Franziskus telefono 120In seinem Brief an das Volk Gottes schreibt Franziskus am 20. August 2018 "Kleriker und Ordensleute" haben Minderjährigen "viele Leben geraubt" durch ihre "Verhaltensweisen des sexuellen wie des Macht- und Gewissensmissbrauchs". Als eine entscheidende Ursache dafür nennt er den Klerikalismus.

Und er stellt fest: "Der Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, erzeugt eine Spaltung im Leib der Kirche." Dem gegenüber stellt er die Zugehörigkeit zum Volk Gottes ins Zentrum und verweist auf Paulus: »Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit«.

"Mit Scham und Reue" bittet er um Vergebung "für die eigenen und für die Sünden anderer".

Zum Missbrauch Nein zu sagen, heißt zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen.

Und er kommt zu dem Schluss: "Alles, was man unternimmt, um die Kultur des Missbrauchs aus unseren Gemeinschaften auszumerzen, ohne alle Glieder der Kirche aktiv daran teilhaben zu lassen, wird nicht dazu in der Lage sein, die nötigen Dynamiken für eine gesunde und wirksame Umgestaltung zu erzeugen."

werlen martin klÜber den "Brandbrief" von Franziskus berichtete auch das Katholische Medienzentrum kath.ch. Gegen die Verkürzung in ein FÜR oder GEGEN Franziskus wendet sich der Schweizer ehemalige Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln, Martin WerlenDiesen Beitrag haben wie nachstehend dokumentiert.


Papst schreibt Brandbrief: Bitte um Vergebung wegen Missbrauch

Rom, 20.8.18 (kath.ch) In einem Brief an alle Christen bittet Papst Franziskus um Vergebung für das Versagen der Kirche im Umgang mit Missbrauch an Kindern und anderen schutzbedürftigen Erwachsenen. In dem knapp vierseitigen Schreiben, das der Vatikan am Montagmittag veröffentlichte, kritisiert der Papst Klerikalismus und fordert alle Katholiken auf, sich gegen seine solche Kultur zu engagieren.

Das Kirchenoberhaupt reagiert damit auf den jüngsten Bericht einer Grand Jury im US-Bundesstaat Pennsylvania, der am vergangenen Dienstag veröffentlicht wurde, auf die Entwicklung in Chile sowie anhaltende Diskussionen vor seinem Besuch in Irland am kommenden Wochenende.

Scham und Reue

«Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten», heisst es in dem Brief.

Schrei der Opfer

Der Schrei der Opfer sei stärker gewesen «als die Massnahmen all derer, die versucht haben, ihn totzuschweigen» oder die meinten, das Leid mit Entscheidungen zu kurieren, die alles nur schlimmer gemacht haben. Dazu zitiert Franziskus den Satz aus dem Lobgesang Marias im Lukasevangelium: Gott «zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.»

Ja für «Null-Toleranz-Haltung»

Dringend müsse die Kirche noch einmal ihre «Anstrengung verstärken, den Schutz von Minderjährigen und von Erwachsenen in Situationen der Anfälligkeit zu gewährleisten». Dabei würdigt der Papst die bisher in verschiedenen Teilen der Welt unternommenen «notwendigen Aktionen und Sanktionen» und «Null-Toleranz-Haltung». Zwar zeigten diese inzwischen Wirkung, seien allerdings «mit Verspätung angewandt» worden.

Ursache Klerikalismus

Als eine der Hauptursachen für den sexuellen sowie psychischen Missbrauch benennt der Papst «Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert». Dieser erzeuge eine Spaltung, «die dazu anstiftet und beiträgt, viele der Übel, die wir heute beklagen, weiterlaufen zu lassen». Klerikalismus beruhe auf einem falschen Verständnis von Autorität in der Kirche – «sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen Missbrauchs wie des Macht- und Gewissensmissbrauchs ereignet haben».

Franziskus zitiert dabei aus einer Karfreitagsbitte von Kardinal Joseph Ratzinger von 2005: «Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm (Christus) ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit?»

Gleichwohl müsse das gesamte Volk Gottes sich daran beteiligen, auf die Übel des Missbrauchs und der Vertuschung zu antworten. «Alles, was man unternimmt, um die Kultur des Missbrauchs aus unseren Gemeinschaften auszumerzen, ohne alle Glieder der Kirche aktiv daran teilhaben zu lassen», werde nicht die nötige Dynamik «für eine gesunde und wirksame Umgestaltung» erzeugen, so der Papst. (cic)