Hph Stauber schwarz 150kirche in klWeder einmal wird über das gesellschaftspolitisch brisante Thema Sterbehilfe in unsrem Land diskutiert. In einem Land, indem vor 80 Jahren behinderte Menschen oder Menschen bestimmter Rassen willkürlich industriell getötet wurden. In den Niederlanden, in Belgien, in der Schweiz und seit einem Jahr auch in Deutschland ist diese Form des Lebensendes möglich. Die Tötung auf Verlangen oder die Beihilfe zum Suizid, sind in diesen Ländern unter bestimmten Bedingungen straffrei.
Vier Antragsteller, darunter der Schweizer Sterbehilfe Verein „Dignitas“ sind an den Verfassungsgerichtshof (VfGH) in Österreich herangetreten und haben die Auffassung vertreten, dass die §§§77 Tötung auf Verlangen und 78 des Strafgesetzbuches Mitwirkung bei einem Selbstmord, nicht verfassungskonform und außerdem EU-rechtswidrig seien. Mit einer Aufhebung durch den VfGH dieser Strafrechtsparagraphen glauben sie den Weg frei zu haben, das Lebensende selbst frei bestimmen zu können. Sie vertreten die Ansicht, in einer freien demokratischen Gesellschaft,, müsse die Autonomie der Einzelnen so weit gehen, dass sie das Lebensende selbst bestimmen können und nicht auf den Tod warten müssten. Gerade dann , wen die Phasen des nahenden Lebensendes mit starken Schmerzen und/ oder mit Hilflosigkeit und einem hohen Betreuungsaufwand, Unselbständigkeit verbunden sind. Die Achtung der Würde der Menschen verlange es, dass jede und jeder selbst autonom entscheiden können müsse, wie und wann er oder sie ihrem Leben ein Ende setzen könne.

Dem stehen eine Reihe von Gegenstimmen gegenüber. So stellt der Ärztekammerpräsident, Thomas Szekeres im einer Aussendung fest, „Aktive Sterbehilfe ist für uns als Ärztekammer nicht akzeptabel“. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Psychiatrie, der Psychotherapie und aus dem Hospizwesen treten für die Beibehaltung des österreichischen Weges ein, der die Hospiz und Palliativversorgung statt der Suizidbeihilfe forciert. Die Wiener Ärztin und frühere SPÖ Politikerin Elisabeth Pittermann betont im Standard, „Dass Töten von Menschen ist ein Tabubruch“. Und weiter, unter all dem Druck der auf Mitarbeitern im Gesundheitssystem Laste, sei es unzumutbar, ihnen zusätzlich die Beihilfe zur Tötung aufzubürden. Auch der Weltärztebund hat in seiner Generalversammlungim Vorjahr festgestellt, dass aus medizinischer Ethik heraus „dem menschlichen Leben größter Respekt entgegengebracht werden muss“. Der Weltärztebund stelle sich daher entscheiden „gegen Euthanasie und ärztlich assistierten Suizid“:
Klarer Befürworter der bisherigen Regelung ist auch der Duchverband Hospiz der sich 2014/2015 aktiv an der parlamentarischen Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“ engagiert hat. Die Dachverbandspräsidentin Waltraud Kalsnic bezeichnete Sterbehilfe als Unwort der Zeit und sie verwies darauf, „Wo ist die Grenze? Wo fängt es an, wo hört es auf?? WER entscheidet darüber??

Nein zu Suizid reicht nicht aus

Allen ist aber klar, ein Nein zu Suizid reicht nicht aus. „Die Not der Betroffenen ist ernst zu nehmen und eine wirksame Hilfe zu deren Linderung ist anzubieten. Wir sind herausgefordert, das Sterben als Teil des Lebens zu sehen und gut zu begleiten“, sagt Klasnic.

Die Vorsitzenden der parlamentarischen Enquete Kommission Getrude Aubauer, betonte in einer Stellungnahme, die damals erfolgte Anhörung von 500 Experten, Praktikern, Ärzten, und Pflegepersonal, lenkte den Blick auf Schilderungen der Menschen „nicht leiden zu müssen“. Ähnlich äußerte sich auch der Kommandant des Malteser Hospitaldienstes, Richard Wittek aus Salzburg. „Zuwendung und Trost sei das, was allen, die dem Tod sehr nahe sind am meisten benötigen.“
Aus Fehlern anderer Lernen
Der Niederläneder Theo Boer, äußerte sich skeptisch. Er verwies darauf dass, Angebot erzeuge Nachfrage. Boer war Mitglied einer der in den Niederlanden eingerichteten Prüfungskommissionen um festzustellen, ob die Tötung den gesetzlichen Vorgaben entsprechend vorgenommen wurde und daher der Mediziner straffrei bleiben kann. Boer stellt fest, „in vielen Fällen wäre die Sterbehilfe nicht angebracht gewesen.“ Es komme aber in vielen Situationen alles auf eine „schiefe Ebene“. Dabei entstehe dann Druck durch Verwandte, mangelnde Aufklärung über palliative Alternativen. Und er meint, „hätte man in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts schon das hohe Niveau der heutigen palliativen Medizin gekannt , wäre es in den Niederlanden nie so weit“ gekommen.

In einem Interview warnte die Behinderten-Aktivistin Marianne Karner unter www.behindertenarbeit.at vor „gefährlichen bis explosiven Folgen, einer allzu einseitigen Darstellung des Sterbehilfe-Themas in den Medien, Menschenrechte werden ausgehöhlt, die Individualisierung nehme zu und die Solidarität mit bestimmten Bevolkerungsgruppen wie etwa hochbetagten,, alten, behinderten und chronisch kranken, [geflühteten] Menschen sinke. Urteile man erneut in den Kategorien „lebenswert“, „lebensunwert“, „nützlich“ oder „Belastung“, offenbare das Kontinuität mit dem Gedankengut des NS-Regimes.

Kirchen haben klare Positionen

Das am 14 Juli 2020 veröffentlichte Schreiben der Glaubenskongragation „Samaritanus bonus“ Schreiben über die Sorge an Personen in kritischen Phasen und in der Endphase des Lebens
Gleich am Anfag heißt es darin. “Der barmherzige Samariter, der seinen Weg verlässt, um dem Kranken zu helfen (vgl. Lk 10, 30-37) ist das Bild Jesu Christi, der dem Heilsbedürftigen begegnet und sich um seine Wunden und Schmerzen kümmert, mit »dem Öl des Trostes und dem Wein der Hoffnung« Dieses Schreiben stelle in der Sache keine Verschärfung der kirchlichen Lehre das schreibt der Wiener Kircherechtsprofessor Andreas Kowatsch. „"Aktive Sterbehilfe und assistierter Suizid bleiben für den Vatikan ethisch verboten,“ so Kowatsch.

Der evangelische Bischof Miachael Chalupka sagt, „ es darf nicht normal werden, sich den Tod mithilfe eines anderen oder gar durch andere geben zu lassen.“ Die Gwesissenskonflikte, in denen sich Ärzte, Angehörige und auch Sterbewillige befinden sind jedenfalls ernst zu nehmen. „Angesichts der moralischen Tragik braucht es eine öffentliche Diskussion über rechtliche Regelungen, die dem Gewissen Spielraum lassen und für dramatische Ausnahmefälle Möglichkeiten der Straffreiheit vorsehen.“ Chalupka weist jedoch klar jeden Rechtsanspriuch auf Sterbehilfe zurück. Er verweist darauf, in extremen Konfliktfällen Barmherzigkeit walten lassen zu können, bei aufrechtem Verbot der Sterbehilfe. Es möge nach juristischen Wegen dafür gesucht werden.

Wer die Grenze überschreitet

Die Chefredakteuerin der FURCHE Doris Helmberger-Fleckl hat mit dem Psychiater und Alters­psychotherapeut in Chur sowie Präsident der Hippokratischen Gesellhaschaft Schweiz Raimund Klesse über die Situation in der Schweiz gesprochen. Er meint, „die Auslegung der Gerichte hat dazu geführt, dass heute im Grunde niemand mehr bestraft wird“. Und “ Wir machen in der Schweiz dieselben Erfahrungen wie auch die Niederlande, Belgien, Kanada oder der US-Staat Oregon: Wenn man einmal die Linie überschreitet und zulässt, dass Menschen andere Menschen töten oder ihnen zur Selbsttötung verhelfen, geraten wir auf eine schiefe Ebene.“

Der österreichische Verfassungsgerichtshof wird in seiner Session ab 23. November. entscheiden.

 
What do you want to do ?
New mail
 
What do you want to do ?
New mail