Franziskus papst02 120Einem Aufstand der Gläubigen kommt es gleich, wenn Frauen und Männer sich lautstark in Gottesdiensten gegen die Prediger wenden, unabhängig ob der Washingtoner Kardinal Donald Wuerl oder ein Gemeindepfarrer im Bundesstaat Georgia spricht. Über solche Ereignisse in den USA berichtet das Internetportal katholisch.de unter Hinweis auf eine Bericht der Katholischen Nachrichtenagentur.

Die Geduld ist am Ende! Es braucht weitreichende Maßnahmen wie zum Beispiel:

  • Mitbestimmung aller Gläubigen in allen sie betreffenden Fragen.
  • Öffnung aller Dienste für geeignete Frauen und Männer, ohne disziplinärer Einschränkungen wie etwa einem Pflichtzölibat.
  • Transparente Entscheidungen, die mit einer Auskunftspflicht gegenüber allen Betroffenen nachvollziehbar sind.
  • Ende der öffentlich ausgetragenen Grabenkämpfe mit Unwahrheiten gegen Franziskus.

Alle Gläubigen, unabhängig ob Bischöfe oder einfache Kirchenmitglieder sind herausgefordert einmütig und solidarisch mit Franziskus endlich konkrete Schritte zu setzen und Solidarität mit den Opfern und Belasteten zu leben.

 Missbrauch: Die US-Katholiken halten nicht mehr still

"Schäm dich!", rief ein Gottesdienstbesucher während der Predigt von Kardinal Donald Wuerl. Die Gläubigen in den USA fordern ihre Priester und Bischöfe auf, sich endlich zum Missbrauchsskandal zu äußern.

USA | Washington - 04.09.2018

Vergangenen Sonntag platzte Brian Garfield der Kragen. Als Kardinal Donald Wuerl (Bild oben) eine Fürbitte für Papst Franziskus vortrug, stand der regelmäßige Besucher des Gottesdienstes in der Verkündigungskirche von Washington auf. "Shame on You!", rief er dem Führer des wichtigen Erzbistums zu und verließ das Gotteshaus. "Schäm dich!"

Während Wuerl auf den Zwischenfall einging, drehte ihm Mary Challinor auf der Chorbühne den Rücken zu. "Ich denke, er sollte zurücktreten", sagt die Katholikin über den Kardinal, der als Bischof von Pennsylvania über Missbrauchsvorwürfe hinweggesehen haben soll und bis heute standfest behauptet, von den Vorwürfen gegen seinen Vorgänger, Ex-Kardinal Theodore McCarrick, nichts gewusst zu haben.

Auch Naka Nathaniel hielt es sprichwörtlich nicht mehr in der Kirchenbank, als sein Gemeindepriester zu predigen begann. Der Pfarrer der St. Thomas More Kirche in Decatur im US-Bundesstaat Georgia sprach über die Notwendigkeit für grundlegende Reformen in der Kirche, da stand Nathaniel auf, zog seinen neunjährigen Sohn an sich, und rief laut: "Wie genau sollen die denn aussehen?" Sein Priester sei ihm die Antwort schuldig geblieben, erzählte der Katholik auf CNN. Stattdessen soll er ihm nach dem Gottesdienst nur zugeraunt haben: "Sie und ich haben da keinen Einfluss darauf." Doch damit will sich Nathaniel wie viele US-Katholiken nicht abfinden. "Vom Papst bis ganz nach unten müsste die gesamte Kirchenhierarchie zurücktreten", forderte er.

"Wie kann ich hier noch bleiben?"

Der Protest der Laien gegen die Hierarchie spaltet die Kirche. Traditionalisten sind genauso angewidert vom Versagen beim Schutz verletzlicher Kinder wie Reformer, die sich wie der renommierte katholische Kolumnist E.J. Dionne immer stärker fragen: "Wie kann ich hier noch bleiben?"

Die Krise in der katholischen Kirche der USA ist mit Händen zu greifen, die tiefen Gräben zwischen den Hirten im Umgang mit dem Skandal sind nicht zu übersehen. Das "Wall Street Journal" urteilte: "Bischöfe sind in der Öffentlichkeit selten so gespalten gewesen."

Das zeigten auch die Reaktionen auf den Brandbrief des früheren Nuntius Carlo Maria Vigano vergangene Woche. Vigano beschuldigte darin hochrangige Kirchenvertreter bis hinauf zu Papst Franziskus, den sexueller Verfehlungen beschuldigten Ex-Kardinal Theodore McCarrick gedeckt zu haben. Der bei Franziskus in Ungnade gefallene erzkonservative Kardinal Raymond Leo Burke steht im Verdacht, den Autor des elfseitigen Schreibens angestiftet zu haben.

Jedenfalls sprang ihm Burke schnell zur Seite. In einem Interview mit der Zeitung "La Rebubblica" beteuerte der Anführer der US-amerikanischen Kritiker von Franziskus, er sei gewiss kein Gegner des reformerischen Papstes. Aber er halte es für seine Pflicht, die "Wahrheit des Glaubens" zu schützen. Rücktrittsforderungen gegen den Papst seien legitim. "Die Fakten müssen geprüft werden."

Schädlicher Einfluss "homosexueller Netzwerke"?

Vigano sammelt die konservativen US-Bischöfe um sich, weil er ihnen mit seinen Behauptungen über den schädlichen Einfluss "homosexueller Netzwerke" in der Kirche aus dem Herzen spricht. Zum Beispiel Bischof Thomas John Paprocki von Springfield im US-Bundesstaat Illinois, der seit langem zu den Kritikern des Papstes zählt. Ihnen missfällt dessen relativ offene Haltung zu Homosexualität und wiederverheirateten Geschiedenen. Franziskus' Entscheidung, sich nicht zu dem Brief Viganos zu äußern, sei "mit allem Respekt, nicht ausreichend".

Ein anderer, der Bischof von Madison im Bundesstaat Wisconsin, Robert Charles Morlino, bürgt für die "Ehrlichkeit und nicht zu beanstandende Integrität" Viganos. Dafür hat der Franziskus-Bischof von San Diego, Robert McElroy, Geringschätzung übrig: "Erzbischof Vigano ordnet das Streben nach umfassender Wahrheit konsequent Parteilichkeit, Spaltung und Verdrehungen unter."

Die Kirchenführer sind sich nicht eins und die Gläubigen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Kraft der Erneuerung.

Von Bernd Tenhage (KNA)