Bergmann, Geheim geweiht 170Zur Zeit des kalten Krieges entschließt sich die römisch katholische Kirche hinter dem Eisernen Vorhang, eine Untergrundkirche aufzubauen. Im Geheimen werden auch Frauen geweiht. Davon will Rom nach dem Fall des kommunistischen Systems nichts mehr wissen. Auf dieser historischen Grundlage erzählt dieser Roman die Geschichte Katjas, der Tochter eines Geheimbischofs, die noch knapp vor dessen Deportation von ihm zur Priesterin geweiht wurde. Nach dem Umbruch versucht der Vatikan ihr Schweigen zu erkaufen. Sie schwankt zwischen Gehorsam, dem Wunsch nach Anerkennung und ihrer Liebe zu dem krebskranken Daniel, der sie bei ihrem Comingout unterstützen möchte. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Unterdessen bemüht sich in Rom eine päpstliche Kommission, das Thema Frauenpriestertum wieder aus der Welt zu schaffen.

DER STANDARD berichtete über das Buch.

So wie die Geheimkirche in der ehemaligen Tschechoslowakei in vielfacher Weise in Gesellschaft und Kirche verdeckt verwoben war, beginnen auch die Erzählstränge in Wolfgang Bergmanns neuestem Buch „Geheim geweiht“. Der Autor lässt die Geschichte an unterschiedlichen Schauplätzen in Prag, Rom und Wien und unterschiedlichen Milieus beginnen. Sie kreuzen sich und fließen teilweise ineinander.

Bergmannn erzählt interessant, lässt die Leser hinter die Kulissen der Geheimkirche blicken, legt der fiktiven Geschichte deutliche Anspielungen aus der jüngeren Vergangenheit zu Grunde und behandelt dabei auch die theologischen Fragen dahinter verständlich. Die unglaublich schamlose Ungerechtigkeit der Amtskirche gegenüber den Menschen, die mit ihrem Leben im Osten Europas im Auftrag oder zumindest mit Wissen des Vatikans die Kirche abgesichert haben, bleibt letztlich siegreich.

Wie Bergmanns vorausgegangene Büchern ist auch dieses leicht lesbar und trotz der inhaltlichen Dramatik vergnüglich zu lesen. „Geheim geweiht“ ist ein ideales Geschenk, fesselt und lässt dabei die Welt rund herum für diese Augenblicke vergessen. Gleichzeitig wächst auch die Solidarität mit den für ihr Leben geprägten und gedemütigten Menschen der Geheimkirche.

„Überraschend tauchte ein vatikanischer Gesandter an Katjas Wohnungstür auf. Sie wimmelte ihn schon am Eingang unter dem Vorwand einer dringenden Erledigung ab und vereinbarte einen Kaffeehaustermin für den nächsten Tag. Sie schloss mit einem unangenehmen Gefühl die Tür und horchte lang, ob der Besucher tatsächlich fortgegangen war. Instinktiv hatte sie sich wie bei einem StB-Mitarbeiter, dem gefürchteten Personal der Staatssicherheit, verhalten. Es war ein Grundsatz, sie möglichst nicht in die eigene Wohnung zu lassen. Man wusste nie, ob sie einen heimlich verwanzen wollten. Man wusste nie, ob nicht in der Wohnung irgendwas herumlag, das einen doch verraten konnte. Man wusste nie, ob sie ihre Macht ausnutzend nicht auch übergriffig werden wollten. Katja erschrak bei dem Gedanken, dass sie dem Kirchen-Mann, der so tadellos gekleidet erschienen war, alle drei Gefahrenmomente zutraute.“

Wolfgang Bergmann, geboren 1963, ist Magister der Theologie. Nach einer kirchlichen Laufbahn als Sprecher der Caritas, Kommunikationschef der Erzdiözese Wien und Gründer von Radio Stephansdom übernahm er die Geschäftsführung der Tageszeitung Der Standard. Seit Anfang dieses Jahres ist Bergmann kaufmännischer Geschäftsführer der Österreichischen Galerie Belvedere. Buchcovergestaltung unter Verwendung eines Bildes von Raphael Bergmann.

Bergmann Wolfgang, „Geheim geweiht“, Wieser Verlag, 196 Seiten, Preis: 18,80 €, ISBN: 978-3-99029-203-7


Zaloudik Peter   Zrno  2005 120Der ehemalige slowakische Kapuziner Peter Zaloudek beschreibt das Buch wie folgt:

Das Buch ist spannend und fließend zu lesen, ich reflektiere es in 2 Ebenen:

Die „Geheimnotizen“ der Kurialbischöfe und Kardinäle in Rom, ihre Angst vor der Veröffentlichung der Praktiken in der Verborgenen Kirche, vor allem die Weihe der verheirateten Männer und der Frauen sind super. Wolfgang Bergmann ist es sehr gut gelungen die panische Angst der Kirchenhierarchie darzustellen. Manche Dialoge zwischen den Bischöfen entsprechen auch nach meiner Sicht 100% der Wahrheit. Es ist gut und notwendig daß jemand darüber schreibt!

Die Liebesgeschichte der geheimgeweihten tschechischen Frau Katja zu dem österreichischen Pressesprecher Daniel stört mich nicht. Als Autor hat er sich seine Freiheit erlaubt ein bißchen Abenteuer und Spannung in das trockene Thema hineinzuinterpretieren. Es ist sein gutes Recht.

Nur für jemanden wie mich, der in einer Untergrundkirche aufgewachsen ist, viele Menschen aus der Nähe gekannt hat und sie auch respektiert, geschätzt, fast geliebt hat - klingt diese Liebesgeschichte, so wie sie von ihm beschrieben wird, zu abenteuerlich, zu unrealistisch, nicht glaubwürdig. Ich weiss zwar davon, dass manche Bischöfe ganz junge Männer zu Priestern, sogar zu Bischöfen heimlich geweiht haben, aber daß auch ganz junge, so junge Frauen wie Katja und dann noch ausgerechnet vom eigenen Vater zur Priesterin geweiht wurden, dass kann ich nicht glauben. Ludmila Javorová und auch meine Tante, Anežka Žaloudková, die von Davidek ebenso geweiht sein sollte (sie ist gestorben im März 1989) waren zum Zeitpunkt der Weihe zwischen 35 - 40 Jahre alt.

Die Tatsache, wie diese Frauen nach dem Zerfall von Kommunismus von der offiziellen Kirchenhierarchie - ich sage jetzt ganz bewußt - mißhandelt - totgeschwiegen, gedemütigt waren - ist wirklich war, das ist Bergmann sehr gut gelungen zu beschreiben.

Aus meiner Sicht ist dieses Buch eine Mischung aus Realität mit etwas unrealistischer Fantasie.

Peter Zaloudek