Guggenberger dsc 0759 korr foto khkronawetter extralarge 120Seit langem ist es umstritten, ganz besonders in demokratischen Staaten und da wieder in Diözesen mit mündigen Katholikinnen und Katholiken, wer bei der Auswahl und Ernennung von Bischöfen mitsprechen kann und soll. Als 1987 die Ernennung von Kurt Krenn in Wien bekannt wurde hat das Forum "Kirche ist Gemeinschaft" ein Diözesankonklave unter repräsentativer  Beteiligung aller vorgeschlagen. In Kärnten zeigt sich das Dilemma der römisch gelenkten katholischen Kirche neu. Zu viele Köche von außerhalb der Diözese Gurk-Klagenfurt verderben den Brei.

Das "Forum mündiger Christ/innen" lädt zur Unterstützung einer Petition ein, die Engelbert Guggenberger als neuen Bischof in der Diözese Gurk-Klagenfurt wünscht.

Kurz zur Vorgeschichte: Vor einem Jahr wird der bisherigen Bischof von Gurk/Klagenfurt als Nachfolger der rückwärtsgewandten Bischöfe Kurt Krenn und Klaus Küng zum Bischof von St. Pölten ernannt.

In Klagenfurt wird der bisherige Generalvikar und somit engste Vertraute von Alois Schwarz in der Diözese, Domprobst Engelbert Guggenberger, vom Domkapitel zum Diözesanadministrator im Einklang mit dem Kirchenrecht gewählt. Guggenberger hält auch zur Verabschiedung von Schwarz eine lobende Dankesrede für die Leistungen des bisherigen Kärntner Bischofs.

In der Diözese gärt es allerdings seit längerem. So zufrieden die einen mit Schwarz waren, weil er auf die Menschen zuging so scharf kritisierten andere, weil er ein Traditionschristentum förderte, ziemlich von ober herab herrschte oder Frauen ohne demokratischen Auftrag und Kontrolle die Führung in seinem Umfeld und der Diözese überließ.

Gerüchte über Unregelmäßigkeiten im von einer dieser Frauen geführten Mensalgut bewegten Guggenberger diese Gestion von auswärtigen Fachleuten überprüfen zu lassen. Das Ergebnis war, dass es wirtschaftliche Verluste gibt, die vom bisherigen Bischof als „Zeit des Säens“ interpretiert wurden. Ebenso stellte die aus Fachleuten anderer Diözesen zusammengesetzte Kommission in ihrem Abschlussbericht fest, dass der Bischof entgegen dem Kirchenrecht die Zustimmungsvoraussetzungen des kontrollierenden Wirtschaftsrates um das Zehnfache erhöht hatte.

Guggenberger mit Rückendeckung des Domkapitels veröffentlichte diesen Bericht im Rahmen einer Pressekonferenz, obwohl der Vatikan dies untersagt hatte. Dabei wurde auch der Lebensstil von Schwarz sowie sein daraus folgend in Zölibatsfragen eingeschränkter Entscheidungsspielraum kritisiert und auch die Vorgangsweisen der Frauen. Er tat dies wie er bei der Präsentation sagte nicht als Diözesanadministrator sondern als Dompropst. Gleichzeitig untersucht die Staatsanwaltschaft in Graz die Vorgänge im Mensalgut.

Die daraufhin entbrannten Debatten enthielten eine Reihe von Schuldzuweisungen an den Wiener Erzbischof, den Nuntius, dem zur Aufsicht verpflichteten Bischof der Kirchenprovinz, weil diese ihre Kenntnisse an den Vorgängen in Kärnten nicht dazu genützt hätten, um diese nachhaltig zu beheben. Umgekehrt wurde Guggenberger vorgeworfen, die Weisung des Vatikan übergangen und damit Unfrieden in die Diözese gebracht zu haben.

Anfang Jänner schrieb die ehemalige KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer einen offenen Brief an ihren Studienkollegen Alois Schwarz. Darin fordert sie ihn auf, öffentlich auf die Vorwürfe zu reagieren. In einem Gespräch berichtet sie, in jedem Ort Kärntens auf die Frauen im Umfeld Schwarz‘s angesprochen worden zu sein.

Der Vatikan ordnete auf die Ereignisse in Gurk/Klagenfurt eine Visitation durch den Erzbischof von Salzburg an. Sie beginnt im Jänner und im März 2019 schickt der Visitator einen Endbericht in den Vatikan, der nicht veröffentlicht wurde. Naturgemäß wird daher über den Inhalt spekuliert.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse hat auch kathpress erstellt.

Die Visitation stand auch unter keinem guten Stern. Anfänglich wurde befürchtet, dass der vatikanische Auftrag lediglich die Zeit der Sedisvakanz umfasse. Die Einladung des Salzburger Erzbischofs zu einer "Buß- und Gebetsstunde" provozierte bei Guggenberger die Frage, „wer wofür Buße üben soll: Die Kärntner Katholikinnen und Katholiken, kritische Journalistinnen und Journalisten, die derzeitige Diözesanleitung?" Der Abschlussbericht blieb wie gesagt geheim.

Der seit Mitte Juni neu in Wien amtierende Nuntius Pedro LÓPEZ QUINTANA kündigte in seinem Antrittsinterview in der PRESSE an, dass eine personelle Entscheidung durch den Vatikan für Kärnten bevor stünde. Wenige Tage später platzte die Bombe. Guggenberger wurde abberufen und durch den Militärbischof Werner Freistetter ersetzt. Paul Zulehner sagt in einem Interview mit der Kleinen Zeitung: "Es ist kein Dankeschön für umsichtige und undankbare Aufräumarbeit".

Zurecht wird man hier auch die Frage stellen können, ob ein Militärbischof so ohne weiteres von heute auf morgen eine territoriale Diözese mit ihren vielfältigen Aufgaben zu leiten in der Lage ist, auch wenn dort zwischen einzelnen Personen Krieg herrscht.

Die Ablöse Guggenbergers durch Rom war der Tropfen, der für Kärntner Katholikinnen und Katholiken das Fass zum Überlaufen brachte. Unter dem Zusammenschluss "Forum mündiger Christ/innen" luden sie zu einer Solidaritätskundgebung für den abberufenen Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger in den Klagenfurter Dom ein. Leitmotiv war: „Solidarität für Dompropst Guggenberger“. Rund 600 Christ/innen aus ganz Kärnten folgten der Einladung.

Im Rahmen dieser Gebets- und Solidaritätsfeier sprachen ua. der Betriebsratsvorsitzende Gabriel Stabentheiner, Gerda Schaffelhofer, Dechant Juri Buch und der Ordinariatskanzler Jakob Ibounig sowie der Dompfarrer Peter Allmaier. Das Abschlussgebet sprach Engelbert Guggenberger. Details können Sie der Homepage der Diözese entnehmen.

Seit heute lädt das "Forum mündiger Christ/innen" zur Unterstützung einer Petition ein, die Engelbert Guggenberger als neuen Bischof in der Diözese Gurk-Klagenfurt wünscht.

Diese Zuspitzung ist kirchenintern gemacht. Schon die Ernennung der beiden letzten Bischöfe - beide kamen nicht aus der Diözese Gurk - muss als wenig wertschätzend der Kärntner Diözese gegenüber gewertet werden. Die Konfliktsituation mit der Intransparenz der handelnden Außenstehenden aus Wien und Rom goß weiteres Öl ins Feuer. An diesem Beispiel zeigt sich, wie schwach die Konfliktkultur in der Kirche ist.

Viele, die anfangs vielleicht dem Diözesanadministrator kritisch gegenüberstanden als er gegen den Willen Roms seinen Prüfbericht veröffentlichte stehen heute hinter ihm. Das Misstrauen eines vermuteten Revancheaktes gegen Schwarz wich - nachdem Guggenberger ein Stück Transparenz schaffte, die Probleme ansprach und um Vertrauen in der Bevölkerung zur Schadensbegrenzung warb - der Überzeugung, wir in Kärnten können unsere Probleme gu selbstt lösen.