Blasche Helmut 120Üben dieses ]'Thema ist von qualifizierten Leuten mehr als genug geschriebenen worden. Ich bin kein Bibeltheologe und bin daher weder gewillt noch berufen, hier eine wissenschaftliche Abhandlung vorzulegen. Ich will bloß auf einige Aspekte bzw. Widersprüche aufmerksam machen, die jedem auffallen, wenn jemand die Texte des Neuen Testaments liest und die Gemeindewirkichkeit von heute vor Augen hat. Dabei bin ich mir natürlich bewusst, dass Gemeinde im Neuen Testament keine einheitliche Größe ist; ,Schon in biblischen Zeiten ist eine Entwicklung festzustellen. Die Gemeinden der Pastonalbniefe sind anders als die von Paulus gegründeten.

Diese wieder im hellenistischen Raum unterscheiden sich von den judenchristlichen Gemeinden im heiligen Land. und selbst jene allerersten Gemeinden sind schon wieder anders a1s die Schar von Männern und Frauen, die mit dem Wanderrabbi Jesus durchs Land zog und seine Jüngerschaft bildete.

Da die Entwickelung schon in neutestamentlichen Zeiten eingesetzt hat, ist es ganz klar, dass nicht einfach neutestamentliche Zustände wieder hergestellt wenden können. Die Entwicklung geht ja weiter. Was schon aus den Schriften des Neuen Testaments klar hervorgeht ist aber, dass die Gemeinde und ihre Sendung das Wesentliche ist und die Erscheinungsform, die Struktur der Gemeinde, die Art und Weise ihrer Leitung etc., sich aus den jeweiligen Gegebenheiten ergibt und durchaus dem Wandel der Zeit und Raum unterworfen ist.

Wichtig ist nur, dass Struktur, äußere Organisation, Leitung etc. immer so beschaffen sind, dass sle der Erfüllung der Aufgaben der Gemeinde, ihrer Sendung nicht hinderlich sind oder gar deren Durchführung gar unmöglich machen.

Wenn es also auch einen berechtigten Wandel in den äußeren Erscheinungsformen der
Gemeinde gibt, so geht es uns darum zu 'erkennen, was das zeitlos Gültige, Gleich-
bleibende sein muss, wie das Urmodellll von Gemeinde ausschaut, an dem die Gemeinde aller Zeiten Maß nehmen müssen.

Wenn wir glauben und sagen, dass die Kirche von heute immer noch die eine Kirche Jesu Chnisti ist, identisch mit der Kirche des Anfangs, den Kirche zur Zeit der Apostel, obwohl das äußere Erscheinungsbild dieser Kirche ein ganz anderes geworden ist, dann bekennen wir damit, dass die Kirche sich Verändern muss, um ihre Identität zu bewahren, um ihrer Sendung treu zu bleiben.

Wenn wir fragen, wie Jesu Gemeinde gewollt hat, dann ist die Antwort sicher nicht, Jesus hätte dieses oder jenes bestimmte Modell von Gemeinde gewollt, er hätte Papst, Bischöfe, Priester und Diakone gewollt oder nicht gewollt, er hätte Mädchenministrantinnenen gewollt oder nicht gewollt – unter all dem hätte er sich wohl gar nichts voranstellen können.

Aber er hat seinen Jüngern gesagt: “Verkündet das Reich Gottes, heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige nein, treibt Dämonen aus“.

Das also wi1l Jesus, von seiner Gemeinde, von der Kirche. Wenn sie das tut, ist sie Salz der Erde, Licht der Welt. Wenn sie das nicht tut, ist das Salz schal geworden, dann kann sie ruhig von der Bildfläche wieder verschwinden. Was immer damit im Einzelnen gemeint sein mag, sicher heißt es, dass die Gemeinde die Sendung Jesu fortsetzen soll. Denn von ihm wird ja berichtet, dass er das alles getan hat. Und er hat es als seine Sendung erkannt, Armen die gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenblicht die Zerschlagenen inFreiheit zusetzen und ein Gnadenjahr des Herren auszurufen (Lk 4,18). Ein Gnadenjahr des Herren, war ein Jahr, in dem die Sklaven freigelassen und eine Bodenreform durch geführt wurde, der Grundbesitz wieder gerecht aufgeteilt werden musste soziale Gerechtigkeit wieder hergestellt werden sollte. Dazu also sagte Jesus sei er gesandt. Er sagt, dass er gekommen sei, den Menschen das Leben zu bringen, Leben in Fülle, erfülltes leben.

Gott der sich schon in Israel als ein helfender, rettender, befreiender Gott geoffenbart hat und den Jesus als unseren Vater gezeigt hat, zu dem wir „abba“ sagen können, dieser Gott will die Gemeinde, um das Werk Jesu, das Werk der Befreiung und Einigung der Menschenfortsetzen, dass Jesus bei seiner Wiederkunft vollenden wird.

Kirche nach dem neuen Testament ist also eine Gemeinschaft von Menschen, die sich von Jesus gerufen wissen, das zu tun, und die sich ihm zur Verfügung stellen, damit ER durch sie wirken kann.

Kirche wie sie sich heute darstellt, ist keine Gemeinschaft sondern eine Anzahl von Menschen, von denen wohl nur wenig sich von Christus gerufen wissen. Sie sind Christen, weil ihre Eltern Christen waren und sie als Kinder Taufen ließen, sie bisher nicht ausgetreten sind und die meisten haben sich nie in ihrem Leben bewusst dafür entschieden, Christen zu sein und das WERK Jesu fortzusetzen.

Weiters muss, wenn die Kirche den anderen das Heil predigen will, an ihr selbst etwas davon zu sehen sein. Sonst wäre ihre Verkündigung nicht glaubwürdig. („Lass sie alle eins sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.„(Joh 17).

Also muss in der Kirche alles, was sonst Menschen von einander trennt bzw. Klassen, Herrschaft der einen über die anderen bewirkt, überwunden sein. Die Könige herrschen über ihre Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein sondern wer der Größte unter euch sein soll werde der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende (Lk 22,25ff) „Es gilt nicht mehr Jude oder Grieche, nicht Sklave oder Freier, nicht Mann oder Frau; denn ihr alle seid Einer in Christus Jesus (Gal 3,28).

Nun wissen wir alle, wie die Wirklichkeit heute aussieht: Da gilt katholisch-evangelisch, da gilt Mann und Frau, da gilt Klerus – Laien. Da gilt Amtsträger und gewöhnlich Gläubige, obwohl es nur eine Taufe gibt aufgrund des einen Glaubens, der alle auf den einen Herrn verpflichtet und alle zu Kindern des einen Vaters macht.

Jesus sagt:“ Ihr sollt keinen auf Erden Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr niemand Lehrer nennen,,,“

Die Realität heute: Da gibt es sogar einen „heiligen“ Vater, das ist nicht etwa der liebe Gott sondern einer von denen, zu denen Jesus gesagt hat: „Ihr alle aber seid Brüder“. Da gibt es Prälaten, Monsigniore, alle möglichen Räte, Exzillenzen und Eminenzen uva. So dass Jesus sich baff wundern muss.

Gemeinde im neuen Testament ist immer., welche konkrete Form sie auch hat, eine Gemeinschaft von Menschen, die sich in freier Entscheidung für die Nachfolge Jesu entschlossen haben und deren Glieder egalitär miteinander verbunden sind. Jesus hat ja diese Verbundenheit zueinander als das Kennzeichen der Jüngerschaft bezeichnet (Jo. 13,35).

Das aber setzt voraus, dass alle sich in der Gemeinde persönlich kennen. Also darf die Gemeinde eine bestimmte Größe nicht überschreiten, damit jede und jeder die anderen beim Namen kennt, mit ihm zu tun haben will, ist also nicht bloß ein Mekmal der Gemeinden des Anfangs, das mit dem Größer werden der Kirche ganz selbstverständlich wegfallen musste – es muss ganz im Gegeneinteil ein Wesensmerkmals der Kirche auch heute sein, auch wenn sie Weltkirche geworden ist. Denn 10.000 oder auch nur 1.000 Christen, wie sie in irgendeiner Pfarrgebiet leben, können einander nicht lieben wie Christus uns geliebt hat. Darum heißt es in der Erzählung der Brotvermehrung, wo 5.000 Männer beisammen sind: Sagt Ihnen sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammen setzen (Lk9,14). Tischgemeinschaft von fünfzig Jüngern Jesu – da verwirklicht sich Kirche.

Wieder sehen wir, wenn wir an unsere heutigen Pfarrgemeinden denken, dass hier Gemeinde im beschriebenen Sinn kaum gegeben ist. Denn eine gewisse Zahl von Christen, die am Sonntag in die Kirche gehen und von denen ein paar Dutzend sich aktiv am Pfarrleben beteiligen, die meisten aber einander kaum kennen und nichts miteinander zu tun haben [wollen], können wohl nicht den Anspruch erheben, Gemeinde Jesu im Sinne von Joh13,35 zu sein. Wohl aber könnte das eine, wenn auch kleine Gruppe in dieser Pfarre, die wirklich als Gemeinde im beschriebenen Sinn zu leben versucht.

Jesus sagt zu Pilatus, das sein Reich nicht von dieser Welt ist, das heißt, dass seine Herrschaft sich wesentlich unterscheidet von der der Götter und Herren dieser Welt. Auch seinen Jüngern sagt er, was schon erwähnt wurde, dass es bei euch nicht so zugehen dürfe wie es eben in der Welt zugeht sondern „wer unter euch der Erste sein will, der sei aller Knecht“: Und Paulus schreibt der Gemeinde in Rom: „Gleicht euch nicht dieser Welt an“ (Röm 12,2)

Die Kirche nach dem neuen Testament soll also „Kontrastgesellschaft“sein, soll sich unterscheiden. Ich weiß nicht, ob ein neutraler Beobachter wenn er sie Kirche – und ich meine damit nicht nur den Vatikan als eigenen Staat, die hierarchische Ordnung, den Codex juris canonici, die Nuntien und dergleichen Unfug, ich meine auch unsere durchschnittliche Pfarren – wenn er also diese Kirche sieht den Eindruck hätte:; das hier ist etwas ganz anderes ist, als alles, was ich sonst in dieser Welt sehe.

Denn was sieht er denn?? ER begegnet , wenn er in ein Pfarramt kommt einem kirchlichen Verwaltungsapparat, sieht bürokratische Strukturen wie es sie in allen „Ämtern“ sieht, sieht Organisation und Betrieb, Bildungsveranstltungen, gesellschaftliche Angebote alle ähnlich wie es Volksbildungshäuser, politische Parteien oder Gewerkschaften anbieten. Ein Unterschied ist allerdings, dass es auch ein religiöses Service gibt. Ein reichhaltiges Angebot, um die religiösen Bedürfnisse einer zahlenmäßig kleinen Bevölkerungsschicht zu befriedigen. Aber wenn sich dieses von der Welt unterscheidet, dann höchstens darin, dass es in vielen Belangen viel rückständiger ist; der Beobachter erlebt feudalistisch- monarchsich- patriachale Strukturen, die ihn ans Mittelalter erinnern. ER sieht auch, dass diese Großkirche mit ihrem religiösen Instrumentarium von der Mehrheit der Bevölkerung bloß in ihrer Funktion als Bewahrerin eines kulturellen Erbes, wegen ihrer Bereitschaft Höhe- und Wendepunkte des Lebens mit religiösen Zeremonien und Riten zu „verschönern“ und wegen ihres reichhaltigen folkloristischen Brauchtum geschätzt und bejaht wird. Gesellschaftpolitisch ist diese Kirche mit ihren Millionen Mitgliedern hochgradig wirkungslos. Das erwartet und will auch fast niemand von ihr. Es würde sogar die meisten stören, wenn die Kirche sich in „weltliche Belange“ einmischen würde.

Unter „Dämonen austreiben“ versteht selbst das kirchliche Ritual bloß eine Zeremonie, bei der ein „vom Teufel besessener“ mittels Gebeten und Weihwasser geheilt werden soll, nicht aber die Zerschlagung dämonischer Strukturen sozialer oder wirtschaftlicher Natur, Strukturen der Unterdrückung und Ausbeutung, in denen Menschen gefangen sind und die sie hindern Mensch zu sein. Satanische politische Systeme, in denen die Sünde Institution geworden ist und jene , die die darin verstrickt sind, gar nicht merken, wie unfrei und manipuliert sie sind, wie die „ Mächte und Gewalten“ sie beherrschen, der „Teufel“ über sie Macht gewonnen hat, der Vater der Lüge.

Da wäre es Aufgabe der christlichen Gemeinde, die „Dämonen auszutreiben, den Blinden das Licht zu bringen, das heißt den Verblendeten die Augen zu öffenen, das System zu zerschlagen, das verhindert, dass die Menschen nach den geboten Gottes leben und so ihr Glück finden können.

Aber das erwartet , wie gesagt, hierzulande fast niemand von der Kirche, weil man bei uns das auch nirgends sieht und erlebt, dass dies geschieht.

Die Leute erwarten von der Kirche, dass sie Kinder tauft, Begräbnisse hält, Religionsunterricht hält, Trauungen vornimmt .. und die Amtskirhe ist bemüht, in jeder Pfarre wenigstens Sonntagsmessen und Sakramentenspendung zu gwewährlseisten.

Gott aber will von dieser Kirche, dass sie den Menschendas heil bringt, dass sie die Welt verändertauf das ReichGottes hin. „Ihr seit das Salz der Erde, das Licht der Welt“ Und er will, das diese Kirche slbst Modell jener menschlichen gemeinschaft sei, die herbeizuführen sie bemüht sein soll, dass man an Ihr sehenkann, wie eine Welt beshaffen wäre,, in der die Menschennach den WeisungenJesu leben. „ Eine Stadt die auf einembetg liegt, kann nicht verborgenbleiben… So sollen die Menscheneure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen“.

Kirche, die so sein will, sehen wir verwirklicht in den Basisgemeinden. Hier ist das gemeinsame Priestertum aller ganz selbstverständlich. Es gibt nicht Klerus und Laien, keine Kluft zwischen „Gottesdienst und Weltdienst“, alles ist Sache aller. Jede und jeder trägt bei der Erfüllung der Aufgaben der Gemeinde, je nach der Gabe die er oder sie bekommen haben, bei. Das Leben wird von der Bibel her gedeutet. Die Einheit die die Gemeinde bewirken will, ist in ihr verwirklicht. Das Kennzeichen der gemeindemitgliueder istihre Verbundenheit miteinander. Sie sind in ihrer Tätigkeit nicht voneinemPfarrer oder hauptamtlichen Experten abhängig.

Aber nicht Organisation und Aktivismus kennzeichnet die Gemeinde sonder das Erlebnis geschwisterlicher Gemeinschaft., das gemeinsame leben, die gemeinsame Geschichte, was immer einer ist, hat und kann, ist, hat und kann er nicht nur für sich selbst und seine Familie sondern für die gemeinde und die Erfüllung ihrer Sendung.

Das solche gemeindengesellschaftspolitisch wirksam werden, kann man an den Gemeinden der frühenKirche sehen. Sie habenohne Sozialenzykliken, Freidensapelleund dergleichen und ohne katholische Aktion, sondern bloß durch ihre Existenzals Christliche Gemeinde-immerhinbewirkt, dass die Eslöaverei aufgehört hat, die Stellungder Frau eine wesentlichandere gewordenist als in der Antike bzw. im Judentum, eine gewisse Gütergemeinschaft, also einsoziler Ausgleich verwirklicht war (zumindest un der erstenFrühzeit) aber alles hat sofort wieder aufgehört,, als die Kirche nicht mehr in gemeindenexistierte, die sichvonder Welt unterschieden, sondern „Welt“ und „Kirche“ nach der konstantinischen Wende allmählichdeckungsgleich geworden waren. Da galt wieder Herr und Sklave, wieder Mann und Frau , da wurden „heilige Herrschaft aufgerichtet und en Päpstendie Füße geküsst, da gab es Klerus und Laien, da war wieder – wie in vorchsristlicher zeit eine Kluft zwischen „Heiligem „ und „Profanem, die dochdurch die menschwerdung Gottes endgültig überwunden ist, da wurden tausende Kriege geführt, zwischenchristlichenVölkern, di doch as eine Gottesvolk sind wo nicht mehr gilt: Grieche uoder Jude…….

„Bei euch soll es aber nicht so sein….“ wo das wieder gelebt wird, wo Kirche wieder Alternativgesellschaft ist, wie das in den Basisgemeinden der Fall ist, da ist auch sofortwieder die Spannungzur Welt da, da wird eie Kirch ezum zeichen, dem widersprochenwird, da werden die machthaber, nervös, die Reichen und Ausbeuter, die eineangepasste Kirche durchaus hofierenund mit großzügigenZuwendungengefügig machen, werden brutal und aggresiv. Soi zu sehenin lateinamerikaund auch anderswo. Dortwird aberdiese arme und machtlose, jedochgeschwisterlich dienenede Kirche, ob sie es anstrebt oder nicht,sofortwieder gesellschaftspolitischewirksam und stürztt die Mächtigenvom Thron, wi in der Revolutionder Rosenkränze auf den Philippinen.

Während in den herkömmlichen Strukturen der Großkirchen das Leben der Kirchenmitgleiter sich vom Lebena nderer Zeitgenossen kaum unterscheidet, außer das sie vielleicht Sonntags zur Kirche gehen, wie andere Gewohnheiten und Hobbies haben z.B Donnerstag in die Sauna gehen, verändert bei den Mitgliedern der Basisgemeinde der Glaube das Leben, so ähnlich wie die Bindung an einen Lebenspartner in der Ehe das Leben verändert. Während in den unpersönlichen Pfarrgemeinden die Katholiken in“Praktizierende und „Nicht praktizierende eingeteilt werden, je nachdem ob sie Sonntags zur Messe gehen oder nicht. Einer aber, auch dann „Prlktizierender „ ist, wenn er mit keinem Menschen in der Pfarre in Beziehung steht überhaupt keinen einzigen persönlich kennt, ist die Basisgeeinden ein Geflecht von Beziehungen,ein Netz, das jeden auffängt, der den Halt zu verlieren droht oder abstürzt.

In den durchschnittlichen Pfarrgemeinden, besonders im großstädtischen Raum kann man sich nicht vorstellen, wie die Gemeinderegel, die in Mt18 beschrieben wird eingehalten werden kann. Ja, dass sie überhaupt verstanden wird. Wie sollten die Leute begreifen, was es heißt, „sag es der Gemeinde, und hört er auch nicht auf sie, gelte er dir wie ein „Heide oder ein Zöllner“, wenn ihm Gemeinde überhaupt kein Begriff ist, sie sich nichts darunter vorstellen können. Der Gemeinde ist die Vollmacht gegeben, zu binden und zu lösen. Damit ist die Ortsgemeinde gemeint, die kleine überschaubare Gemeinschaft Jesu, in der jede jeden kennt, in der jeder jedem Schwester oder Bruder ist, in der einem aber auch gesagt werden kann,: Wenn du so lebst und dich so verhältst, wie du es tust, verträgt sich das nicht mit deinem Sein in der Gemeinde und wir betrachten dich daher nicht mehr als zugehörig. Du bist exkommuniziert. Wie könnte sich eine unpersönliche Pfarrgemeinde anmaßen, so etwa zu sagen, wie wäre sie überhaupt in der Lage dazu, wenn doch keiner vom anderen weiß, wie er oder sie lebt und keiner sich für den anderen verantwortlich fühlt? Da würde man höchstens dem Pfarrer oder Beichtvater überlassen, doch von beiden ist in der neutestamentlichen Gemeideregel nicht sie Rede.

Nein, die Schriften des neuen Testaments, sowohl die Evangelien wie vor allem auchdie Apostelbriefe und die Apostelgeschichte sind ohne das Erlebnis Gemeinde, wie es in den Basisgemeinden möglich ist, nicht verständlich.

So würde ichsagen:Basisgemeinde ist nichts anderes als Kirche, teilkirche selbstverständlich, aber kein Sonderfall von Kirche nicht einbisschen Kirche und ein bisschen Sekte sondern die eine heilige, katholische und apostolische, die mystische, geschwisterliche, politische Kirche, die Kirche, wie Jesus sie will, Kirche wie sie die Bibel das Neue Testamenent uns vor Augenstellt.

Helmut Blasche

Zum Autor:

Helmut Blasche wurde am 11.12.1924 als 2. von 4 Kindern in Wien geboren. Als Kind wuchs
er in einem Elternhaus auf, das die politischen Auseinandersetzungen und Wirren der
damaligen Zeit widerspiegelte: Die tiefgläubige Mutter war bestrebt, ihn zu einem frommen
katholischen Christen zu eziehen, der von den Wahnideen der Zeit beeinflusste Vater
versuchte, aus ihm einen strammen Nationalsozialisten und Rassisten zu machen.

inmehreren Vorträgen bezeichnete sich Blasche als Nazi-Bub und erzählte, dass er Sonntags mit der Mutter in der HJ-Uniformin die Kirche ging und anschließend zu den HJ-Treffen. In Süditalien wurde es von den Amerikanern gefangen genommen. Er war zwei Jahre in Amerika. Dort hatte er einen guten Freund, der ihm Schritt für Schritt aus der Naziideologie befreite. In seinen Jahren als Pfarrer trat er als deutlicher Warner vor solchen Ideologien auf und setzte sich für Flüchtlinge ein, die solchen Menschen zumeist ein Dorm im Auge waren. Siehe das Volksbegehren "Österreich zuerst".

Helmut Blasche besuchte in Wien die Volksschule und das damalige "Elisabethgymnasium" im
5..Bezirk. Als er in der 3.Klasse des Gymnasiums war, erfolgte der Anschluß Osterreichs an
das deutsche Reich und im Jahr darauf begann der 2.Weltkrieg. Erst 17 Jahre alt mußte
Blasche zuerst zum Arbeitsdienst, dann zur deutschen Wehrmacht einrücken. Nach
mehrmonatigem Einsatz gegen die Partisanen im besetzten Jugoslawien kam er an die Front
in Süditalien und geriet im Jänner 1944 bei Monte Cassino in amerikanische
Kriegsgefangenschaft. Die folgenden 2 Jahre verbrachte er in einem POW-Camp in Colorado,
USA, eine Zeit, deren er sich immer in dankbarer Freude erinnerte. Eine tiefe Freundschaft
mit einem Mitgefangenen aus Berlin heilte ihn endgültig von allen Restbeständen nazistischen
und rassistischen Denkens.

1946 in das wieder selbständig gewordene Österreich zurückgekehrt, begann er das Studium
an der damaligen Hochschule für Welthandel, das er, nachdem er vorher den Titel eines
Diplomkaufmanns erworben hatte, 1950 mit der Promotion zum Doktor der
Handelswissenschaften abschloß.

Schon während dieses Studiums und einer Tätigkeit ats Bankangestellter war ihm klär
geworden, daß der Beruf eines Wirtschafistreibenden ihn nicht befriedigen konnte. Tief
aufgewühlt auch durch verschiedene persönliche Erlebnisse begann er nach einem
erfüllenderen Leben zu suchen und erkannte, zu seiner eigenen Uberraschung immer
deutlicher, daß er nichts sehnlicher wünschte, als Priester zu werden. Der spätere
Caritasdirektor Dr.Leopold Ungar, damals Kaplan in seiner Wohnpfarre St.Elisabeth im
4.Bezirk, mit dem er Kontakt aufnahm, informierte ihn über die dazu erforderlichen Schritte:
Eintritt ins Priesterseminar und Theologiestudium. Nach einem ihm vom damaligen Regens
Taubert auferlegten Jahr der Selbstprüfung war er von 1951 bis '1955 im Wiener
Priesterseminar und empfing am 29.6.1955 die Priesterweihe im Stephansdom.

Sein weiteres Leben war weniger spektakulär. lm September 1955 kam er als Kaplan nach
Schwechat, wurde dort im Oktober 1961 von Kardinal König zum Pfarrer installiert und blieb
Pfarrer von Schwechat bis zu seiner Pension am 31. August 1999.
I
Die 60er Jahre, die geprägt waren von der Aufbruchsstimmung des 2.Vatikanischen Konzils,
sahen auch in Schwechat die Entstehung einer offenen, geschwisterlichen Gemeinde. Diese
Entwicklung wurde begünstigt durch die Bildung vieler pfarrlicher Familiengruppen, die die
Pfarre immer mehr zur Gemeinschaft von Gemeinschaften werden ließen. lm Herbst 1970
kam es zur Bildung der sogenannten "lntensivgemeinde", die sich später in 3 Gruppen teilte,
zum Bau des Gemeindezentrums am Zirkelweg, das 1978 fertiggestellt wurde und wo sich
gleichfalls eine Basisgemeinde bildete, sowie des dortigen Sozialzentrums.

Dieses Bemühen mündige Gemeinden zu fördern teilte er leider nur mit wenigen Priestern wie Dr. Paul Weß (Machstraße) oder Anton Müller SJ (Endresstraße) oder Hans Fischer ) Akkonplatz). Die treibenden Motoren waren zweifellos er und Paul Weß.

Die 80er und die beginnenden 90er Jahre brachten hunderte Flüchtlinge nach Schwechat und
durch die lnitiative vieler Gemeindemitglieder kam es zu den großen Schwechater
Hilfsaktionen für Polen und Rumänien, für eine Partnergemeinde in Brasilien sowie für die
vielen Flüchtlinge und vertriebenen Bosnier, die in Schwechat Heimat fanden. Helmut Blasche
hatte die Freude, das alles erleben zu dürfen und wusste, daß die Gemeinde auch ohne ihn
weiter ihren Weg als mündige, offene, geschwisterliche Gemeinde Jesu gehen werde.

Helmut Blasche starb am 26. April 2017 und wurde seinem Wunsch entsprechend am Pfarrfriedhof Schwechat begraben.

 

Im Mai 2017 ister uns in die ewige heimat vorausgegangen.

Artihkel zum download

 
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