Franziskus telefono 150Am 20. August 2018 hat Franziskus ein Schreiben „an das Volk Gottes“ veröffentlicht. Darin beklagt er, dass weltweit mindestens tausend Menschen, davon viele Minderjährige, in den letzten 70 Jahren „wegen sexuellem wie Macht- und Gewissensmissbrauch seitens einer beträchtlichen Zahl von Klerikern und Ordensleuten“ Leid und Schmerz erfahren haben. Wir haben darüber berichtet.

Darauf antwortet Anne Soupa, Präsidentin der CCBF Conférence catholique de baptisé-e-s francophone (CCBF Katholische Konferenz der Getauften Frankreichs), sehr konstruktiv und schlägt Franziskus ein „Konzil des Volkes Gottes“ vor. Die Petition fordert ein Konzil, an dem Frauen und Männer, Laien und Kleriker, paritätisch vertreten sind zur Überwindung des Klerikalismus als eine der Ursachen sexuellen Missbrauchs.

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Betrifft: Einberufung eines Konzils des Volkes Gottes

Heiliger Vater!

Nach den massiven Aufdeckungen vieler Skandale der Kirche betreffend sexueller Übergriffe von Priestern an Minderjährigen, haben Sie einen Brief an das Volk Gottes gerichtet, in dem Sie den Klerikalismus als eine der Ursachen des Übels verurteilen und die Getauften aufrufen, bei der Lösung des Problems mitzuwirken. Wir möchten auf Ihren Aufruf antworten.

Wir unterstützen Ihr Vorgehen voll und ganz und versuchen, das umzusetzen, was Sie vorschlagen. Schon zuvor hat die Conférence des baptisé-e-s (CCBF) Ihre früheren Schreiben zu diesem Anliegen weit verbreitet und eingängig kommentiert: Evangelii Gaudium, ihre Ansprache am 50. Jahrestag des letzten Konzils 2015 und ihr Schreiben an Kardinal Ouellet 2016. Darin haben Sie bereits zur „Mobilisierung der Getauften“ im Leben der Kirche aufgerufen, sie ermahnt „mutig“ zu sein, „die Pyramide umzukehren“ und die „Vorrangstellung des allgemeinen Priestertums der Gläubigen“ ernst zu nehmen.

Heute ist die Glaubwürdigkeit unserer Kirche nicht nur angeschlagen, sondern zu tiefst erschüttert. Mit dem schwindenden Vertrauen geht das Schiff der Kirche unter, und wir verlieren alle zusammen, Priester und Laien, jede Glaubwürdigkeit in unserer Verkündigung des Evangeliums.

Als Conférence des baptisé-e-s haben wir die Pflicht, Sie über unsere Überzeugungen, Ansichten und Vorschläge für unsere Kirche in Kenntnis zu setzen, wie uns das kanonische Recht (CIC 212, §3) dazu auffordert. Diese Pflicht ergibt sich eindeutig aus dem „Glaubenssinn“, der die Gläubigen beseelt und den Sie im Namen aller auszusprechen haben.

Deshalb appellieren wir an Sie, ein „Konzil des Volkes Gottes“ einzuberufen. Muss nicht das ganze Volk Gottes auf den Heiligen Geist hören, um die „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute“ zu verkünden (Gaudium et Spes, Nr. 1)? Muss nicht das ganze Volk dazu beitragen, die Grundlagen einer Kirche neu zu definieren, die aufmerksam auf den Ruf des Herrn hört? Kann das zerrüttete Vertrauen nicht erst wiederhergestellt werden, wenn das ganze Volk angehört wird?

Gleichberechtigte Vertreter des Volkes Gottes zu versammeln, Männer und Frauen, Laien und Kleriker, wäre ein Zeichen Ihres Willens, eine tiefgreifende Erneuerung einzuleiten. Es würde der Kirche ermöglichen, das Vertrauen seiner Mitglieder wieder herzustellen. Das wäre ein Akt der Wahrheit, um in unserer Kirche Voraussetzungen für eine wirkliche Wiedergeburt zu schaffen und eine neue Zukunft zu definieren, die heute und darüber hinaus von allen Gläubigen mitgetragen werden kann.

Ich versichere Sie, Heiliger Vater, meiner ausserordentlichen Wertschätzung.

Im Namen der CCBF, Anne Soupa, Präsidentin