Schaffelhofer Schwarz Guggenberger 150Heute morgen veröffentlicht die Kleine Zeitung nachstehenden offenen Brief der ehemaligen KAÖ-Präsidentin an den vormaligen Bischof der Diözese Gurk/Klagenfurt und heutigen Bischof in St. Pölten. Darin fordert sie ihren Studienkollegen auf, für sich, die Öffentlichkeit und die Kirche endlich Klarheit zu schaffen. Bis dahin möge sich Alois Schwarz aus seinen Funktionen zurückziehen.

Der Offene Brief ist ein Dokument der Freundschaft und der Loyalität, der Person und der Kirche gegenüber.

Offener Brief

Lieber Bischof Alois...

Gerda Schaffelhofer, lange Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, schreibt ihrem einstigen Studienkollegen, Bischof Alois Schwarz einen offenen Brief. Sie fordert ihn auf, endlich klar zu den Vorwürfen zu seiner Amtsführung in der Diözese Gurk Stellung zu nehmen, die gegen ihn erhoben werden.

Von Gerda Schaffelhofer | Kleine Zeitung 05.30 Uhr, 06. Jänner 2019

Miteinander reden, anstatt übereinander! Die Worte deiner Silvesteransprache klingen gut! Wer könnte gegen ein offenes und vertrautes Gespräch schon etwas einwenden? Wir hier in Kärnten erinnern uns an die vielen Male, als Kleriker und Laien dieses vertraute, offene Gespräch mit dir gesucht haben. Viele haben dir signalisiert, dass die Herrschaft deiner Schattenfrau ein Ende haben muss, dass du selbst wieder die Zügel deines Bischofsamtes fest in die Hand nehmen musst, dass dein Lebensstil Anlass zu Gerüchten und Kritik gibt.

Argumente, dass heute kein Bischof mehr vier Wohnsitze für sich beanspruchen kann, darunter ein Palais und eine Jagdresidenz, während der Papst in einer 2-Zimmer-Wohnung in einem Gästehaus des Vatikan lebt, blieben aber ebenso ungehört wie die zahlreichen Appelle, deine Vertraute aus deinem unmittelbaren Umfeld zu entfernen und in einer anderen Diözese zu „platzieren“. Die Spatzen pfiffen vom Dach, dass du deiner Lebensfrau ausgeliefert, wie Wachs in ihren Händen bist. In jedem kleinsten Bergdorf wurde man auf euer Verhältnis angesprochen. Dabei hätten sich selbst 70-jährige Ordensfrauen damit abgefunden, dass die zölibatäre Lebensweise nicht eben die deine ist, nur die Art und Weise, wie ihr eure Beziehung in der Öffentlichkeit gelebt habt und wie sehr die Frau Bischöfin das Sagen in allem und jedem hatte, das ging wirklich zu weit.

Ein gemeinsames Arbeitszimmer...

Ein gemeinsames Arbeitszimmer, sodass nichts und niemand an „ihr“ vorbeikam, das konnte niemand mehr verstehen. Sie hob dein Handy ab, checkte alle deine Mails, verwaltete Kalender und Ordner (auch die Missbrauchsakte?). Man musste schon eine besondere Vertrauensstellung bei dir haben, dass man ein 4-Ohren-Gespräch einfordern konnte und du spätabends – allein – zurückgerufen hast. Der normale Weg lief anders: Wer etwas von dir wollte, musste zuerst sie gewinnen, sie umschwärmen, sie überzeugen. Auf diese Art und Weise wuchs ihre Macht beständig. Auf diese Art und Weise schrumpfte aber auch dein Ansehen beständig. Laien schüttelten den Kopf, und Priester stellten sich darauf ein. Je nach eigener Verfasstheit schlugen sie daraus Kapital oder nicht. Dein Autoritätsverlust belastete die Arbeit in der Diözese. In den letzten Jahren gelang immer weniger, und dort, wo nicht Menschen wirkten, die ihre Aufgabe wirklich als Berufung wahrnahmen, ging nicht mehr viel.

Als die Situation schon an der Grenze zur Unerträglichkeit angelangt schien, habe auch ich vor nunmehr fast drei Jahren das offene, vertrauensvolle Gespräch mit dir gesucht. Als ehemalige Studienkollegin und Verlegerin deiner Bücher hatte ich ein Nahverhältnis zu dir. Als Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich warst du in der Bischofskonferenz über Jahre mein Ansprechpartner, du hast meine Mutter begraben und bist mir in schwierigen Situationen meines Lebens beigestanden. Ich kannte dich seit vielen Jahren und schätzte dich.

...dass es so nicht weitergehen konnte.

Dennoch war mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Unser Gespräch schien gut zu laufen, obwohl ich dich mit allen Vorwürfen und Gerüchten, die mir zu Ohren gekommen waren, konfrontiert habe. Ich kann mich noch gut an deine Worte erinnern: Ich bin dir so dankbar, mir sagt ja niemand etwas, …“. In meiner Naivität habe ich damals wirklich gedacht, dir und der Kirche einen Dienst erwiesen zu haben, denn leicht war es mir nicht gefallen, mit all den Gerüchten herauszurücken. Dein mehrfaches Danke hatte mich aber bestärkt, richtig gehandelt zu haben.

Allein, es geschah gar nichts. Es war, als ob diese Begegnung nie stattgefunden hätte. Alles lief den üblichen Gang weiter. Viel später habe ich erfahren, dass auch andere, die das Gespräch mit dir wie ich gesucht hatten, ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Muster schien immer dasselbe zu sein: Du hast zugehört, hast Betroffenheit und große Dankbarkeit signalisiert, Änderungen in Aussicht gestellt, aber passiert ist absolut nichts. Wir sind gegen eine Gummiwand gelaufen. Diese Erfahrung schien auch Erzbischof Kothgasser gemacht zu haben, der bereits 2008 befunden hatte, dass die in der Diözese Gurk vorgefundene Situation „um der Glaubwürdigkeit und Eindeutigkeit des Hirtendienstes willen“ einer verantwortungsvollen und entschiedenen Klärung bedarf.

Alleinherrscher im Bistum

Zwar ist daraufhin deine Vertraute Andrea E. vorübergehend in den Schuldienst zurückgekehrt, aber aus deinem Dunstkreis ist sie nicht verschwunden. Bei erstbester Gelegenheit wurde sie zurückgeholt, zwar nicht als Angestellte der Diözese, das wäre nach dem Befund Kothgassers nicht möglich gewesen, wohl aber als Angestellte des Bistums, in dem die lästigen diözesanen Kontrollmechanismen vieles nicht verhindern konnten und du immer mehr zum „Alleinherrscher“ aufgestiegen bist.

Dass später auch große wirtschaftliche Ungereimtheiten im Bistum aufgetreten sind, die Ansprüche deiner Lebensfrau immer größer wurden, die von ihr verlangten Investitionen zu großen Defiziten führten und du selbst immer mehr einen Lebensstil gepflogen hast, der mehr deiner Traumfrau als deinem Weiheversprechen geschuldet war, war nur die logische Folge. Da du ein geschulter Kommunikator bist und Dinge gut „zurechtrücken kannst“, bist du lange Zeit an der bitteren Wahrheit, dass diese Frau eine unheimliche Macht über dich hat, vorbeigeschlittert.

Dennoch fragt sich halb Kärnten, wieso es dazu gekommen ist. Du scheinst dieser Frau, ihrem Willen, ihren Wünschen ausgeliefert zu sein, du scheinst nichts entgegensetzen zu können. Warum ist das so? Wirst du wirklich nur geliebt? Oder wirst du erpresst? Die mehrfach zitierte Aussage „Der Bischof gehört mir!“ hat viele Gerüchte genährt. Aber lassen wir diese beiseite. Wenn du ihr wirklich gehörst, dann wäre es anständig und angebracht, die Konsequenzen aus dieser Liebe zu ziehen, wie es viele Priester vor dir getan haben. Wenn dem aber nicht so ist, dann bedarf es deines entschiedenen Widerspruchs, in Wort und in Tat.

Es bedarf des Schließens aller Hintertürln

Dann bedarf es der kompromisslosen Aufarbeitung des Vergangenen und des Schließens aller Hintertürln, durch die sich „Frau Bischöfin“ wieder einschleicht. Dann bedarf es der Übernahme von Verantwortung für alles, was geschehen ist, und dazu gehört auch, dass die Opferrolle, in die du dich in den letzten Wochen zunehmend hineingesteigert hast, wieder aufgegeben wird.

Solange du dich aber für keinen dieser beiden Wege entschieden hast, solltest du alle deine Ämter vorerst ruhen lassen. Gib dir eine Aus- und Bedenkzeit, in der du mit dir ins Reine kommst, das steht dir zu. Lebensentscheidungen dieser Größenordnung werden nicht zwischen Krankenkommunion, Beichthören und Predigtvorbereitung getroffen. Sie brauchen Zeit. Es geht um dich, um Andrea E. und – bitte vergiss das nicht – um die Glaubwürdigkeit der Kirche.


 Zur Autorin

Mag. theol. Gerda Schaffelhofer ist 1955 geboren, studierte Germanistik und Theologie und arbeitete als Lehrerin. 1984 wechselte sie zur Aktion Leben, wo sie von 1990 bis 1995 als Generalsekretärin fungierte. 1995 bis 2001 war Schaffelhofer Geschäftsführerin von Zeitung in der Schule des Zeitungsverbandes VÖZ. Ab 2002 war sie Geschäftsführerin der christlichen Wochenzeitung "Die Furche" und ab 2006 auch Geschäftsführerin der Styria-Buchholding.

Seit 2016 ist sie in Kärnten wohnhaft, von 2012-2018 Präsidentin war sie Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich.