Kraetzl Helmut 120Krätzl, Meine Päpste 170Anlässlich seines 85. Geburtstages blickt der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl auf "seine" sieben Päpste zurück, die die römisch-katholische Kirche in seinem Leben prägten. Dieser persönliche Rückblick beleuchtet auch historische Ereignisse in der österreichischen Kirche wie in der Weltkirche, beispielsweise mit Internas aus dem Konklave 2005.

Wie gewohnt schreibt Krätzl Klartext in leicht verständlicher Sprache. Für Interessierte an der Kirche ein Buch, dass gelesen werden "muss"! Hier eine Leseprobe. Nachstehend einige Rezensionen.

Begegnung und Geschichte

Sein jüngstes Buch ist ein persönlicher Rückblick, den Helmut Krätzl anlässlich seines 85. Geburtstags zieht. Der Titel: „Meine Kirche im Licht der Päpste – Von Pius XII. bis Franziskus“. Der Jubilar schaut auf sein Leben zurück und stellt fest, wie sehr sich die katholische Kirche allein zu seinen Lebzeiten verändert hat.

Der emeritierte Wiener Weihbischof kennt die Kirche aus ganz verschiedenen Blickpunkten. Als Zeremoniär beim Wiener Erzbischof, als Student in Rom, als Pfarrer in Laa an der Thaya, als Ordinariatskanzler, Generalvikar, Weihbischof und als Diözesanadministrator nach dem Rücktritt von Franz König in Wien. In dieser Zeit hat Krätzl nicht nur wertvolle Erfahrung gesammelt, sondern auch sieben Päpste erlebt und beobachtet, wie ihre Pontifikate die Kirche deutlich geprägt haben.

Er habe sich das Vorhaben ein Buch über „seine“ Päpste zu schreiben gut überlegt, sagte Krätzl bei der Präsentation bei den Wiener Dominikanern. Haben doch große Theologen wie Hans Küng und andere bereits Bücher zu diesem Thema geschrieben. Die Entscheidung es trotzdem zu wagen ist seiner tiefen Kenntnis und breiten Erfahrung der Kirche Österreichs wie dem Umstand geschuldet, dass er Freunde gewinnen konnte, die ihm kurze Beiträge zur Verfügung stellten. Es sind dies Hubert Gaisbauer, Karl-Josef Rauber, Alfons Nossol und Ivo Führer.

In dem Buch schildert Krätzl die Päpste, wie er sie erlebt hat aber auch, wie sie die Kirche prägten. Den machtvoll auftretenden Pius XII., seinen väterlichen Nachfolger Johannes XXIII., den Retter des Konzils und „Pillenpapst“ Paul VI., den lächelnden 33 Tage-Papst Johannes Paul I., seinen polnischen Langzeit-Nachfolger und Weltenbummler, Johannes Paul II., den Theologen auf dem Stuhl Petri, Benedikt XVI. und er beschreibt Franziskus als jenen, der beim Konzil ansetzt und es weiter führt.

Dabei berichtet er über freundliche persönliche Begegnungen, ökumenische Fortschritte, über schmerzliche Ereignisse – gerade auch mit den Bischofsernennungen unter Johannes Paul II. - und über Interna, z.B. vor und aus dem Konklave zur Wahl Benedikts. Manches Ereignis, dass dem Heiligen Geist zugeschrieben wird hat handfeste Vorbereitungen in dieser Welt.

Anhand von wichtigen Entscheidungen und Aussagen dieser Päpste, aber mehr noch vor dem Hintergrund persönlicher Wahrnehmungen und Begegnungen zeichnet Helmut Krätzl in dem Buch den Weg der Kirche seit dem Zweiten Weltkrieg nach. Er verknüpft als einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Vatikanischen Konzils gekonnt weltkirchliche Entwicklungen mit der österreichischen Kirchengeschichte, die er in seinen bald 40 Jahren als Weihbischof hautnah miterlebt und auch mitgestaltet hat.

Das Buch ist interessant, informativ, flüssig geschrieben und kurzweilig zu lesen, jedenfalls mit viel Genuss. Immer wieder blitzen darin theologische Hintergründe auf, die konkret und verständlich gemacht sind. In dem Buch steckt wichtige und aufklärende Arbeit, die geschichtliche Ereignisse mit fachkundiger Bewertung kombiniert. Dies ist so schnell nicht wieder wo zu lesen.

Hans Peter Hurka

Krätzl Helmut, „Meine Kirche im Licht der Päpste. Von Pius XII. bis Franziskus“, Tyrolia-Verlag, 208 Seiten, Preis: 19,95 €, ISBN 978-3-7022-3554-3.


 

Zu seinem 85. Geburtstag blickt der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl auf sein Leben zurück und stellt fest, wie sehr sich die katholische Kirche allein zu seinen Lebzeiten verändert hat. Krätzl hat in dieser Zeit sieben Päpste erlebt und beobachtet, dass diese sieben Päpste die Kirche in den Jahren ihres Pontifikats deutlich geprägt haben.

Die Spannung reicht von Pius XII., der die Kirche noch absolutistisch regierte, bis zu Franziskus, der eine arme, dienende Kirche predigt und lebt. Johannes XXIII. hat eine Kirche, die sich noch als die allein selig machende vorkam, durch das Konzil zu anderen Kirchen und Religionen sowie zur Welt insgesamt weithin geöffnet. Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben dem Papstamt je in ihrer Art neue Dimensionen verliehen, die innere Erneuerung der Kirche im Geist des Konzils aber zum Teil versäumt.

Anhand von wichtigen Entscheidungen und Aussagen dieser Päpste, aber mehr noch vor dem Hintergrund persönlicher Wahrnehmungen und Begegnungen zeichnet Helmut Krätzl in seinem neuen Buch den Weg der Kirche seit dem Zweiten Weltkrieg nach. Dabei verknüpft er als einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Vatikanischen Konzils gekonnt weltkirchliche Entwicklungen mit der österreichischen Kirchengeschichte, die er in seinen bald 40 Jahren als Weihbischof hautnah miterlebt und mitgestaltet hat.

HELMUT KRÄTZL, DDr., geb. 1931, Studium der Theologie und des Kirchenrechts in Wien und Rom; Stenograph am Zweiten Vatikanischen Konzil, Zeremoniär von Franz Kardinal König und seit 1977 Weihbischof der Erzdiözese Wien. Erfolgreicher Buchautor.


Krätzl Helmut, "Meine Kirche im Licht der Päpste - Von Pius XII. bis Franziskus". Mit Beiträgen von Hubert Gaisbauer, Karl-Josef Rauber, Alfons Nossol und Ivo Fürer; Verlag Tyrolia, 208 Seiten, Preis: 19.95 EUR; ISBN: 978-3-7022-3554-3


Otto Friedrich beschreibt in der Wochenschrift DIE FURCHE 42 vom 20 Oktober 2016 das neueste Buch des emeritierten Wiener Weihbischof Helmut Krätzl. „Meine Kirche im Licht der Päpste“, so der Titel des Buches, hat der Jubilar zu seinem 85. Geburtstag geschrieben. Der Tyrolia Verlag, wo es erscheinen ist, hat es am 11. Oktober 2016 in Wien präsentiert.

Nimmermüder Anwalt seiner Kirche
Helmut Krätzl, der emeritierte Wiener Weihbischof, wird 85. Einmal mehr beschenkt er sich und sein Publikum mit einem Buch: „Meine Kirche im Licht der Päpste“.

Er ist - unvermutet - mittendrin zwischen zwei Päpsten: Der Vorgänger, Benedikt XVI., wird nächstes Jahr 90. Und der Amtsinhaber, Franziskus, feiert im Dezember seinen Achtziger. Helmut Krätzl liegt also altersmäßig dazwischen: Und er darf am 23. Ottober selber seinen 85. Geburtstag feiern.

Gar nicht dazwischen liegt Krätzl, was seine Position zu den beiden Päpsten betrifft: Franziskus ist ihm zweifelsohne näher. Wahrscheinlich empfindet es der emeritierte Wiener Weihbischof als eine späte Genugtuung seines Lebens, dass nun ein Mann an der Kirchenspitze steht, der in sehr vielem das verkörpert, was Krätzl von einem vom Geist des II. Vatikanums geprägten Pontifex erwartet. "Papst Franziskus hat mir trotz meines vorgerückten Alters noch einmal neue Freude an der Kirche und am Wirken Gottes geschenkt." So endet Helmut Krätzls jüngstes Buch ,,Meine Kirche im Licht der Päpste".

Ein „konservativer“ Jungpriester

Von Krätzl selber stammt ja das Bonmot, zu jedem seiner runden Geburtstage oder Jubiläen bringe er ein Buch heraus. Also war es klar, dass nun auch der 85er mit eigener Feder zu würdigen war: Diesmal sind es sieben der acht Päpste, deren Leben sich mit den Lebzeiten Krätzls überschnitten haben, die ihn zu seinen gewohnt griffig formulierten und gut lesbaren Ausführungen inspiriert haben. Das Thema mag beim ersten Hinschauen mäßig spannend klingen, aber der Leser darf sich einmal mehr auf einen gewohnt klarsichtigen und verschmitzten Krätzl in Buchform freuen.

Pius XI. hat er ausgelassen, weil er bei dessen Tod selber erst siebeneinhalb Jahre alt war. Aber schon wie er an Pius XII. erinnert, dessen triumphalistisches Kirchenregiment ihn, wie Krätzl schreibt, damals durchaus begeisterte, zeigt, wie wichtig diese Zeitzeugenschaft auch für heute bleibt. In dicken Pinselstrichen malt Krätzl ein zweigeteiltes Bild dieses Pontifikats: Wie er Prägnant den reformerischen Pius XII. zeichnet, der der Bibelforschung endlich Luft zum Atmen verschaffte oder die Liturgiereform eigentlich einleitete, bring die Meriten des Pacelli-Papstes auf den Punkt, der später wie auch Krätzl darlegt, in den letzten Lebensjahren wieder begann, das antimodernistische Angstregime in der Kirche zu etablieren. Auch ein junger Priester namens Helmut-Krätzl gehörte da dazu: ,,Später hat man mir nachgesagt, ich sei in meinen ersten Priesterjahren ,konservativ' gewesen."

Neben der hohen Kirchenpolitik in Rom streut Krätzl auch Details aus den österreichischen Verhältnissen ein, etwa wie er die Vorgänge um den Wiener Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym (1910-84) erzählt, der im Gottesdienst zu seiner Bischofsweihe aufstand und zum Entsetzen der Anwesenden den Stephansdom kurz vor der Weihe verließ (diese wurde später dann in Rom nachgeholt).

Gleiches gilt auch für die Vorgänge um die Nachfolge des Wiener-Kardinals Theodor Innitzer 1955/56, die nicht, wie allgemein erwartet wurde, von Jachym, sondern vom unbekannten St. Pöltner Weihbischof Franz König übernommen wurde. Krätzl selber sollte genau 30 Jahre später ein ähnliches Schicksal widerfahren, als nicht er, sondern Hans Hermann Groer Erzbischof von Wien wurde.

Der Papst, der Krätzl in seiner Spiritualität und Kirchensicht prägte, ist Johannes XXIII. Ihn hat Krätzl ja schon wiederholt als biografische Messlatte gewürdigt. Im neuen Buch kommt aber hinzu, dass Johannes XXIII. nun auch im Licht des Pontifikats von Franziskus neu leuchtet – die parallelen, die Krätzl zieht,sind frappant und erhellend.

Auch brisante Zeithistorie

Von Paul VI. bis Benenedikt XVI. reicht die Palette der Pontifikate, in denen der Aufbruch des II. Vatikanums zum Abbruch geriet oder die Kirche jedenfalls, wie Krätzl mit seinem bekanntesten Buch 1998 diagnostizierte, ,,Im Sprung gehemmt" wurde. Einmal mehr erzählt der Wiener Bischof, welche schwarzen Punkte es für ihn in Rom darob regnete. Und einmal mehr wird sichtbar, dass das, was dieser Kirchenmann aus Mitteleuropa schon längst geäußert hat, beim derzeitigen Papst aus dem Süden auf fruchtbaren Boden fällt.

Diesmal hat sich Krätzl für sein Buch auch mancher Hilfe von außen versichert: Den Publizisten und Radiopionier Hubert Gaisbauer bat er, über Johannes XXIII. zu schreiben. Krätzls Studienkollege, der von Franziskus zum Kardinal gemachte Alt-Nuntius Karl-Josef Rauber, äußert sich zu Paul VI., und der Altbischof von Oppeln in Polen, Alfons Nossol, steuert seine Sicht auf Johannes Paul II. bei.

Am spannendsten ist der Beitrag des Altbischofs von St. Gallen, Ivo Fürer, der die zurzeit von konservativ-katholischen Verschwörungstheoretikern oft gebrandmarkte ,,Gruppe von St. Gallen“ darstellt. Fürer beschreibt erhellend Zusammenkünfte rund um die Kardinäle Martini (Mailand), Daneels (Brüsset) und Lehmann (Mainz), die zwischen 1996 und 2005 vor allem in St. Gallen stattfanden. Dort wurde auch „eine Alternative zu Kardinal Ratzinger“ als Papst gesucht. Schon 2005 war dabei von Kardinal Bergoglio als derartige Alternative die Rede - bekanntlich machte anno 2005 aber Joseph Ratzinger das Papst-Rennen. Doch 2013 kam dann Bergoglio, die personelle Option der St. Gallener Gruppe, zum Zug.

Dieses zeithistorische Detail ist spannend - und es spricht für die Bischöfe Krätzl und Fürer, dass sie dies der Öffentlichkeit zugänglich machen. Auch deswegen ist das neue Buch aus der Feder Helmut Krätzls eine gelungene ,,Geburtstagsgabe" des Jubilars. Man hofft, dass es nicht das letzte bleibt.