Himmelbauer Markus 2015 120Franziskus telefono 120Der promovierte Theologe Markus Himmelbauer, Pfarrassistent in Wolfsegg/Oberösterreich, hat am vergangenen Sonntag eine origenielle Predigt gehalten.

Das Evangelium zum 23. Sonntag im Jahreskreis/Lesejahr A war: Matthäus 18,15-20. Als Lesung wählte er Ex 23, 1-13.

LESUNG Ex 23

Lesung aus dem Buch Exodus
Der Herr Sprach zu Mose: Das sind die Rechtsvorschriften, die du ihnen vorlegen sollst:
1 Du sollst kein leeres Gerücht verbreiten. Biete deine Hand nicht dem, der Unrecht hat, indem du als falscher Zeuge auftrittst.
2 Du sollst dich nicht der Mehrheit anschließen, wenn sie im Unrecht ist, und sollst in einem Rechtsverfahren nicht so aussagen, dass du dich der Mehrheit fügst und das Recht beugst.
3 Du sollst auch den Geringen in seinem Rechtsstreit nicht begünstigen.
4 Wenn du dem verirrten Rind oder dem Esel deines Feindes begegnest, sollst du ihm das Tier zurückbringen.
5 Wenn du siehst, wie der Esel deines Gegners unter der Last zusammenbricht, dann lass ihn nicht im Stich, sondern leiste ihm Hilfe!
6 Du sollst das Recht des Armen in seinem Rechtsstreit nicht beugen.
9 Einen Fremden sollst du nicht ausbeuten. Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist; denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.
13 Auf alles, was ich euch gesagt habe, sollt ihr achten. Den Namen eines anderen Gottes sollt ihr nicht aussprechen, er soll dir nicht über die Lippen kommen.

 

EVANGELIUM Mt 18, 15-20

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
17 Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
18 Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
19 Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.


Schwestern und Brüder,
es tut mir leid, dass ich euch heute keine Predigt halten kann. Ich habe aber eine gute Ausrede dafür und erzähle euch, was mir passiert ist.

Neulich sitze ich am Computer. Es läutet das Handy. Ich kenne die Nummer nicht, irgendeine ausländische. Wohl wieder so eine lästige Werbeumfrage.

Markus Himmelbauer, Pfarre Wolfsegg, sage ich.

Buona sera, hier ist Papa Francesco.

Aber nicht wirklich, sage ich. Aber lustig, so ein Schmäh.

Schmäh ohne! Hör zu, denn ich muss dir etwas sagen.

Ja gern. Aber bring es bitte kurz auf den Kern, denn ich muss noch die Predigt vorbereiten.

Ich möchte dich an ein paar Punkte der kirchlichen Soziallehre erinnern.

Das trifft sich gut – ich wollte eh gerade einiges nachschauen. Du musst wissen, wir haben Wahlkampf. Da kämpfen sie auch um die Stimmen von uns Christinnen und Christen. Kannst du dazu überhaupt etwas sagen?

Die Kirche weist stets mit aller Klarheit auf die Grundwerte des menschlichen Lebens hin. Die Politik muss sie dann umsetzen. Im Mittelpunkt des Evangeliums selbst stehen das Gemeinschaftsleben und die Verpflichtung gegenüber den Anderen.

Bei den Wahlen, heißt es, sollen wir um unsere eigenen Interessen kämpfen.

Es geht doch um die gesamte Schöpfung! Wir sind als Menschen nicht bloß Nutznießer, sondern Hüter der anderen Geschöpfe. Euch muss noch einmal gesagt werden: »Die am meisten Begünstigten müssen auf einige ihrer Rechte verzichten, um mit größerer Freigebigkeit ihre Güter in den Dienst der Anderen zu stellen.«

Ja, aber auf den Plakaten sagen sie, Leistung muss sich lohnen. Man soll sich holen, was einem zusteht.

Das Wort „Solidarität“ hat sich ein wenig abgenützt. Wir müssen eine neue Lebenshaltung einüben, die in den Begriffen der Gemeinschaft und des Vorrangs des Lebens aller gegenüber der Aneignung der Güter durch einige wenige denkt.

Wer hat, dem wird gegeben werden!

Der private Besitz von Gütern hat nur so seine Berechtigung, wenn man sie so hütet und mehrt, dass sie dem Gemeinwohl besser dienen. Die Güter der Schöpfung gehören allen: Diese Bestimmung ist älter als der Privatbesitz.

Viele Reden drehen sich um Zuwanderung und um Asyl.

Die Migranten stellen für mich eine besondere Herausforderung dar, weil ich Hirte einer Kirche ohne Grenzen bin, die sich als Mutter aller fühlt. Darum rufe ich die Länder zu einer großherzigen Öffnung auf. Fürchtet nicht die Zerstörung der eigenen Identität; sondern seid mutig, eine neue kulturelle Verbindung zu schaffen!

Es wird uns jetzt immer wieder gesagt, man muss erst ins Sozialsystem etwas einzahlen, damit man auch etwas erhalten kann.

Jesus identifiziert sich mit den Geringsten. Wir Christen sind deswegen alle berufen, uns um die Schwächsten zu kümmern. Doch manche kennen nur die Gewinnmaximierung: Wo nur nach Effizienz und eigenem Nutzen gerechnet wird, scheint es wenig sinnvoll, in das Leben der Schwachen und weniger Begabten zu investieren. Aber auch wer auf der Strecke geblieben ist, soll es im Leben zu etwas bringen können.

Um des Friedens Willen, müsse man die Leistungen für Bedürftige begrenzen, sagen sie. Oberösterreich geht da beispielhaft voran.

Hier geht es um die Verteilung der Einkommen, um die Einbeziehung der Armen und um die Menschenrechte! Diese Forderungen dürfen nicht unter dem Vorwand zum Schweigen gebracht werden, einen oberflächlichen Frieden zu schaffen. Wenn diese Werte bedroht sind, braucht es unsere prophetische Stimme.

Aber sie sagen, wir brauchen weniger Staat und mehr Eigenverantwortung.

Die gerechte Ordnung der Gesellschaft und des Staates ist zentraler Auftrag der Politik. Der Staat muss für die Pflege und die Förderung des Gemeinwohls sorgen. Seine Rolle dabei ist grundlegend. Diese Verpflichtung zur ganzheitlichen Entwicklung aller kann er nicht abgeben. Genau das aber erfordert aktuell eine tiefe Demut.

Danke, Papa Francesco. Das sind wichtige Einsichten. Gut, dass du mich daran erinnert hast.

Wenn wir als Kirche über die Gebote Gottes nachdenken, darf niemand deren ermahnende Bedeutung verdunkeln oder schwächen. Das gilt vor allem für die biblischen Ermahnungen, die mit großer Bestimmtheit zur Bruderliebe, zum demütigen und großherzigen Dienst, zur Gerechtigkeit und zur Barmherzigkeit gegenüber dem Armen auffordern. Warum verdunkeln, was so klar ist?

Ich habe deine weisen Sätze aber nicht mitgeschrieben.

Du findest alles in meiner Enzyklika Evangelii Gaudium – über die Freude des Evangeliums. Es geht aber nicht um moralische Prinzipien. Wir folgen Jesus nach, diese solidarische Gewohnheit leben wir in Fleisch und Blut. Wir sind frohe Boten, die befreiende Lösungen vorschlagen. Wir sind Hüter des Guten und der Schönheit: Sie erstrahlen in einem Leben, das dem Evangelium treu ist.

Und meine Predigt habe ich immer noch nicht.

Du hast doch das Evangelium für den Sonntag: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht.“ Ich hab bei ihnen angerufen, bin aber nicht durchgekommen. Schnell mit ein paar Brüdern zu kommen, um sie zu ermahnen, geht sich jetzt nicht mehr aus. Darum nun Stufe drei – schau nach im Evangelium, das steht: „Sag es der Gemeinde.“

Gut, mach ich. Vielleicht muss ich es ihnen halt ein bissl einfacher sagen, als du geschrieben hast. Pfiat Di, Papa Francesco.

Noch etwas. Ich habe gehört, du hast gepredigt, wie der Teufel nach Wolfsegg kommen wollte und auch unser aller Herr und Heiland. Wahrlich, ich sage dir, auch ich will einmal zu euch kommen.

Richtig, das war immer am Faschingssonntag. Das freut mich riesig, wenn auch du kommst. Die allerheiligste Mutter unseres Erlösers hat sich aber schon für nächstes Jahr angesagt. Wir wollen nämlich ein Wallfahrtsort werden, weil wir Geld in unserer Kirchenkasse brauchen.

Na gut, dann halt übernächstes Jahr. Laudetur Iesus Christus, Buona Sera.

Und klick. Das war’s. Amen.