Bischofssynode 120Herbe Enttäuschung, Bestätigung erwarteter Ergebnislosigkeit oder leise Herbst-Hoffnung, nach dem Winter komme der Frühling, der das Leben wieder antreibt, bis hin zu überschwänglicher Begeisterung, so nimmt das Netzwerk: zeitgemäß glauben das Echo auf die nun zu Ende gegangene Familiensynode im Vatikan wahr.

Konkrete Ergebnisse fehlen. Das gilt für die seit vielen Jahrzehnten anstehenden offenen Fragen wie beispielsweise der Anerkennung persönlicher Gewissensentscheidungen, die vollständige Integration von Geschiedenen und wieder verheirateten Paaren oder von homosexuell geprägten Menschen. Die Einmütigkeit im Schlussdokument deckt Reformblockaden zu und lässt dadurch deutliche Reformschritte vermissen. Sie fordert - gerade von den Betroffenen - viel ab.

So erfreulich die sprachliche Erneuerung in vatikanischen Dokumenten auch ist, es braucht konkrete Taten um die Verletzten im kirchlichen Lazarett zu heilen, um das Bild von Franziskus aufzugreifen. Die Synodenbischöfe haben die Entscheidung über Reformen an Franziskus weiter gereicht statt gemeinsam mit ihm kollegial selbst zu entscheiden. Bleibt zu hoffen, dass er es tut.

Hinschauen ist wichtig. Das allein genügt aber nicht, meint das Netzwerk: zeitgemäß glauben. Um Not oder Missstand zu lindern, braucht es Veränderung im Tun. Das gilt ganz besonders für die Situation der Frauen in der Kirche und für Menschen, die in bisher als „irregulär“ bezeichneten Partnerschaften ohne Trauschein, als Geschiedene und wieder verheiratete Paare oder Schwule und Lesben verantwortlich und gemeinschaftsbezogen in unserer Gesellschaft zu leben versuchen.

Ob die Ergebnisse der Synode tatsächlich eine Wende in der Kirche darstellen wird die Praxis zeigen. Entsprechend der eindeutigen Ergebnisse der Befragung bis an die Basis im Vorfeld der Synode ruft das Netzwerk: zeitgemäß glauben daher alle auf, wohlwollende Zuwendung zu leben. Dieser Aufruf gilt für alle in der Kirche, für den Bischof von Rom genauso wie für alle Christinnen und Christen. Dazu gehören natürlich die Bischöfe und Priester, deren Aufgabe es ist, Wegbereiter zu sein, damit die befreiende Botschaft Jesu der Liebe und dem Anrecht auf Barmherzigkeit für alle Menschen spürbar wird. Was zu tun ist, ist seit langem klar: Die Würde der Menschen zu achten, auch derer, die gescheitert sind. Nur getan muss es noch werden und die es tun, sollen nicht sanktioniert werden. Es braucht eben Geist und Fleisch, für ein gutes Ende.

Es ist auch für Christinnen und Christen in Österreich inakzeptabel, wenn bei Dezentralisierung der Kompetenzen die polnische Bischofskonferenz Geschiedene und wieder verheiratete Paare nicht aus dem Sanktionenkeller des Verbots zum Kommunionempfang heraus lässt, obwohl die österreichische Bischofskonferenz eine realistischere Sicht hat. Hier ist christliche Solidarität notwendig.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben freut sich, dass eine Reihe prozessualer Verbesserungen bei der Synode stattgefunden haben. Gemeint sind offene kontroverse Auseinandersetzungen von Angesicht zu Angesicht oder auch in der Öffentlichkeit, solange sie fair, mit Anstand und Respekt sowie transparent geführt werden. Es ist zu begrüßen, wenn von einer Kirche des Hörens die Rede ist und sich der Bischof von Rom als Erster unter Gleichen sieht und die Kollegialität der Bischöfe als wichtiges Erbe des letzten Konzils bezeichnet.

Die zu geringe Beteiligung von erfahrenen Ehepaaren und Frauen an der Synode oder die völlige Ausblendung der zahlreichen Priester, die geheiratet haben und die fehlende Stimmberechtigung der wenigen (Ordens-)Frauen die in Rom teilnahmen und das Fehlen von jungen Erwachsenen, sind nach Ansicht des Netzwerks: zeitgemäß glauben offene Wunden in diesem Prozess. Auch die von der deutschen Sprachgruppe vorgeschlagene Entschuldigung für das Festhalten an überholten Moralvorstellungen, die zu Verletzungen einzelner Personen(gruppen) geführt haben, wäre ein wichtiges, versöhnliches Zeichen gewesen, das leider im Schlussdokument unterblieben ist. Franziskus wird es hoffentlich aufgreifen.

Die Synodenväter haben jetzt den Ball Franziskus zugespielt. Seine Stimme wird vielleicht kräftiger und bedeutsamer eingeschätzt. Es mag ja sein, dass Franziskus – um im Fußballvergleich zu bleiben – günstiger für den Torschuss steht, aber ein wenig steiler und präziser hätte der Pass schon ausfallen können. Was bleibt ist die Hoffnung, dass Franziskus mit Ballkünsten á la Messi die Mannschaft zum Erfolg führt.

Für das Netzwerk: zeitgemäß glauben:

Dr. Heinrich Bica, Hans Peter Hurka, Dr.in Renate Müller, Dr. Ignaz Reisenbichler