Schödl Kuntner 170Schödl Inge 150Ingeborg Schödl hat schon mehrere Biographien veröffentlicht. Zumeist waren es Frauen, über die sie schrieb: Margarethe Ottillinger, Hildegard Burja oder Anna Dengl. Nun ist es der überaus beliebte und leider viel zu früh verstorbene Wiener Weihbischof Florian Kuntner über den die ehemalige Redakteurin bei der Wiener Kirchenzeitung schrieb.

Schon der Titel des Buches „Florian Kuntner – Vom Lausbuben zum Bischof“ lässt anklingen, dass er nicht der braven, weltfernen, auf liturgische Feiern reduzierten Reichshälfte der Kirche angehörte. Er trat mutig für die Menschenwürde ein, sei es gelegen oder ungelegen gewesen. Er hat sich im übertragenen wie im direkten Sinn des Wortes für die Menschen „abgestrampelt“. Dazu zählten „seine“ Priester die heirateten genauso wie Geschiedene und wieder verheiratete oder die Menschen der südlichen Halbkugel dieser Welt.

Mit dem Buch erinnert Schödl an eine prägende Persönlichkeit der Kirche Österreichs. Als Direktor der Päpstlichen Missionswerke Österreichs engagierte er sich für die Anliegen der Länder des Südens. Auch als Vorsitzender von Pax Christi, Iustitia et Pax sowie als Vorstandsmitglied von Christian Solidarity International bezog er immer wieder Stellung gegen jede Art von Menschenrechtsverletzungen, wie etwa die Apartheid-Politik Südafrikas oder die fremdenfeindlichen Aktionen der FPÖ-Politik in Österreich. Seine 1993 auf der SOS-Mitmensch-Großkundgebung gehaltene Rede hat leider nichts an Aktualität verloren.

Der in der Rotte Sellhof in Kirchberg am Wechsel aufgewachsene Kuntner war ein beliebter Seelsorger. Zunächst als Kaplan, später Pfarrer in Piesting/NÖ, danach Bischofsvikar des neu gegründeten Vikariates „Unter dem Wienerwald“ und Dompropst von Wiener Neustadt. Auf unkonventionelle Weise setzte er sich für die Anliegen der Menschen ein. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, schwang er sich auf seinen Drahtesel und radelte zu ihnen.

Am 30. September 1977 wurde er gemeinsam mit Helmut Krätzl zum Weihbischof der Erzdiözese Wien ernannt, am 20. November erfolgte die Weihe durch Kardinal Franz König. Gegen Ende des Jahres 1993 hatte Kuntner gesundheitliche Probleme. Trotzdem unternahm er im Februar 1994 eine heiß ersehnte Tunesien-Reise zu seiner Titulardiözese Hirina, die in der Wüste lag. Am 30. März starb er vermutlich an den Folgen einer übersehenen Tropenkrankheit.

Das Buch strahlt Florian Kuntner aus. Dabei kommen seine Herzlichkeit, sein entschlossenes Handeln, sein Einsatz für eine mündige Kirche genauso zur Sprache, wie sein politischer Einsatz. Wer das Buch ließt und Bischof Kuntner kannte, wird nicht nur weitere Informationen erhalten, sondern viele Erinnerungen auffrischen. Wer ihn nicht persönlich kannte, lernt einen Bischof kennen, wie ihn das Zweite Vatikanische Konzil vor Augen hatte: Tief im Glauben verwurzelt und ganz an der Seite der Menschen und der Welt. Es ist ein fröhliches Buch, auch wenn nicht alle erzählten Ereignisse lustig sind. Das Buch zu lesen zahlt sich jedenfalls aus.

Hans Peter Hurka

Schödl Ingeborg, „Florian Kuntner – vom Lausbuben zum Bischof“, Tyrolia-Verlag, 144 Seiten, Preis: 19, 95 €, ISBN 978-3-7022-3590-1