Schwarz Rolan 150Die Bibelpastoral imm Psaastoralamt der Erzdiözese Wien veröffentlicht auf ihrer Homepage einen Beitrag v om Leiterder Bibelpastorall in der Erzdiözese, Dr. Roland Schwarz zur Bibelpastoral. Der Inhalt ist gut vetändlichund lesenswert. Er ist so klar und ansprechend, dass ihn das Netzwerk: zeitgemäß glaubenals konkrete Anregunggern hier ebenfalls veröffentlicht. Das Netzwerk teil seinenInhalt um emphielt das Studioum derBibel sehr:

Die Bibel als pastorale Chance für unsere GemeindenKonkrete Hilfen und Tipps Dr. Roland Schwarz
INHALT Bibeltreffen zu Maria Magdalena ..........212Impressum: Referat Bibelpastoral im Pastoralamt der ED Wien. Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Roland Schwarz (Diözesan-vertreter des Österr. Kath. Bibelwerkes), Stephansplatz 6/5. Stock, 1010 Wien, Tel.: 01/515 52-3364, E-Mail: bibelpastoral[at]edw.or.at, www.erzdioezese-wien.at/bibelpastoral | DVR-Nr.: 0029874(104) | adaptiert für das Bibelwerk Linz: Ingrid PennerCover-Foto und Layout: Peter List | August 2017

Vorwort Am Christkönigssonntag 2016 hat Papst Franziskus in dem Apostolischen Schreiben „Misericordia et Misera“ zum Abschluss des Jahres der Barmherzigkeit einen Bibelsonntag in allen Gemeinden angeregt. Darin schreibt er:„Die Bibel ist die große Erzählung, die von den Wundern der Barmherzigkeit Gottes berichtet. Jede Seite ist durchtränkt von der Liebe des Vaters, der seit der Schöpfung dem Universum die Zeichen seiner Liebe eingeprägt hat. Der Heilige Geist hat durch die Worte der Propheten und die Weisheitsbücher die Geschichte Israels in der Erkenntnis der Zärtlichkeit und Nähe Gottes geformt, trotz der Untreue des Volkes. Das Leben Jesu und seine Verkündigung prägen die Geschichte der christlichen Gemeinde auf entscheidende Weise; sie hat auf der Grundlage des Auftrags Christi ihre Sendung, ein ständiges Werkzeug seiner Barmherzigkeit und seiner Vergebung zu sein (vgl. Joh 20,23), verstanden. Auf dem Weg über die Heilige Schrift, die durch den Glauben der Kirche lebendig erhalten wird, spricht der Herr weiter zu seiner Braut und zeigt ihr die Wege, die sie gehen soll, damit das Evangelium des Heils zu allen gelangt. Es ist mein herzlicher Wunsch, dass das Wort Gottes immer mehr gefeiert, gekannt und verbreitet wird, damit dadurch das Geheimnis der Liebe, die aus jener Quelle des Erbarmens hervorströmt, besser verstanden werden kann. Daran erinnert uns der Apostel ganz deutlich: ‚Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit‘ (2 Tim 3,16). Es wäre gut, wenn jede Gemeinschaft an einem Sonntag des Kirchenjahres ihr Engagement für die Verbreitung, die Kenntnis und die Vertiefung der Heiligen Schrift erneuern könnte: an einem Sonntag, der ganz und gar dem Wort Gottes gewidmet ist, um den unerschöpflichen Reichtum zu verstehen, der aus diesem ständigen Dialog Gottes mit seinem Volk hervorgeht. Es soll nicht an Kreativität fehlen, um diesen Moment durch Initiativen zu bereichern, die die Gläubigen anregen, lebendige Werkzeuge für die Vermittlung des Wortes Gottes zu sein. Selbstverständlich gehört zu diesen Initiativen die weitere Verbreitung der Lectio divina,damit das geistliche Leben durch das betende Lesen der Heiligen Schrift Unterstützung und Wachstum erfährt. Die Lectio divina über die Themen der Barmherzigkeit wird ermöglichen, gleichsam mit Händen zu greifen, wie viel Fruchtbarkeit aus der Heiligen Schrift entspringt, wenn sie im Licht der gesamten geistlichen Überlieferung der Kirche gelesen wird, was unweigerlich in Gesten und konkrete Werke der Liebe mündet.“Die hier gemachten Überlegungen sollen den Gemeinden bei der Konkretisierung der päpstlichen Anregungen helfen. Es soll ein Konzept vorgelegt werden, das dazu dient, die Beschäftigung mit den Texten der Heiligen Schrift sowohl in den Gemeinden als auch werbend darüber hinaus für Einzelne und für Gruppen zu fördern.Wie schon im päpstlichen Schreiben festgehalten, muss für dieses Vorhaben kein bestimmter Sonntag im Kirchenjahr für alle Gemeinden verbindlich festgesetzt werden. Deshalb wird auch keine besonders biblisch geprägte Liturgie für einen konkreten Herrentag angeboten, wie dies in anderen Vorschlägen für einen Bibelsonntag der Fall ist. Es geht vielmehr darum, ein für alle Gemeinden mögliches Konzept anzubieten, durch das möglichst viele Menschen dazu angeregt werden, die Bibel in die Hand zu nehmen, um aus ihr für sich selbst bzw. für andere Kraft und Lebensenergie zu schöpfen.Dabei gibt es ein strukturiertes Grundmuster bei der Vorgangsweise, das aber dann nach den Möglichkeiten der einzelnen Gruppe oder Gemeinde durch zahlreiche weitere Elemente ergänzt werden kann.Verbesserungsvorschläge, Rückmeldungen zu gelungenen Aktionen und eigene erprobte Modelle bitte an das Referat Bibelpastoral senden unter bibelpastoral@edw.or.at.Viel Freude an der Begegnung mit der Bibel!Dr. Roland Schwarz, Leiter des Referats Bibelpastoral Wien3

41.0. Die Phase der Motivation1.1. DAS TEAMUnabdingbar für das Gelingen des Projekts ist eine einzelne Personoder ein kleines Team von Getauften, die selbst für das Anliegen brennen. Es muss sich dabei um Menschen handeln, deren Lebens- und Glau-benszeugnis von den grundlegenden Werten der Bibel geprägt ist. Das müssen keine Fachleute für Bibelwis-senschaften sein. Wichtiger ist eine vom Geist der Bibel inspirierte Ausstrahlung. Natürlich sollten sie ein gewisses Grundwissen und ein gesundes Gespür dafür besitzen, wie man mit Bibeltexten umgehen kann. Ausgebildete Experten oder Expertinnen kommen erst in einer späteren Phase ins Spiel.1.2. DER ÄUSSERE RAHMENEin weiterer Schritt besteht darin, innerhalb des Teams gemeinsam mit der Leitung der Pfarre zu überlegen, in welchem Rahmen die Phase der Motivation durchgeführt werden soll. Bevorzugter Ort ist natürlich der Got-tesdienst am Sonntag, man kann aber das Anliegen auch in bestehende Gruppen tragen. Ob gleich in dieser ersten Phase die Motivation fürs Bibellesen auch so genannte Fernstehende erreichen soll, ist grundsätzlich zu überlegen. Man darf ja nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die sich für eine Lebensorientierung nach der Bibel durchaus interessieren, auch wenn sie, aus welchen Gründen immer, keinen Zugang zu einer Gemeinde und deren Gemeindeleben haben. Konkreter Tipp: Wenn mit einem Flyer geworben wird, könnte dieser etwa folgenden Text haben:Genug vom Smalltalk? Herzliche Einladung zum Austausch von Lebenserfahrungen anhand der Bibel. Kon-takttreffen (Schnupperabend) Ort: ... Zeit ...: Impressum: ...Als Selbstverständlichkeit sollte es heutzutage gelten, dass das Bibellesen auch mit Getauften anderer in den ökumenischen Einheitsbemühungen engagierten Kirchen eine Bereicherung darstellt.1.3. WARUM DIE BIBEL LESEN?Der wichtigste Schritt als Voraussetzung für alles Weitere besteht darin, dass sich das Koordinationsteam (siehe 1.1.) selbst darüber im Klaren ist, warum gerade das Lesen der Heiligen Schrift für den bzw. die Einzel-ne so bedeutsam und hilfreich zur Lebensbewältigung sein kann. Letztlich muss jede und jeder für sich diese Frage persönlich beantworten und auch stimmige Formulierungen dafür finden. Hier seien einige mögliche Motive genannt:Die Bibel ist Urgestein unseres GlaubensEine geistige Bewegung kann am besten durch ihre Geschichte, vor allem ihre Anfänge, begriffen wer-den. In einem Bild ausgedrückt: An der Quelle ist das Wasser am reinsten. In der Bibel haben wir die ursprünglichsten Zeugnisse unserer Glaubensgeschichte: Im Alten Testament (AT) finden wir die ältes-ten Texte, die von der Erfahrung des Volkes Israel mit seinem und unserem Gott erzählen. Menschen erfahren: Wir sind keinem blinden Schicksal ausgeliefert, sondern ein liebender Gott führt uns trotz aller Schwierigkeiten. Es ist derselbe Gott, der uns Jesus, seinen Sohn, gesandt hat, von dem das Neue Testament (NT) berichtet. Geben die biblischen Schriftsteller auch keine wörtlichen Aufzeichnungen der Reden Jesu wieder und zeichnen sie seine Taten auch nicht im Sinne heutiger Berichterstattung auf, so hat doch alles, was im NT zu lesen ist, seinen entscheidenden Anstoß durch den historischen Jesus von Nazareth erhalten. Die kirchliche Gemeinschaft hat bereits in den ersten Jahrhunderten diese Schriften als zutreffenden Ausdruck ihres Glaubens gesehen, sie hat darin den Geist Jesu wiedererkannt. Wir ha-ben literarisch keinen direkteren Zugang zu Jesus als das NT. In Anlehnung an eine Formulierung des hl.

5Hieronymus kann man sagen: „Die Schriften nicht kennen, heißt Christus nicht kennen.“ (Kommentar zu Jesaja, Prolog. PL 24,17, hier sind v.a. Texte jüdischer Schriften gemeint). Die Bibel: Gottes Wort an unsDie Bibel ist eine reichhaltige Sammlung unterschiedlicher Erfahrungen, die Menschen über Jahrhun-derte hindurch mit Gott gemacht haben. In Bildern und Denkmustern ihrer Zeit haben sie diese Begeg-nungen mit Gott niedergeschrieben. Die Texte können auch heute helfen, die Stimme Gottes in unserem Leben zu vernehmen. Die Bibel: erzählter GlaubeVielfach wird vom Glauben an Gott in Form von Lehrsätzen gesprochen bzw. in mehr oder weniger ver-ständlichen theoretischen Abhandlungen. Das ist eine durchaus legitime Weise, dem Glauben Ausdruck zu verleihen und auch in der Bibel treffen wir diese Art der Verkündigung. Darüber hinaus bietet die Hl. Schrift eine Menge von Erzählungen, die verdeutlichen, wie Menschen ihren Gott erlebt haben. Nicht das theoretische Wissen, sondern die existentielle Erfahrung steht dabei im Mittelpunkt. So lesen wir in der Bibel von der Freude Hannas über die lang ersehnte Geburt ihres Sohnes Samuel (1 Sam 2,1-11); von der leidenschaftlichen Auseinandersetzung des von Schicksalsschlägen getroffenen Ijob mit Gott und dessen Rolle angesichts des unermesslichen Leids; von Propheten, die sich niedergeschlagen und unverstanden fühlen; wir hören vom Vertrauen des blinden Bartimäus (Mk 10,46-52) und von den Aben-teuern des Völkerapostels Paulus (Apg 13-28). Die Bibel: ein Buch, in dem ich vorkommeAngesichts vielfältiger Erfahrungen, die in der Bibel geschildert werden, ist es nicht schwer, seine eige-nen Enttäuschungen, Ängste, Sehnsüchte und Freuden in den Texten wiederzufinden und zu erfahren, wie andere Menschen in ähnlichen Situationen reagiert haben. Die Bibel will kein erbauliches Buch für Leseratten sein, sie wurde vielmehr dazu geschrieben, um den Leser/die Leserin selbst in die Begegnung mit Gott einzubeziehen (vgl. Joh 20,30f). Die Bibel: eine LebenshilfeJede und jeder von uns kommt in Situationen, in denen er oder sie niedergeschlagen ist. Da fehlt dann oft ein einfühlsamer Mensch, der das rechte Wort findet, das uns aufrichten könnte. Wer seine Bibel gut kennt und sich mit Bleistift jene Sätze unterstreicht, die ihr/ihm persönlich etwas bedeuten, dem wird sie zur Lebenshilfe. Welchen Kranken tröstet es etwa nicht, wenn im zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther steht, dass Jesus selbst ihm trotz seines dreimaligen Bittens sein Leid nicht einfach wegnimmt, ihn aber erfahren lässt: „Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet.“ (2 Kor 12,9)? Die Bibel als Gesprächs- und BeziehungshilfeVersuchen wir einmal zu analysieren, welche Themen wir auch mit guten Freunden besprechen. Da geht es oft um den vergangenen oder den nächsten Urlaub, um neue Möglichkeiten bei den digitalen Geräten, vielleicht um Politik und anderes mehr. Das ist alles nicht schlecht. Aber anhand der Ausei-nandersetzung mit den Texten der Bibel stellen sich ganz andere und viel wesentlichere Fragen: Wie erfährst Du Gott? Was gibt Dir Halt im Leben? Wie reagierst Du auf Enttäuschungen? Wie bewältigst Du Krankheiten? Was bedeutet für Dich Freundschaft? usw. Wir lernen unsere Gesprächspartner dabei in viel tieferen Dimensionen kennen als bei vielen anderen Zusammenkünften.Die Bibel zeigt uns vor allem, wie Beziehungen gelingen können. Die Freundschaft zwischen David und Jonat-han (1 Sam 18-20) etwa ist ein Idealbild, an dem sich auch unsere Kontakte orientieren könnten.Das sind nur einige wesentliche Motive, aus denen heraus das Lesen der Hl. Schrift und der Austausch darüber interessant und anregend ist. Bei alldem gilt in Abwandlung eines Wortes von Ludwig Wittgenstein: „Wovon man nicht begeistert ist, darüber soll man schweigen.“