Kueng Hans 2 120Seinen 90. Geburtstag feiert Hans Küng. Der große deutschsprachige Theologe, war stets bemüht Theologie auf der Höhe der Zeit zu betreiben und sie verständlich den Menschen näher zu bringen. Dabei sprach er Tabus an und wurde dafür mit unangemessener und ungerechter Strenge bestraft.

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben dankt ihm für sein Lebenswerk.

Der gebürtige Schweizer hatte in seinem ganzen Leben die Augen und Ohren offen, war am Leben und Glauben interessiert und hatte die Gabe, kritisch Gegenwart und Tradition zu analysieren. In seinen Forschungen schaute es stets über den Tellernad hinaus. Dabei merkte er, dass die evangelischen Kirchen in der Bibelinterpretation offener und erfolgreicher waren.

Auf Basis seiner profunden Ausbildung und seiner Begabungen wurde er als junger Mann Professor für Dogmatik und Konzilstheologe. Damit war er einer der bei den Ausarbeitungen der Konzilsdokumente mitmischte und der authentisch über sie berichten könnte.

Der in Tübingen lehrende Professor sprach immer wieder auch Tabu-Themen in der römisch-katholischen Kirche an. Das tat er nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil er in den konkreten Fragen die eigentlichen Probleme sah, warum der Glaube heute vielfach als unverständlich gilt und abgelehnt wird.

Nachdem Küng im Jahr zuvor die Frage „Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit“ gestellt hatte, kam die weitere Frage langsameren Denkern zu früh. Mit seiner Anfrage „Unfahlbar?“ war es dann geschehen.

Die Gegner einer gesprächsbereiten, zeitgemäßen Theologie, die auch Fragen der Gesellschaft aufnimmt und zu beantworten sucht, liefen Sturm dagegen. Ihre Argumente blieben aber zu kurz. So bildete sich im Hintergrund eine orchestrierte Gegnerschaft, an der auch sein ehemaliger Kollege Joseph Ratzinger beteiligt war. Am 15. Dezember 1979 stellte ein von Papst Johannes Paul II. gebilligter Erlass der Glaubenskongregation gravierende Abweichungen Küngs von der katholischen Lehre fest, was einen Verbleib im theologischen Lehramt unmöglich machte. Daraufhin entzog die Deutsche Bischofskonferenz Küng am 19. Dezember 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis (Missio canonica). Küng war damit das erste prominente Opfer einer ungerechtfertigten und unnachgiebigen Kirchen-Politik in diesem Pontifikat. Weitere wie etwa Eugen Drewermann, Ernesto Cardinal, Leonardo Boff usw. sollten folgen.

Hans Küng schrieb später in "Der lange Weg zum Projekt Weltethos. Zwanzig Jahre nach dem Missio-Entzug.", Vorlesung an der Universität Tübingen vom 14. Dezember 1999, S. 1. darüber: „Ja, ein Blick zurück im Zorn könnte es sehr wohl werden, […] wenn ich zurückdenke an die psychische und physische Erschöpfung nach einem Kampf auf theologischer, kirchenrechtlicher, staatsrechtlicher, publizistischer und politischer Ebene, in Fakultät und Universität, Wissenschaftsministerium und Landesparlament; auf der anderen Seite Bischof, Bischofskonferenz, Nuntius und letztlich bestimmend Papst und Kurie. Wahrhaftig: vom 18. Dezember 1979 bis zum 10. April 1980 die vier schlimmsten Monate meines Lebens, die ich auch meinen erbittertsten Gegnern nicht wünschen kann.“

Auch wenn die Kirchenleitung es so wollte aber Küng war nicht aus der Öffentlichkeit verschwunden. Alle Weisungen ihn und seine Weggefährten und Schüler nicht in der kirchlichen Öffentlichkeit sichtbar und hörbar zu machen oder gar an die Lehrstühle der Theologie zu berufen verfehlten ihr Ziel. Trotzdem, auch Weggefährten von Hans Küng muss hier gedankt werden, weil auch sie unter dieser vatikanischen Politik zu leiden hatten.

Die Universität Tübingen schaffte für Küng den Lehrstuhl für Ökumenische Theologie und das Institut für ökumenische Forschung. Zusätzlich war der Konzilstheologe mit zahlreichen Institutionen und Bewegungen verbunden. Sein Wirken, seine Gedanken publizierte er und gehört sicher zu einem der meistgelesenen Theologen unserer Zeit.

Aufgeschlossene Katholikinnen und Katholiken können dem mutigen Schweizer Priester für sein Lebenswerk nicht genug danken. Ihm verdanken viele ein zeitgemäßes Glaubensverständnis: Hans Küng, vielen herzlichen Dank für alle Deine Bemühungen unseren Glauben in unsere Zeit hinein zu übersetzen, für alle Einsichten in die Weltreligionen (Stiftung Weltethos), die Du vermittelt hast und vor allem für die Zähigkeit, mit der Du Deine Ideen zu verbreiten versuchtest.

Der 90. Geburtstag ist der Anlass und eine gute Gelegenheit auf sein Lebenswerk zurück zu schauen.