Seenotrettung SOS Méditerranée 800x445 170Die Debatte um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer geht in der Deutschen Kirche weiter. So berichtet das Internetportal katholisch.de am Sonntag über Aussagen des Münsteraner Bischofs, Felix Genn, seines Essener Kollegen Franz-Josef Overbeck sowie vom Flüchtlingsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße, die übereinstimmend die Auffassung vertreten, wer Leben rettet kann für diese Tat nicht bestraft werden. Ein solches Gesetz widerspricht dem Rechtsstaat und der Botschaft Jesu.

Auch in Österreich wäre es gut, sich verstärkt einer Debatte zu stellen, ob der Umgang mit zu uns geflüchteten Menschen in diesem Land der Botschaft Jesu entspricht. Starke Zweifel müssen einem da kommen.

Bischof Genn: Lebensretter können keine Verbrecher sein

Gesetze, die Seenotretter hinter Gitter bringen? Die seien falsch, ganz gleich, wie laut geschrien werde, sagt Münsters Bischof Felix Genn. Ein Rechtsstaat müsse nämlich für Menschlichkeit eintreten - und nicht dagegen.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat in der Debatte um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer den Seenotrettern den Rücken gestärkt. "Menschen, die Leben retten, können keine Verbrecher sein", sagte Genn am Sonntag in Münster. Gesetze, die dies nahelegten, seien falsch, ganz gleich, wie laut geschrien werde.

Es brauche einen Rechtsstaat, damit Menschen vor Unrecht geschützt würden, fügte Genn hinzu. "Aber der Rechtsstaat tritt für Menschlichkeit ein, nicht dagegen." Europa lebe vom Vertrauen in die Menschlichkeit. "Wir müssen und wir können ein sicherer Hafen sein, der verfolgte Menschen bei uns anlegen lässt". Vor Genn hatten sich andere deutsche Bischöfe ähnlich geäußert. "Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, gehört nicht ins Gefängnis", sagte Essens Bischof Franz-Josef Overbeck. Der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße, betonte, wer wie Kapitänin Carola Rackete "ein Menschenleben rettet, steht in der Nachfolge Jesu".

Genn: Brief des Papstes "große Hilfe"

Bischof Genn ging am Sonntag auch auf die Krise ein, in der die Kirche sich befindet. Das Vertrauen in jene, die sich um die Gemeindemitglieder kümmern sollten, sei zerstört worden, weil "einige von ihnen junge Menschen zutiefst verletzt und verwundet haben". Um das verlorene Vertrauen zurückzuerlangen, brauche es auch einen "gewissen Vertrauensvorschuss", ohne den "weder Einzelbeziehungen noch Gemeinschaften wachsen" könnten, so Genn. Im Rahmen des von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen "synodalen Wegs" geht es laut Genn auch darum, in einem guten Miteinander danach zu suchen, was von der Kirche gefordert sei. Das jüngste Schreiben von Papst Franziskus sei dabei "eine ganz große Hilfe".

Der Bischof äußerte sich bei einer Messe im Rahmen der Großen Prozession. Sie fand erstmals im Jahr 1383 statt und geht auf ein Gelübde von Kirche und Bürgerschaft zurück. Damals gab es in Münster eine Pestkatastrophe mit rund 8.000 Toten und einen Großbrand, der große Teile der Stadt verwüstete.(bod/KNA)