zu wiederholen; denn die gleichen Lösungen gelten nicht unter allen Umständen, und was in einem Zusammenhang nützlich war, kann es in einem anderen nicht sein. Die Unterscheidung der Geister befreit uns von einer Starrheit, die keinen Bestand hat vor dem ewigen Heute des Auferstandenen. Einzig und allein der Heilige Geist weiß, in die dunkelsten Winkel der Wirklichkeit vorzudringen und alle ihre Schattierungen im Auge zu haben, damit die Neuheit des Evangeliums in einem anderen Licht aufleuchtet. (Nr.173)

In allen Bereichen unserer Existenz können wir weiter wachsen und sie etwas mehr Gott übergeben, auch dort, wo wir die größten Schwierigkeiten erfahren. Doch müssen wir den Heiligen Geist darum bitten, dass er uns befreie und jene Angst vertreibe, die uns dazu bringt zu verhindern, dass er in einige Bereiche unseres Lebens eintritt. Wer alles von ihm erbittet, dem gibt er auch alles. (Nr. 175)