hurka fact.5232568 120Es ist unerträglich! Mit Härte und Zynismus werden Menschen die aus Hunger, Elend, Terror und Krieg zu uns geflüchtet sind, zurückgewiesen, abgeschoben und im geringsten Fall mit unwürdigen Unterstellungen auf Distanz gehalten. Sie kommen aus Ländern, deren Staatsmacht nicht für Ruhe, Ordnung und Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger sorgen. Und wir, die im Überfluss leben gewähren diesen Menschen viel zuwenig Lebens- und Gastrecht. Das ist keine Haltung, die die Menschenwürde achtet!

Christen müssen FÜR den Schutz bedrohter Menschen eintreten!

Die gegenwärtige Situation ist erschreckend. Europa, die USA oder Australien wollen in diese Länder fliehenden Menschen abwehren und zurückschicken. Politiker in Ungarn, Österreich oder Bayern versteigen sich sogar in die Rolle der „Retter des Abendlandes“. Immer häufiger treten Politiker sowie Wählerinnen und Wähler mit irrwitzigen Ideen auf und geben vor, sich auf „christliche Werte“ zu stützen. Hier ist in der Verkündigung der letzten Jahrzehnte ganz offensichtlich einiges schief gelaufen.

In Debatten rund um Asyl sind vehemente Gegner der Aufnahme geflüchteter Menschen häufig Kirchgänger und/oder sich auf „christliche Werte“ berufende Frauen und Männer.

Gleich dazugesagt: Es gibt auch viele Christinnen und Christen, die sich um diese Menschen in liebenswürdiger Weise und mit großem Einsatz bemühen. Trotzdem: Es sind auffallend viele Personen aus katholischen Kreisen, die mit voller Härte für Abschiebungen oder gegen das „Plündern von Sozialleistungen durch Ausländer“ auftreten.

Das Motto ist klar: „Wir haben eingezahlt und die bekommen Leistungen ohne Beiträge“. Gott sein Dank läuft es nicht nach dem Versicherungsprinzip, sondern entscheidend ist die Frage, wer braucht eine Sozialleistung?

Das Lebensalter spielt keine Rolle. Junge wie ältere Menschen sind von dem Angst-Neid-Virus befallen. Dabei werden abenteuerliche Geschichten erzählt. Würden diese nach kritischen Befragen auch noch standhalten, könnten sie einem tatsächlich Angst machen.

Österreich (und da könnte jedes andere Land genannt werden) könne nicht ganz Afrika aufnehmen. Stimmt. Das steht auch gar nicht zur Debatte. Von den weltweit rund 65 Millionen Flüchtlingen bleiben zwei Drittel im Land und nur etwa 2 % machen sich auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg auf nach Europa. Von 500 in Europa lebenden Menschen ist einer ein Flüchtling. Könnten es nicht auch zwei oder drei oder fünf sein? Würden wird dadurch ärmer, unsicherer oder von höherer Arbeitslosigkeit bedroht?

Als argumentative Abschottung wird oftmals das rechtsstaatliche Verfahren herangezogen. „Hat jemand einen rechtskräftigen negative Asylbescheid ist die Angelegenheit zu Ende“ schrieb kürzlich ein junger CV-Bruder in den sozialen Medien. Fragen, ob in diesem Verfahren der „wahre Sachverhalt“ erfasst wurde bzw. werden konnte, ob eine Rückkehr in sein Herkunftsland aus menschenrechtlicher Sicht zumutbar ist oder nicht usw. lässt der junge Mann gar nicht zu.

Der Vorschlag, solche Entscheidungen zu lesen und mit den Betroffen darüber zu sprechen, kommt für Vertreter dieser Linie gar nicht in Frage. Nur keine Zweifel aufkommen lassen, entschieden ist entschieden. Fertig. Auf zur Abschiebung! Dass es hier um Menschen und nicht um Schuhschachteln geht, macht keinen Unterschied.

„Wirtschaftsflüchtlinge“ oder „Asyltourismus“ oder eine spezielle Art davon – als Asyl getarnter „Medizintourismus“ - sind Begriffe, die die Nöte und Gefahren unter denen die Geflüchteten leiden mussten, ausblenden. Es wird ihnen gleich die Vorspiegelung falscher Tatsachen unterstellt. Die eigentlichen Gründe lägen hauptsächlich in der Verbesserung der persönlichen finanziellen Lage.

Jetzt plant die österreichische Bundesregierung aber noch Tolleres. Asyl soll nur mehr in den Nachbarstaaten anerkannt werden und die nach Europa strebenden Menschen sollen in Zentren außerhalb der EU gesammelt und ohne Recht auf Asylanträge gleich wieder in die Herkunftsländer gebracht werden. Wie weit das mit dem Bild eines Brücken bauenden Vorsitzlandes der EU zusammen passt bleibt dahin gestellt.

Christlich geht aber anders! In der Bibel können wir lesen: „Du sollst einen fremden Untertan, der vor seinem Herrn bei dir Schutz sucht, seinem Herrn nicht ausliefern. Bei dir soll er wohnen dürfen, in deiner Mitte, in einem Ort, den er sich in einem deiner Stadtbereiche auswählt, wo es ihm gefällt. Du sollst ihn nicht ausbeuten.“ (Dt 23, 16+17) oder „Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. ... Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder [und Schwestern] getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,35 ff)

Bei den Sommerfestspielen in Reichenau an der Rax war heuer ua. „Das Vermächtnis“ von Arthur Schnitzler zu sehen. Darin hinterlässt der Sohn eines liberalen Abgeordneten einen Sohn und dessen Mutter. Am Totenbett bittet es seine überraschten Eltern seinen Sohn und dessen Mutter bei sich aufzunehmen. Eine solche Liaison bringt aber den „Liberalen“ in gesellschaftliche Ächtung. Deshalb schickt die Familie die „Mätresse“ nach dem Tod des Kindes einfach fort. Die Schwester des Verstorbenen sagt am Schluss: “Wir sind feig gewesen, wir haben es nicht gewagt, sie so lieb zu haben, wie sie es verdient hat. Gnaden haben wir ihr erwiesen, Gnaden – WIR! - Und hätten einfach doch nur gut sein müssen!“

Eine entscheidende Aufgabe der Kirchenleitung, der Bischöfe und aller Priester gemeinsam mit allen die in der Verkündigung stehen ist es, auf die Wurzeln jeder Gemeinschaft hinzuweisen. Es geht um konkrete Menschen in Not, es geht um unsere Zukunft.

Der Präsident der Katholischen Aktion Oberösterreich Bert Brandstetter tritt gegen eine "salonfähig werdende Herzlosigkeit" auf und sagte zutreffend: "Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern eine Gastfreundschaftskrise!"

Vor 75 Jahren wurden illegal in Europa Juden versteckt. Heute stellt sich die Frage, müssten nicht ebenso all jene, die von Abschiebungen bedroht sind, die im Falle einer solchen Zurückweisung Hunger, Elend und Tod in Kauf nehmen müssen ebenso illegal den unbarmherzigen Zwangsmaßnahmen entzogen werden?

Alle Christen, Humanisten und die, die sich aus anderen Gründen an die Menschenrechte gebunden fühlen müssten wie ein Mann – oder besser vielleicht – wie eine Frau aufstehen und den Tätern der Unmenschlichkeit in unserem Staat, in Europa in die Hände fallen und Abschiebungen in Länder, in denen Hunger, Gewalt oder Rechtlosigkeit herrschen unterbinden. Im Eintreten für mehr Menschlichkeit zeigt sich zeitgemäßer Glaube!