Kirchschläger, Ins heute gesprochen 170Kirchschläger Rudolf 120Kirchschläger Walte 120Anlässlich des 100. Geburtstags von Rudolf Kirchschläger hat sein Sohn Walter kurze Redeausschnitte aus den rund 1.200 gehaltenen Reden als Bundespräsident ausgewählt und präsentiert diese in elf Themenkreisen. Diese sind das „Verständnis des öffentlichen Amtes“, das „Politische Leben in Österreich“, „Gesellschaftliches Leben“, „Wirtschaft“, „Kunst und Kultur“, „Wissenschaft“, „Internationale Politik“, „Ethik“, „Zugang zum Menschsein“, „Weltverständnis“ und „Religionsgemeinschaften“.

Zu den Werten die Rudolf Kirchschläger in seinen Reden anklingen lässt gehören Demokratie, ein Dienstverständnis des Amtes, die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte sowie der Rechte von Minderheiten oder einfach der Schwächeren. Eine Entwicklung der Gesellschaft hin zu mehr Humanität, zu mehr Achtung der Mitbürgerinnen und Mitbürger, auch Abseits des Gesetzes.

In seiner 12-jährigen Amtszeit hielt Kirchschläger Reden und Festansprachen zu sehr vielfältigen großen und kleineren Anlässen. Schon daraus ist ersichtlich, er war ein Bundespräsident für alle Österreicherinnen und Österreicher. Das Spektrum reicht vom Staatsbankett über die Eröffnung von Festspielen oder Staatsakten bis hin zur Schuleröffnung. Er sprach vor Behinderten, Richtern, Ärzten, Diplomaten, Ehrenamtlichen, vor der UNO, dem versammelten Parlament, Bundesrat oder der Bundesversammlung. Kein Anlass war im zu klein oder zu groß um als oberster Staatsdiener in Gemeinden, Schulen, Sporthallen, Seniorenheimen, an Universitäten oder Krankenanstalten das Gemeinsame des Staates zu repräsentieren.

Alle seine Reden hatten aber einen Kern, er rief zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, Fairness, Rücksicht, kurz zu einer menschlicheren Gesellschaft auf. Er war keiner, der den Menschen nach dem Mund redete. Trotzdem ging Kirchschläger stets mit großem Sachverstand, würdigend und differenziert auf den Anlass zu dem er sprach ein, lobte Erreichtes und Erkämpftes, hob gesteckte, manchmal auch noch fehlende Ziele hervor und mahnte. Selbst in seiner letzten Rede als Bundespräsident im Parlament bei seiner Verabschiedung am 8. Juli 1986 bat er, ihm noch eine Mahnung zu gestatten. Dabei sagte er mit aller Noblesse und Achtung die ihn auszeichneten: „Vielleicht … sollen wir nicht … jede Freiheit und nicht jedes Recht, das wir besitzen, … bis zum Exzess ausnützen.“ Ein Wort, das wir uns 30 Jahre später auch noch ins Stammbuch schreiben können.

Das Buch ist ein interessantes, historisches Dokument, ein Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen und ein Prüfstein für eigenes Handeln, so zum Beispiel für die bevorstehende Bundespräsidentenwahl.

Kirchschläger Walter, "Rudolf Kirchschläger. Ins Heute gesprochen“, Verlag Styria, 192 Seiten, Preis 24,99 €, ISBN: 978-3-222-13498-2