Halbfass1130 120Halbfas Hubertus Kurskorrektur 170Der Deutsche Theologe und Religionspädagoge Hubertus Halbfas legt mit seinem Buch „KURS-KORREKTUR“ eine Streitschrift vor, wie das Christentum geändert werden muss, damit es bleibt.

In zehn Kapiteln geht der Konflikten oftmals ausgesetzte erfahrene Theologe den Fragen der Zeit mit kritischem Geist nach. Unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse sieht er wie Roger Lenaers in dessen Buch „Der Traum des Königs Nebukadnezar“ das Verständnis eines „Gottes in der Höhe“, der von außen fallweise eingreift oder auch nicht, an sein Ende gekommen. Diese Erkenntnis ist für viele Christinnen und Christen bis heute ein Revolution im Denken, Leben und im kirchlichen Alltag.

Entlang der Forschungsergebnisse der beiden evangelischen Theologen Rudolf Bultmann und Paul Tillich stellt er der griechisch und städtisch geprägten Theologie des Paulus die dem historischen Jesus verpflichtete Jesusbewegung vom Reich Gottes an der Seite der Armen gegenüber. Sie ist in der Kirchengeschichte allerdings mit dem Rückgang der jüdisch-christlichen Gemeinden ins Hintertreffen geraten. Halbfass kommt zu dem Schluss, „hätte Jesus den Römerbrief lesen können, würde er seine Botschaft darin nicht wieder erkennen“.

Auch in den folgenden Kapiteln über die offene Tischgemeinschaft, das Priestertum, die kirchliche Hierarchie, trinitäre Kontroversen, die Erbsünde oder die Jungfrau und Gottesmutter Maria und die letzten Dinge berührt er umstrittene Zonen unseres Glaubens. Der Religionspädagoge versteht es in sehr gut verständlicher Sprache die Entstehung der Glaubenslehre darzustellen. Unter Hinweis auf aktuelle kirchengeschichtliche Erkenntnisse weist er auch auf die sehr weltlichen Machenschaften hin, die oftmals dazu führten. Diesen Kurs weltlicher Verirrungen gilt es heute zu korrigieren.

In einem abschließenden Kapitel versucht er zusammenzufassen, was vorbei ist, was sich ändert und was bleibt. Sein Resümee: Es gibt kein göttliches Handeln außerhalb der Welt und ihrer Regeln.

Das Buch ist leicht zu lesen, gut verständlich und erklärt heutige theologische Positionen mit kritischem Verstand. Es fordert heraus, selbst dazu Stellung zu beziehen und eignet sich deshalb ganz besonders in Gruppen darüber zu diskutieren. Leser und Leserinnen können sich davon existentiell betreffen lassen, wenn es um die Wende vom Glauben und Wiederholen von Lehrsätzen hin zu einem Leben in den Fußstapfen Jesu auf Basis eigener Erfahrungen und Erkenntnisse geht.


 Halbfas Hubertus, Kurskorrektur. Wie das Christentum sich ändern muss, damit es bleibt. Verlag Patmos Ostfildern 2018, 207 Seiten, Preis: 20 €, ISBN 978-3-8436-1084-1.