Lenaers, Jesus von Nazarethlenaers roIn seinem neusten auf Deutsch erschienenen Buch: „Jesus von Nazareth, ein Mensch wie wir?“ versucht Roger Lenaers Jesus aus dem Blick der Moderne für gläubige Menschen zugänglich und fruchtbar zu machen. Dabei wägt er in kleinen verständlichen Schritten gewissenhaft ab, was von den biblischen Geschichten historisch war, was in Mythen begründet ist und aus welchen Motiven die neutestamentlichen Schriftsteller Bezüge zur jüdischen Bibel hergestellt haben.

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Geboren von einer Jungfrau, gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gestorben und begraben, am dritten Tag vom Tod auferstanden – das Jesusbild der Kirche beruht auf mystischem und mythologischem Denken. Dem fügt er ein zeitgemäßes Bild hinzu. „Jesus lebte die Liebe vor, weil Gott in uns ein Verlangen zu leben und zu lieben eingehaucht hat und wir in der Erscheinung Jesu erkennen, was unser Wesen tastend sucht.“

Jesus, „war kein Bürger einer anderen Welt“, kein „allwissender und allmächtiger Wundertäter und Zauberer, kein aus dem Himmel herabgestiegener Gott in menschlicher Verkleidung“. Lenaers betrachtet die Evangelien aus dem Blickwinkel der Moderne. War Jesus von Nazareth also ein Mensch wie wir? Der lebenserfahrene Jesuit sieht den Kern der Bedeutung Jesu in dessen „Intimität mit dem Urgeheimnis Gott“ als entscheidend. Aus ihr zieht er die Kraft „seiner totalen Selbstlosigkeit“. Lenaers geht diesen Frage gewissenhaft nach und eröffnet einen neuen, vertrauensvollen Weg, auf dem Christen der Moderne trotz allem gläubig sein können.

Der in Österreich lebende belgische Jesuit analysiert die biblischen Erzählungen über Jesus von der Geburt über die Taufe, seine Verkündigung und Wunder bis zu seinem Tod und der Auferweckung. Kritisch betrachtet er die Historizität der biblischen Geschichten, ihre Verwurzelung in Mythen und der jüdischen Bibel und versucht so für die Menschen der Moderne einen gläubigen Zugang zu eröffnen.

Er kommt zu dem Schluss, die Menschen seiner Zeit sahen in ihm „nicht einen Wunderarzt oder politischen Reformator … sondern jemanden, in dessen Leben ... sie auf intensive Weise die Präsens Gottes gespürt haben“. Für Jesus war klar, die wahre Befreiung des Menschen besteht in einer wachsenden Vermenschlichung. Selbst von der „Urliebe Gottes erfüllt“ drängt er uns durch seine Anziehungskraft „ihm ähnlich zu werden“ und macht so „neue Menschen aus uns“ und bringt eine „geheilte Welt zustande“.

Es ist ein leicht lesbares, spannendes, sehr interessantes Buch das hilft, Ballast abzuwerfen und sich dem Kern der Botschaft Jesu zuzuwenden.

Zum Autor:
Roger Lenaers, geboren 1925 in Oostende an der belgischen Nordseeküste, trat 1942 dem Jesuitenorden bei, studierte dort Philosophie, Theologie und Altphilologie. Als Altphilologe übte er eine einflussreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Didaktik der alten Sprachen in Flandern aus. Als Theologe war er aktiv im Religionsunterricht im Gymnasium und an der pädagogischen Hochschule, schrieb er mehrere Aufsätze und hielt Vorträge über die Folgen der Modernität und der Säkularisation für die katholische Schule. In 2001 und 2003 erschienen dann zwei längere Essays über die Folgen der Modernität für die Kirche als Ganzes und für die Neuformulierung ihrer Glaubenslehre, was in Flandern großes Aufsehen erregte.

Lenaers, Roger: Jesus von Nazareth, ein Mensch wie wir?, edition anderswo, 154 Seiten, Preis 15,40 €. ISBN: 978-3-935861-38-0