Weißenböck, Dekalog 170Weißenböck FJ 150Mit seinem neuesten Buch „Der Dekalog“ schlägt Franz Josef Weißenböck einen weiteren Pflock zeitgemäßen Glaubens ein. Diesmal – nach „Credo“ und „Vater unser“ - stellt der Theologe und Journalist neuerlich Mutmaßungen an, diesmal über die zehn Gebote.

Auf der Rückseite des Buches ist zu lesen: An die zehn Gebote haben noch viele Menschen – auch in unseren Tagen, in denen die Kirchen sich in einem steilen Sinkflug befinden – eine Erinnerung. Ihr „du sollst“ und „du sollst nicht“ wurden als ebenso strenge wie das Leben einschränkende Regeln erfahren. In ihrem Ursprung waren sie aber das Angebot eines Bündnisses mit einem befreienden Gott. Ihre befreiende Botschaft hätte auch den vielfach geknechteten Menschen des 21. Jahrhunderts etwas zu sagen.

Damit ist der Rahmen abgesteckt. Weißenböck setzt sich in seinem jüngsten Werk mit den biblischen Grundlagen, einengenden, die ursprünglichen Aussagen verzerrenden kirchlichen Interpretationen sowie atheistischen Religionsdeutungen auseinander und stellt diesen begründete, gläubige Mutmaßungen gegenüber.

Dabei geht er auf die Wurzeln zurück, vergleicht die Urtexte mit den gängigen Übersetzungen, berichtet antike Erfahrungen und Mythen und zeigt Lebensumstände der damaligen Zeit. Auf der anderen Seite mutmaßt er, wie die alten Texte, die ja Berichte zu existentiellen Lebenserfahrungen sind im heutigen Horizont gelesen werden und das Leben in seinen leuchtenden Farben erhellen können.

Dabei kann der Theologe die Urkraft als befreiend, die Welt, das Leben und die Menschen liebenden Gott zeigen. Die zehn Gebote werden zu Erfahrungen aus dem und für das Leben, damit es gelingt. Sie können Orientierungshilfen sein, um den Versklavungen der Wirtschaft und den Diktaten der Gesellschaft zu widerstehen.

Weißenböck tut das nicht naiv, einseitig, schöngefärbt, sondern kritisch und nimmt auch die dunklen Seiten des Lebens in den Blick. Überzeugt und überzeugend bekennt er: „Selbst wenn mein Glaube nichtig wäre – lieber lebe ich getröstet als ohne Trost und sterbe mit einer Hoffnung.“

Der Autor holt wieder das Bilderverbot hervor und geht auf die ursprüngliche zählweise zurück. Er zeigt, wie weit das fünfte Gebot Vater und Mutter zu ehren herumgekommen ist und in welche Abgründe und Verengungen es gezerrt wurde.

Er weist darauf hin, dass alte, nach heutigem Verständnis unglaubliche Texte nicht außerhalb ihres historischen Zusammenhangs gedeutet werden sollten. Das gilt insbesondere für das Töten und Morden. Weiters fragt er, würde heute nicht auch der Schutz der Natur oder der Missbrauch von Suchtmittel aufzunehmen sein?

Er zeigt soziale Implikationen wie Gott am siebenten Tag „zum Gegenbild des Workaholics wird“ oder die Blutrache sich zum Verbot des Zürnen entwickelt und nicht nur Vater und Mutter, sondern jeder Menschen – auch der Flüchtling - zu respektieren ist.

Sie suchen ein Weihnachtsgeschenk, das Sinn macht. „Der Dekalog“ ist eines. Das Buch ist erfrischend, verständlich und informativ. Es deckt Fehlentwicklungen auf, stellt Fragen und zeigt Wege, die heute verantwortbar gegangen werden können. Sein umfassender, breiter Horizont beeindruckt und ist ein überzeugendes Fundament.


Weißenböck Franz Josef, „Der Dekalog – Mutmaßungen über die zehn Gebote“, Edition Vabene, 144 Seiten, Preis: 14,90 €, ISBN 978-3-85167-306-7