Waldstein Ernst 150Mit 94 Jahren ist Ernst Waldstein-Wartenberg am Ende seines irdischen Lebensweges angekommen. Vergangenen Montag – so meldete seine Familie – ist der Ehrenpräsident und unermüdliche Motor des „Bauplatz Kirche Österreich“ im Katholischen Laienrat heimgegangen.

Waldstein war eine stets ausgleichende aber auch steuernde Kraft im Spannungsfeld divergierender Standpunkte – auch in der Kirche. Sein immer wiederkehrender Ausspruch, „die Geschichte verlaufe in Pendelbewegungen“ zeigte einerseits seine Gelassenheit und andererseits seinen Willen in der Entwicklung möglichst alle Kräfte an Bord zu halten. Er war ein Wegweiser für Entwicklung ohne das Miteinander aufzugeben. Dafür sei ihm gedankt!

Ein Trauergottesdienst findet am 31. Jänner 2019, 18 Uhr, im Wiener Stephansdom statt.

Bis zum Schluss war Waldstein an allen Entwicklungen in der Politik in der Kirche und im Katholischen Laienrat interessiert, auch wenn er nicht mehr an allen Ereignissen teilnehmen konnte.


Der gegenwärtige Präsident der Katholischen Laienrates, Wolfgang Rank, hat nachstehen Nachruf auf Ernst Waldstein verfasst und wird bei Trauergottesdienst sprechen:

Unser Ehrenpräsident Dr. Ernst Waldstein-Wartenberg ist am 21. Jänner im 94. Lebensjahr verstorben. Er war von 1986 bis 1990 Präsident des KLRÖ und seitdem Ehrenpräsident. Von 1988 bis 1992 war er auch Präsident des Europäischen Laienforums und hat den KLRÖ in diesem Gremium zu einem in den Laienorganisationen auf Europaebene anerkannten Mitwirkenden gemacht.

Für den KLRÖ war er Jahrzehnte lang Gedankenbringer und Brückenbauer. Mit seinem Vergleich der katholischen Laienorganisationen mit "einer bunten Blumenwiese" oder einem vielfältigen "Tiergarten" hat er immer die Aufforderung verbunden, die Organisationen in ihrer Vielfalt und Eigenart bestehen zu lassen und anzuerkennen. Andererseits war er immer ein Anwalt der Zusammenarbeit zwischen den Laienorganisationen und innerhalb der Katholischen Kirche in Österreich und für das gemeinsame Tragen der Mitverantwortung für die Kirche. Angesichts der Spannungsfelder in der Kirche (z.B. Autorität/Gehorsam und Freiheit, Bewahren und Verändern, Amt/Struktur und Charisma) hat er immer für das "Sowohl - als auch" gesprochen. Das haben wir im Vorstand und in der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe "Ernst" erlebt, die sich mit den Entwicklungen in der Kirche befasst hat. Schließlich zeigt sich das auch in den "Mosaiksteinen zu einem zeitgemäßen Kirchenbild", die er uns als Anstoß und Auftrag übergeben hat.

"Dialog" war stets sein Ziel und seine Tätigkeit. Deshalb wird es ihn freuen, dass in diesem Jahr ein regelmäßiger "strukturierter Dialog" zwischen Bischöfen und Vorsitzenden der Laienorganisationen verwirklicht wird. Der KLRÖ wird weiterhin für sein und unser Ziel arbeiten, Unterstützung für und Zusammenarbeit zwischen den Laienorganisationen. Dabei ist sein Leben Vorbild und Auftrag für den KLRÖ und mich persönlich.

Beim Requiem am 31. Jänner um 18 h im Stephansdom werde ich die Ehre haben, ähnliche Worte als Dank für sein Wirken für den KLRÖ zu sprechen.

Mag. Wolfgang Rank, Präsident des KLRÖ


Nachstehend geben wir die Nachrichten der Kathpress zu seinem Ableben und zu seinem 90. Geburtstag wieder:

Trauer um Ernst Waldstein-Wartenberg

"Doyen" des katholischen Laienapostolats in Österreich verstarb im 94. Lebensjahr. Feierliches Requiem im Wiener Stephansdom am 31. Jänner.

Trauer in der katholischen Kirche um Ernst Waldstein-Wartenberg: Der langjährige Ehrenpräsident des Katholischen Laienrates Österreichs (KLRÖ) ist am Montag (21. Jänner) im 94. Lebensjahr verstorben. Wie kathpress am Donnerstagabend von den Angehörigen erfahren hat, findet ein feierliches Requiem für den Verstorbenen am 31. Jänner 2019 um 18 Uhr im Wiener Stephansdom mit anschließender Agape im Erzbischöflichen Palais statt. Die Beerdigung des Verstorbenen findet auf dessen Wunsch im engsten Familienkreis in seinem Geburtsort in Hirschberg in Nordböhmen statt. Eine Seelenmesse im Klagenfurter Dom wird am 24. Februar um 19 Uhr gefeiert.

Ernst Waldstein-Wartenberg galt zur Zeit seines Wirkens in der katholischen Kirche als "Doyen" des österreichischen Laienapostolats. Geboren 1925 in Hirschberg in Böhmen als Erbe eines großen Vermögens landete er 1945 nach der Vertreibung aus seiner Heimat als mittelloser Flüchtling in Österreich. Vor diesem persönlichen Hintergrund wurde er ein lebenslanger Vorkämpfer gegen nationalen Chauvinismus und für Versöhnung zwischen den Völkern und spielte so eine Schlüsselrolle in der Bewältigung des deutsch-slowenischen Ortstafelstreits im Kärnten der 1970er Jahre.

Sein kirchliches Engagement im engeren Sinn begann 1962 bei der Vorbereitung des Österreichischen Katholikentages. 1969 war er entscheidend an der Initiative beteiligt, mit einer Dözesansynode in Kärnten zu einer Versöhnung und neuen Zusammenarbeit zwischen der deutschen und slowenischen Volksgruppen zumindest innerhalb der Kirche beizutragen. Dies war umso wichtiger zumal außerhalb der Kirche mit dem losgebrochenen Kärntner "Ortstafelstreit" die Gräben zwischen den Volksgruppen erneut aufgerissen wurden. Der damalige sozialistische Bundeskanzler Bruno Kreisky berief daraufhin Ernst Waldstein und Valentin Inzko, die beiden eng befreundeten Exponenten der innerkirchlichen Versöhnung der Volksgruppen, in die staatliche Ortstafel-Kommission. Beide konnten Schritte zur Versöhnung im Land bewirken.

Von 1972 bis 1985 war Waldstein Präsident der Katholischen Aktion der Diözese Gurk, von 1986 bis 1990 Präsident des Katholischen Laienrates Österreichs, dessen aktiver Ehrenpräsident er bis zu seinem Tode blieb. Von 1988 bis 1992 fungierte er überdies als Präsident des Europäischen Laienforums. Als quasi ranghöchster katholischer Laie in Europa nützte er diese Funktion, um nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in den ehemals kommunistischen Ländern das kirchliche Laienwesen im Aufbau zu begleiten und zu unterstützen.

Für sein Wirken wurde Waldstein vielfach geehrte. So erhielt er mit dem Komturkreuz mit Stern des Gregorius-Ordens und dem Komturkreuz des Sylvester-Ordens sehr hohe päpstliche Auszeichnungen. Das Land Kärnten verlieh ihm das Große Goldene Ehrenzeichen, von der Diözese Gurk wurde er mit der Hemma-Medaille in Gold und vom Volksrat der Kärntner Slowenen mit der Andrej-Einspieler-Plakette gewürdigt.


Zu seinem 90. Geburtstag schrieb kathpress:

 

Laienrats-Ehrenpräsident Ernst Waldstein 90

Doyen des österreichischen Laienapostolats setzte sich besonders für Dialog zwischen deutsch- und slowenischsprachigen Katholiken ein

Klagenfurt, 27.03.2015 (KAP) Der Ehrenpräsident des Katholischen Laienrates Österreichs, Ernst Waldstein, wird am Montag, 30. März, 90. Jahre alt. Der 1925 in Hirschberg in Böhmen geborene Waldstein war von 1986 bis 1990 Präsident des Katholischen Laienrates Österreichs. Auch fungierte er als Präsident des Europäischen Laienforums. Über die Grenzen hinaus wurde Waldstein in den siebziger Jahren durch seine Tätigkeit für den kirchlichen deutsch-slowenischen Koordinierungsausschuss und seine Arbeit im Rahmen der Kärntner Diözesansynode bekannt.

Ernst Waldstein begann 1952 im Gefolge des damaligen österreichischen Katholikentages, sich in der Katholischen Aktion zu engagieren, deren Präsident in der Diözese Gurk er von 1972 bis 1982 war. In dieser Zeit leistete er mit seinem slowenischen Partner Valentin Inzko vielbeachtete Pionierarbeit für die Überwindung des seit Jahrzehnten festgefahrenen Nationalitätenkonflikts und für ein friedliches Zusammenleben zwischen deutsch- und slowenischsprachigen Katholiken in Kärnten. Bereits in den achtziger Jahren setzte sich Waldstein intensiv für den Brückenschlag zur damals noch vom KP-Regime unterdrückten Kirche in den ostmitteleuropäischen Ländern ein. Ab der "Wende" 1989 wandte er sich insbesondere seiner böhmischen Heimat zu.

In seiner kirchlichen Tätigkeit plädierte Waldstein stets für eine konsequente Weiterführung der vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleiteten Öffnung der Kirche zur Welt ("aggiornamento"). Die Kirchen seien in den letzten 200 Jahren "mehr mit dem Widerstehen gegen neue Entwicklungen" befasst gewesen als mit einer "die Zeichen der Zeit berücksichtigenden Weise der Evangelisierung", zeigte sich Waldstein überzeugt. Erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil habe die katholische Kirche wieder "Tritt gefasst", betonte er damals.

Wiederholt kritisierte Waldstein auch einen "Reformstau" in der Kirche. Der Gesellschaft sei die Fähigkeit zur Orientierung an grundlegenden Werten verloren gegangen, worauf die Priester, Bischöfe, Ordensleute und Laien in gemeinsamer Verantwortung reagieren und "urchristliche Werte" wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen verankern müssten.

Für seine Tätigkeiten erhielt Waldstein, der ein Nachfahre der im Jahr 1250 verstorbenen Heiligen Zdislava ist, 1992 eine hohe päpstliche Auszeichnung - das Komturkreuz des Gregoriusordens mit Stern. 2012, als sich der damals 87-jährige aus allen Ämtern zurückzog, würdigte ihn der Gurker Bischof Alois Schwarz für die Verdienste um die Kärntner Diözesansynode 1972. Waldstein habe bei diesem Ereignis, das Grundlage zahlreicher diözesaner Entwicklungen wie etwa die Errichtung eines Diözesanrats geworden sei, als "Motor" und als "wohl wichtigster Mitarbeiter" von Bischof Joseph Köstner gewirkt, so Schwarz.