Buchegger Helmut 120Mit nachstehender Predigt zum Gründonnerstag hat Helmut Buchegger seine Zuhörerinnen und -hörer in Krems aufhorchen lassen. Es ist dasselbe geschichtliche Ereignis und doch zieht die von Buchegger gewählte Interpretation nochmals anders in die Gegenwart hinein. Sie lässt Anteil nehmen an der damaligen Situation und enthält Anspielungen an aktuelle gesellschaftliche und politische Gegebenheiten, die deutlich sind und anstoßend.

Die Predigt ist jederzeit auch nachträglich lesens- und überlegenswert. Deshalb dokumentiert sie das Netzwerk: zeitgemäß glauben nachstehend.

Das letzte Abendmahl war kein harmonisches Abschiedsessen wie es oft dargestellt wird, sondern es war widersprüchlich wie kaum etwas je zuvor.

Der Abschied ist endgültig gekommen. Doch Jesus versichert, dass es keine Trennung geben wird. Die Macht des Bösen braut sich über dem Haupt Jesu wie eine dunkle Wolke zusammen, und zugleich ist es ein Augenblick äußerster Vergebung und Verzeihung; es ist ein Gemeinschaftsmahl in Verbundenheit mit den Jüngern [und Jüngerinnen / Anm. vom Redakteur] und doch wird Jesus die Angst und die Einsamkeit nie deutlicher gespürt haben wie in dieser Stunde.

Die Verantwortlichen nehmen ihm übel, dass seine Liebe zu allen Menschen grenzenlos war; er hätte Unterschiede machen müssen, ausgrenzen, was nicht in die Gesellschaft passt, irgendeine Obergrenze hätte er setzen müssen. Aber Jesus tat es nicht. So ist ihm der Hass der religiösen und politischen Führer sicher und er ahnt, was zwölf Stunden später wirklich geschehen wird.
Jesus weiß aber auch, dass er standhalten muss, er allein und unbedingt, denn würde er fliehen, wäre kein Wort des Vertrauens mehr glaubwürdig in dieser Welt.

Es gäbe dann den sicheren Beweis, dass in dieser Welt die Angst am stärksten ist, das letzte Wort hat. Er aber möchte zeigen, dass Gott eine noch größere Macht über die Herzen der Menschen haben kann und dass diese Macht die Welt verändert.

Man hat immer wieder auch gerätselt, ob Jesus in der Stunde von Getsemani nicht innerlich zerrissen gewesen sein musste wegen der Unsicherheit gegenüber Gott. Wird er eingreifen, etwas tun, den Menschen in den Arm fallen? Aber er weiß, dass Gott nichts tun wird. Die Erde wird sich weiter drehen wie bisher.

Das Problem Jesu war nie die Frage, wie zuverlässig Gott ist; ihm war er immer unendlich nahe und selbst in der Stunde des Todes betet er mit letzten Stimme: Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist.

Die große Sorge Jesu in dieser Stunde ist also nicht, ob man an Gott glauben kann, sondern ob man den Menschen vertrauen kann. Diese Frage wird schon aktuell mit Blick auf seine Jünger. Da ist der selbstbewusste Petrus, der mehr gefährdet ist als alle anderen. Da ist Judas, der ihn verraten wird. Dann sind die übrigen Jünger, die flüchten. Wie werden sie seine Botschaft verstehen und dann weitergeben?

Später, im Laufe der Geschichte, waren es Millionen sein, die Kreuze auf die Fahnen malten und in den Krieg zogen. Hat Gott ihnen das aufgetragen? Viele fragen sich sogar, ob man nach 1945 mit dem millionenfachen Leid und Tod Unschuldiger überhaupt noch an Gott glauben kann, weil er nicht eingriff, sondern alles geschehen ließ.

Aber hat Gott die Gaskammern bedient? Lässt er Feuer- und Gasgranaten auf Syrien fallen? Ist er es, der Fluchtrouten sperrt, egal ob Menschen dann ertrinken oder in der Wüste verrecken? Teilt er die Menschen in legale und illegale ein?

Ja man kann grundsätzlich fragen, muss immer erst geschunden, gequält und getötet werden, eher menschlicher Wahnsinn an sich selber ein Ende findet?

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“! Das war Jesu Auftrag kurz vor seinem Tod.

Von der Erfüllung dieses Auftrags hängt aber auch die Frage ab, ob sein Schicksal weiterhin von Bedeutung ist? Werden die Taten und Worte seiner Jünger/innen diesem Auftrag entsprechen? Wenn Gemeinschaft und Fußwaschung nicht weiter gelebt und praktiziert werden, dann war sein Sterben vergeblich. Johannes sagt es noch deutlicher bei der Fußwaschung: So wie ich getan habe, so sollt auch ihr tun!

Eucharistie, wie wir sie heute am Gründungstag feiern, ist keine Frömmigkeitsübung, die für feierliche Gottesdienste reserviert wäre. Sie ist alltäglich wie Essen und Trinken. Sie ist untrennbar verbunden mit Jesu Wort: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich getan habe! Das ist Auftrag jeder eucharistischen Feier.


Helmut Buchegger, studierte Theologie und war 14 Jahre lang als Priester und Missionar in Mobaye, in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Nach seiner Rückkehr war er bis 1997 Pfarrer in Krems St.Veit. Danach wurde Mag. Buchegger für einen weiteren Missionseinsatz in der Diözese Bangassou, Zentralafrika, freigestellt. Heute ist er wieder in Krems zu Hause und begleitete z.B. die Kaffeekooperative in der Diözese St. Pölten von Beginn an.