Salcher Huber Alles oder Nichts 170huber 210312 150salcher sliderimage 150Einen Blick in die Zukunft wagen die beiden Autoren, Andreas Salcher, der Unternehmensberater und bekannte Bildungskritiker gemeinsam mit Johannes Huber, dem Theologen und Mediziner. Sie gehen von der Gegenwart aus und entwickeln ein Szenario, wohin sich die Kirche in den nächsten 20 Jahren entwickeln könnte.

Dabei wählen sie eine interessante Form. Sie betrachten die Zukunft als wäre sie schon Vergangenheit und zitieren aus Reden, die noch nicht gehalten sind und aus vatikanischen Veröffentlichungen, die noch nicht geschrieben sind. Sie verfolgen die Pontifikate von zwei Päpsten, die erst gewählt werden müssen. Sie nennen die Themen der Zukunft und imaginieren Lösungsansätze dafür.

So kämpft der erste Nachfolger des gegenwärtigen Bischofs von Rom als erster amerikanischer Papst Franziskus II. gegen den Fundamentalismus und die Gotteskrise. Der aus Chicago stammende Pontifex erweist sich als Brückenbauer. Er weiß, dass Frauen mehr als schöne Worte wollen. Er bestellt eine Dominikanerin als Präfektin der Glaubenskongregation. Ausgehend von den Thesen des visionären französischen Jesuiten Theilhard de Chardin beauftragt er die Päpstliche Akademie der Wissenschaften das Dilemma zwischen Glauben und Wissenschaft zu bearbeiten.

Johannes XXIV, als zweiter Nachfolger des gegenwärtigen Bischofs von Rom kommt aus Indien. Ihm gelingen, so die beiden Autoren, fünf wissenschaftliche Durchbrüche. Die Kirche rehabilitiert ein religiöses Genie und versöhnt sich mit der Evolution. Die Autoren sehen auch ein drittes Vatikanisches Konzil, einen neuen Umgang mit Geld und höhere Bedeutung der Kirchen außerhalb Europas.

Das Buch ist inhaltlich interessant, leicht zu lesen, ja amüsant geschrieben. Es ist ein Buch für alle, ganz egal ob kirchenkritisch, distanziert oder fundamentalistisch. Jedenfalls eine interessante Lektüre.


Zum Buch:

Salcher Andreas, Huber Johannes, „ALLES ODER NICHTS. Der große Wurf der Päpste“ Ecowin Verlag, 256 Seiten, Preis: 21,95 EUR, ISBN: 978-3-7110-0083-5


Universelle Weltreligion oder Minderheitenprogramm ohne Relevanz:

Andreas Salcher und Johannes Huber zeichnen mit „Alles oder Nichts“ provokantes Szenario der katholischen Kirche bis zum Jahr 2035

  • Die Kirche befindet sich bereits im Wandel – Salcher und Huber stellen Zukunftsprognosen
  • „Science Faction“: 80 Gespräche mit Kircheninsidern liefern Basis für Überlegungen
  • Gelingt die Kehrtwende? Autoren zeigen die Welt unter Papst Franziskus und seinen Nachfolgern
  • Das Buch reizt zur Kontroverse: Die Kirche wird in 20 Jahren weiblicher, jesuitischer und spiritueller sein – oder sie wird nicht mehr sein.

Salzburg, 18. September 2015: Es gibt viele Szenarien über die politischen, gesellschaftlichen und nachhaltigen Entwicklungen der Welt. Die Frage, an wen oder was wir in 20 Jahren noch glauben werden, ist für die Menschheit ebenso essenziell. Das Autoren-Duo Andreas Salcher und Johannes Huber ist sich einig: Die Sehnsucht der Menschen nach großen moralischen Autoritäten wird in Zukunft wieder stark wachsen. Eine große Möglichkeit, und vielleicht die einzige für die katholische Kirche, deren Bestehen nur ein radikaler Wandel sichern kann.

Eine Orientierung zwischen Fiktion und Wahrheit

Das Autoren-Duo beschäftigt sich in dem Buch mit einer kontroversen Frage, die eben auch besondere Aktualität hat: Wie sieht die katholische Kirche im Jahr 2035 aus? Das Buch versteht sich als „Science Faction“ nicht „Sience Fiction“. Auf Basis von 80 geführten Gesprächen mit Kircheninsidern – darunter einflussreiche Kurienkardinäle, Bischöfe, Äbte, Theologen, Jesuitenpatres aus fünf Kontinenten, langjährige Vatikanjournalisten sowie einfache Priester und Ordensschwestern – haben Salcher und Huber ein Zukunftsszenario der Kirche gezeichnet. Und sie zeigen, dass es sich dabei nicht um reine Fiktion handelt. Das Ergebnis ihrer Recherchen: Gelingt der katholischen Kirche der mit Papst Franziskus begonnene Wandel, kann sie ihrem Anspruch als Weltreligion tatsächlich gerecht werden – oder zum Minderheitenprogramm ohne Relevanz. Eben Alles oder Nichts.

Die Prognosen im Buch reizen zum Widerspruch:

Die Reformen von Franziskus werden eine offene Revolte der Konservativen auslösen. Franziskus kann diese drohende Kirchenspaltung nur durch die Mobilisierung seiner Anhänger im Volk bewältigen.


Mit der „franziskanischen Wende“ verabschiedet sich die Kirche für immer vom absoluten Papsttum. Franziskus verzichtet auf den Titel „Stellvertreter Christi“ und die Unfehlbarkeit.
Nach dem Rücktritt von Franziskus folgt der erste amerikanische Papst. Dieser muss gegen den Fundamentalismus in der Welt, die Gotteskrise und den Verlust der Frauen kämpfen. Denn verliert die Kirche die Frauen, dann verliert sie auch die Kinder.
Wissenschaftliche Durchbrüche wie die Verdoppelung der Lebenserwartung, die Besiedelung des Mars oder die Erschaffung künstlichen Lebens zwingen die Kirche zu einer ethisch-moralischen Neupositionierung jenseits von überholten Dogmen.
Im Jahr 2032 beruft der Papst aus Indien Johannes XXIV. das Dritte Vatikanische Konzil ein. Dieses wird zur ersten echten Versammlung des Volks Gottes seit der Urkirche. Das Konzil ringt um einen Ausgleich mit den Erkenntnissen der Wissenschaft, ohne ihre Mystik und Transzendenz opfern zu müssen.

Eine Reise in die Zukunft

Andreas Salcher und Johannes Huber nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise. Mit dem Start im Jahr 2013 verfolgen sie Weg und Wandlung der katholischen Kirche unter Papst Franziskus und seinen Nachfolgern. Dabei scheint das Jahr 2035 zu nah für die prognostizierten Veränderungen. „Die katholische Kirche denkt in Jahrhunderten, nicht in Jahrzehnten“, hört man oft in Rom. Die Autoren des Buches widersprechen dieser verfestigten Aussage: „Wir glauben das nicht. Schon allein deshalb, weil die Kirche keine Jahrhunderte mehr Zeit hat, um im 21. Jahrhundert anzukommen“, erklären Andreas Salcher und Johannes Huber den gewählten Szenario-Zeitraum von 20 Jahren. „Der Veränderungsprozess hin zu einer lebendigen Kirche ist durch Papst Franziskus bereits eingeleitet. Nun liegt es an ihm und seinen Nachfolgern, diese große Chance zu nutzen“, so die beiden Experten.

Über die Autoren:

Andreas Salcher ist Mitbegründer der Sir-Karl-Popper-Schule für hochbegabte Kinder und Initiator mehrerer internationaler Projekte, darunter die Waldzell Meetings im Stift Melk, an denen bisher acht Nobelpreisträger teilgenommen haben. Mit sechs Nummer-eins-Bestsellern und über 200.000 verkauften Büchern ist er einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

Johannes Huber ist Arzt, Theologe und war von 1973 bis 1983 der persönliche Sekretär von Kardinal Franz König. Seither verfügt er über ein großes Netzwerk im und um den Vatikan. Der Experte für Endokrinologie ist Professor an der Universität Wien und Autor zahlreicher Bücher.