2019 03 04 Hurka HP120Schwindende Bereitschaft zur Solidarität und ein überzogener Individualismus kennzeichnen leider immer stärker unsere Gesellschaften. Die gute alte Regel der Katholischen Soziallehre "Gemeinwohl vor Einzelwohl" ist in vielen Pfarren und bei vielen Menschen noch nicht angekommen.

In einem kurzen Beitrag für ein Pfarrblatt hat der Autor nachstehende Zeilen geschrieben.

Zu Pfingsten berichtet die Bibel vom Sprachen-Wunder. Alle Menschen, aus verschiedenen Teilen der damals bekannten Welt, hörten plötzlich die Apostel in ihrer Muttersprache reden. Sprache ist eben nur ein Teil der Kommunikation. Die Menschen verstanden einander, egal woher sie kamen. Sie hatten Empathie und Offenheit füreinander. Heute würden wir sagen sie achteten einander, nahmen die Menschenwürde und die Menschenrechte ernst. Sie waren erfüllt vom Heilige Geist.

Die Bibel kennt auch ein Gegenbild: Die Geschichte des Turmbaus zu Babel. Da wollen Menschen wie Gott sein, frei, grenzenlos, mächtig, wie er. Plötzlich verstehen sie einander nicht mehr. Eine Sprachenverwirrung lässt das Projekt scheitern. Die Lehre aus der Geschichte: Menschen sind nicht Gott. Und dort, wo sie sich zum Gott-sein-wollen aufspielen endet es im Gegeneinander und Unheil.

Menschen sind nicht als Solisten geboren. Sie sind aufeinander hin orientiert. Kein Kind könnte überleben ohne Kommunikation und Fürsorge liebevoller Menschen. Jeder Mensch braucht andere Menschen um das was in ihm steckt, auch voll zur Entfaltung bringen zu können. Eine kleine Gruppe von Menschen reicht dafür nicht aus. Schnell ist eine andere kleine Gruppe Konkurrenz. Wer zu Ende denkt erkennt, es braucht alle Menschen dieser Welt.

Sprüche wie „geht‘s der Wirtschaft gut, geht‘s allen gut“ oder „wenn jeder für sich sorgt, geht‘s allen gut“ (wollen) täuschen und stimmen nicht. Wahr ist: „geht‘s allen gut, geht‘s auch mir gut“. Vorrang vor dem Wohl des Einzelnen hat daher sinnvoller Weise das Gemeinwohl. Dort wo Menschen einander achtsam, offen und liebevoll begegnen, ist Gottes Geist spürbar. Da bricht das Reich Gottes an. Pfingsten ist deshalb die Geburtsstunde der Kirche. Das Wohl aller Menschen hatte Jesus im Blick. Das hat auch das Leitbild für die Kirche heute zu sein!