Hurka MM gespiegelt 120kirche inNachstehender Artikel ist in der Juni Ausgabe von Kirche In erschienen. Er will aufzeigen, wie lange schon Frauen auch biblisch belegt verantwortungsvolle Dienste und Funktionen ausüben und ausgeübt haben und wurde vor der Bekräftigung des Nein der katholischen Kirche zur Priesterweihe für Frauen geschrieben. Der Leiter der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, betonte in seinem Beitrag für die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" das NEIN in dieser Frage, welches das Lehramt entschied. Schade, so wird wieder eine Chance vertan.

Endlich spürbare, konkrete Schritte

Still ist es geworden, um die von Franziskus eingesetzte Kommission zur Wiedereinführung von Frauen als Diakoninnen. Das Ringen um gleiche Rechte und Pflichten für Frauen und Männer in der Kirche ist so alt, wie das Christentum. Die in der Bibel überlieferten Geschichten, in denen Jesus selbst für die Aufwertung der Frauen in einer sie abwertenden Gesellschaft eintrat, wurden und werden von den Mächtigen in der Kirche ignoriert, umgedeutet oder einfach beiseite geschoben.

Als vor zwei Jahren bei einer Konferenz von 870 Generaloberinnen katholischer Frauenorden aus aller Welt im Vatikan Franziskus gefragt wurde, was er von der Idee weiblicher Diakone halte, kam Hoffnung auf. Er antwortete: "Es wäre sicher gut für die Kirche, wenn diese Frage geklärt würde."

Im November nahmen sechs Frauen und sechs Männer die Arbeit auf. Ihr Arbeitsauftrag: Die Geschichte der Diakoninnen in den ersten Jahrhunderten der Kirche zu untersuchen. Nach fast zwei Jahren könnte man jedenfalls so etwas wie einen Zwischenbericht erwarten. Bekannte biblische und außerbiblische Zeugnisse gibt es dafür zur Genüge.

Bereits auf den ersten Seiten der Bibel steht: “Als Mann und Frau schuf er sie.“(Gen 1,27) Woraus die Gleichberechtigung einsichtig ableitbar ist. Jesu Haltung des gegenseitigen Respekts und seine würdigende Haltung den Frauen gegenüber bestätigen dies. Die Bibel kennt auch bereits eine Diakonin: Phöbe. Sie ist Diakonin von Kenchreai und überbringt den Römern den Brief des Paulus (Römer 16,1). Außerdem sind aus der Urkirche prominente Gemeindeleiterinnen und apostelgleiche Frauen bekannt (Joh 4, 1-26). Konkret: Junia, die „angesehene Apostolin“.

Außerbiblisch erwähnt Plinius um 112 n. Chr. zwei weibliche Diakone. Darüber hinaus erwähnen drei ökumenische Konzilien, nämlich Nicaea (325), Chalcedon (451) und die Trullanische Synode (692) die Ordination von Diakoninnen.

Die Didaskalia Apostolorum, eine frühchristliche Gemeindeordnung, die wahrscheinlich um 280 n. Chr. in Syrien entstanden ist, sagt im Kapitel XVI, der Bischof solle um sich Arbeiter berufen, die ihm lebenslange Helfer sein sollen. „Unter allen Leuten sollst du die, die dir gut erscheinen, als Diakone wählen und berufen, einen Mann, um viele nötige Dinge zu tun, und eine Frau für den Dienst an den Frauen. Denn es gibt Häuser, wohin du den Diakon nicht zu Frauen senden kannst wegen der Heiden, sondern du sollst die Diakonin senden. Denn es ist auch in vielen andern Dingen das Amt einer Frau erforderlich. (85,4)“

Diese pastorale Klugheit ist im laufe der Geschichte immer stärker zurückgedrängt worden. Hermann Häring fordert deshalb, dass alle, aber ganz besonders die, die darüber zu entscheiden haben, “endlich die Schrift atmen sollten“. Er sieht ein „männerzentriertes Kirchenmodell“, welches „Frauen seit dem 12. Jahrhundert in amtlicher Funktion keine Stimme mehr erheben“ lässt. Das Abendmahl Jesu als Geburtsstunde der Priesterweihe anzusehen, hält Häring für eine „historische und biblische Fehlinterpretation“. Sie wurde möglich, weil der Klerus über Jahrhunderte das Abendmahl als „klerikales Geschehen“ zelebrierte, an dem die Gläubigen – in Phasen bis heute – nur zuschauen dürfen.

Diesem männerzentrierten Kirchenmodell trat jüngst Martin Werlen in seinem Buch „Zu spät“ entgegen. Der ehemaligen Abt von Einsiedeln schreibt darin: «Ich bin je länger, je mehr überzeugt, dass der Ausschluss der Frau vom Weihepriestertum eine der Traditionen ist, die geändert werden können und müssen.»

Karl Rahner und Kardinal Franz König haben schon vor länger Zeit festgestellt, es gebe kein stimmiges kirchenpolitisches oder historisches Argument, das Frauen vom Weiheamt ausschließe.

Ab den 1950er Jahren bildeten sich in einigen Ländern Europas und Lateinamerikas sogenannte Diakonatskreise. Von einem Eurozentrismus kann keine Rede sein, wie die Praxis in manchen lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Ländern zeigt.

Die Schweizer Juristin Gertrud Heinzelmann (1914-1999) und die deutschen Theologinnen Iris Müller (1930-2011), Ida Raming (1932) und Josefa Theresia Münch (1930) haben theologisch und juristisch fundierte Eingaben an das II. Vatikanische Konzil gemacht. Darin haben sie mit stichhaltigen Argumenten begründet, dass es keine Gründe gebe, Frauen von kirchlichen Weiheämtern auszuschließen. Außer einer Empfangsbestätigung – damals gab es noch solche Sitten – gab es aber keine offizielle Reaktion.

Zu Weihnachten 1970 rief der in der Tschechoslowakei mit vatikanischer Zustimmung katholisch geweihte Koinótés Untergrund-Bischof Felix M. Davídek eine Pastoralsynode zum Thema Frauenordination zusammen. Danach weihte er seine Generalvikarin Ludmila Javorová und später auch anderen Frauen zu Priesterinnen und Diakoninnen. Er tat dies eindeutig aus seelsorglichen Gründen. Nach 1989 wurde Javorová von der offiziellen Kirche vor die Alternative gestellt: Priesterin abseits der Kirche oder Religionslehrerin mit Auftrag der Kirche. Bescheiden und der Not gehorchend konzentrierte sie sich auf die Rolle der Religionslehrerin.

Selbst die vatikanische Bibelkommission hat 1976 festgestellt, es sprechen keine Gründe in der Bibel gegen die Frauenweihe.

Am 29. Juni 2002 weihte der in den 70er Jahren exkommunizierte argentinische Bischof Romulo Braschi sieben Frauen auf einem Donauschiff. Unter ihnen auch Iris Müller und Ida Raming, aus Österreich Christine Mayr-Lumetzberger. Sie taten es, "um gegen eine Frauen diskriminierende Männerkirche zu protestieren", berichtete der ORF. Danach wurden sie exkommuniziert.

Die Schweiz kennt staatskirchenrechtliche Strukturen. Sie umfassen ein kantonales Kirchenparlament (Synode) und eine gewählte Kirchenregierung (Synodalrat). Direkt theologische Aufgaben haben sie keine. Sie widmen sich vor allem finanziellen Fragen. Das kirchliche Steuerrecht bekommen sie nur, wenn sie demokratiepolitisch agieren und über die Gelder transparent und öffentlich Rechenschaft ablegen. Schon vor Jahren hatten diese Gremien im Kanton Luzern gleichzeitig Frauen als Präsidentinen. Gegenwärtig präsidiert den Synodalrat in Zürich Franziska Driessen-Reding.

Die Katholischen Frauenbewegung hat sich seit April 2014 zeichenhaft die Kirchenlehrerin Katharina von Siena als Patronin und Weggefährtin ausgewählt.

Formulierungen, man könne nicht „von heute auf morgen“ alles ändern, entbehren jeder Grundlage. Schöne Reden über die Wichtigkeit der Frauen und ihre Charismen oder die Betonung der «marianischen Dimension» - gemeint ist oft die dienende Frau – stellen keinen Schritt nach vorne dar. Es braucht endlich spürbare, konkrete Taten, Schritte Richtung Gleichberechtigung und keinen weiteren Klerikalismus.