2019 03 04 Hurka HP120Wieder einmal ranken sich zahlreiche Spekulationen und Hoffnungen um einzelne Wortmeldungen zur angeblichen Bewältigung der Krisensituation in der Kirche. Neben guten Ideen braucht es aber die mutigen Taten, die das Leben der Kirche nachhaltig verändern können. Weder mit der Individualisierung von Schuld, noch mit strukturellen Veränderungen alleine kann die gegenwärtige Kirchenkrise gelöst werden. Es braucht eine Erneuerung von Grund auf, die auch die theologischen Grundlagen der Verkündigung umfasst und es braucht mündige, lebendige Gemeinden.

Gabriel Ingeborg 120Holztrattner Magdalen 120Polak Regi 120Ingeborg Gabriel, Magdalena Holztrattner und Regina Polak sprechen sich für die volle Anerkennung und Aufwertung von Frauen in der römisch-katholoischen Kirche aus. Dazu brauche es nicht nur eine Rückschau ins 2. Jahrhundert sondern auch eine Vorschau in die Zukunft, meint Gabriel. Polak meint, sie werde Diakoninnen noch erleben. Holztrattner fordert Schritte, die „exzentrisch, mutig, visionär“ sind. Kathpress berichtet über ein Gespäch mit den Theologinnen.

Odermatt Alois 120Das Sprechen über den Glauben fällt schwer. Auch deshalb, weil die Sprachbilder, die in den Köpfen das Denken prägen von Kleinkind an gesät und Sonntag für Sonntag wieder - in nicht mehr zeitgemäße Denkmuster -  eingehämmert werden. Erst tiefergehende, ja existentielle Auseinandersetzungen mit den Inhalten löst von diesem „Richtig“ und „Falsch“. Die eigene Erfahrung und der Austausch darüber bringen jene „Sicherheit“, die Überzeugungen tragfähig machen können.

Ein solcher Impuls für weitergehenden Austausch ist der nachstehende Artikel des Schweizer Theologen Alois Odermatt. Sie können auch mit ihm in einen Dialog eintreten.

Göller Vera 120Mit nachstehendem "Apell an alle Christen" ruft die Perchtoldsdorfer Theologin Vera Göller-Vostriz alle Gläubigen auf, aktiv zu werden und gegen Übergriffe und sexuelle Gewalt gegenüber Kindern, Frauen und Männern in der römisch-katholischen Kirche entschieden aufzutreten.

Göller-Vostriz hat ihren Apell zum heurigen Weltfrauentag verfasst und ersucht alle, die dem Inhalt zustimmen, sich bei den Bischöfen zu melden und entschieden tiefgreifende Reformen einzufordern. Ebenso schlägt sie vor, ihre Vorschläge im Kreis der Verwandten, Freunde, Bekannten, Arbeitskolleginnen und -kollegen zu diskutieren, um Veränderungen zu unterstützen. Gleichzeitig unterschätzt die ehemalige Religionslehrerin nicht, dass es neben den konkreten Handlungsänderungen auch eine theologische Neuinterpretation des Amts(Dienst)verständnisses braucht.

Haller Reinhard 120Der Vorarlberger Psychiater Reinhard Haller tritt für deutliche Reformschritte im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Übergriffe im kirchlichen Bereich gegenüber Kindern und Frauen ein, meldet kathpress. Haller ist auch Mitglied in der unabhängigen Opferschutzkommission (Klasnic-Kommission) und kennt von dieser Seite eine große Zahl dieser grauenhaften Vorfälle.

Er hinterfragt die Sinnhaftigkeit des Pflichtzölibats und stellt fest, dass Kleriker "keinerlei Rüstzeug für den Umgang mit der Sexualität" haben. Dem jüngsten Antimissbrauchs-Gipfel fehlt es an konkreten Ergebnissen, meint Haller. Leider habe die Kirche ihre klaren Vorgaben "selbst nicht gelebt". Am Beispiel Jesu gemessen ist es "durch nichts gerechtfertigt", Frauen vom Weiheamt auszuschließen, so Haller.

Quintana Pedro lopez Nuntius 120zurbriggen 2009 04 12 kna 102588Wie Kathpress vergangenen Montag berichtet, hat der Bischof von Rom für Österreich einen neuen Nuntius bestellt. Es ist der 65-jährige Spanier, Erzbischof Pedro Lopez Quintana. Er folgt dem kontaktfreudigen, gemütlichen Schweizer Peter Stephan Zurbriggen. Dieser ist aus Altergründen (75 Jahre) zurückgetreten.

In der Amtszeit von Zurbriggen sind die Bischöfe Benno Elbs in Feldkirch, Wilhelm Krautwaschl in Graz, Franz Lackner in Salzburg und Hermann Glettler in Innsbruck ernannt worden sowie die Bischofsversetzungen Manfrend Scheuer von Innsbruck nach Linz und Alois Schwarz von Gurk/Klagenfurt nach St. Pölten erfolgt.

Lopez steht großen Herausforderungen gegenüber. In seiner Amtszeit sollen entscheidende Schritte in Richtung Kirchenreform erfolgen. Es soll nämlich nicht nur dem sexualisierten Machtmissbrauch weiter entschieden entgegen getreten und entsprechende Strukturreformen endlich gesetz werden, sondern auch die für die Fehlentwicklungen verantwortlichen theologischen Grundlagen erneuert werden, damit endlich eine zeitgemäße, auch kritischen Fragen standhaltende Verkündigung erfolgt.

Votzi Jose 120Josef Votzi, der "Aufdecker" der Causa Groer, schreibt wenige Tage nach dem Anti-Missbrauchsgipfel nachstehenden Gastkommentar im profil 10/2019. Darin meint er, "der Anti-Missbrauchsgipfel war eine vertane Chance".

Votzi ist einer der die inneren Abläufe in der röm.-kath- Kirche, ganz besonders in Fällen sexuellen Machtmissbrauchs, sehr gut kennt und viel darüber recherchiert hat.

reisenbichler ign klhurka in zilena klMüller Re 120Zum Abschluss der Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan hat das Netzwerk: zeitgemäß glauben nachstehende Erklärung abgegeben:

Zur Bewältigung der Krise braucht es mehr

Das Netzwerk: zeitgemäß glauben sieht die Ergebnisse der am Sonntag zu Ende gegangenen Anti-Missbrauchs-Konferenz im Vatikan als wichtig und gut an, sie sind aber zu wenig weitreichend. Einheitliche Standards zur Vorgangsweise nach der Tat und eine Taskforce sind zu begrüßen. Nur die Problemursachen sind damit nicht gelöst!

2019 02 08 snapshotSchönborn&Wagner 150Wagner Doris 1 150Wenige Tage vor der vom 21. bis 24. Februar 2019 in Rom stattfindenden „Missbrauchskonferenz“ sprach Kardinal Christoph Schönborn mit der ehemaligen Nonne Doris Wagner im Bayrischen Rundfunk.

Bereits 2014 hat Doris Wagner ihr Buch „Nicht mehr ich - Die wahre Geschichte einer jungen Ordensfrau“ erstmals veröffentlicht. Im Oktober 2018 berichtete DIE ZEIT Nr. 40/2018 ausführlich über die Erfahrungen der ehemaligen Ordensfrau und heutigen Theologin und Philosophin.

Bei der Pressekonferenz von Franziskus auf seinem Rückflug von Abu Dhabi nach Rom räumte das Kirchenoberhaupt ein, von sexuellem Missbrauch von Nonnen in der römisch-katholischen Kirche zu wissen. "Ich weiß, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan", sagte der Bischof von Rom.