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Odermatt Alois 150

Fürbitten in der Corona-Pandemie
Im solidarischen Denken das große Atmen erfahren

Ein Virus hat sich die Krone aufgesetzt und zieht als Freibeuter um die Welt. Es kann eine neuartige Krankheit auslösen. Bei manchen führt es zu Atemnot. Es ist, als ob darin die atemlose Hast unserer Zeit zum Ausdruck käme. Bei schwerer Erkrankung versagen die Lungen. Daran sterben vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen.


Es zirkulieren viele Anregungen für den Umgang mit dieser bedrohlichen Krone, auch solche spiritueller und religiöser Art. Hier ein Vorschlag für Fürbitten.
Beten als solidarisches Denken begreifen
Wir begreifen solche Fürbitten als solidarisches Denken, bei dem die alte Erfahrung des spirituellen Atmens auf die Atemnot unserer Zeit eingeht.
Die Sorge füreinander führt uns in den kleinen Kreis – dorthin, wo zwei oder drei... Es ist ein Kreis des Vertrauens. Da ergänzen sich die Ansagen der Fürbitten wie von selbst.
Das große Atmen erfahren
Wir antworten auf die Ansagen nicht mit Worten, nicht mit Gesang, sondern mit schweigendem Ausatmen und Einatmen. Wir atmen bewusst aus und warten ab. Der Raum weitet sich von selbst und neuer Atem strömt ein.
Es ist der klassische Rhythmus von Ausatmen und Einatmen, wie beim melodischen Sprechen von Psalmen im Chor. Es ist eine klassische Übung auf dem spirituellen Weg – und wir nehmen jene, die wir nennen, in den weiten Raum unseres Atmens hinein.
Atheisten denken solidarisch mit
Auf diesem Weg können wir das große Atmen erfahren, das uns durchweht. Kommt uns da nicht Zukunft als atmende Leere entgegen, als schöpferischer Sog in die Zukunft hinein?
Diese «Leerheit» lässt uns bewusst auf den Begriff «Gott» verzichten. Denn die «Leerheit» kann auch Fülle bedeuten: «eine Fülle, die schwanger geht mit allen Möglichkeiten» (Willigis Jäger). Atmet Freiheit in uns auf?
Wir entzünden eine Kerze und holen Atem in der atemlosen Unrast der Welt. Atheisten denken solidarisch mit.

4. April 2020 / Alois Odermatt

Historiker und Theologe mit Schwerpunkt Liturgiegeschichte (al.odermatt@bluewin.ch)

Einleitung
Wir reden darüber
Angst geht durch die Welt.
Angst vor dem Virus, das Krone trägt und Atem raubt.
Wir denken und atmen uns in dieses Drama hinein.
Wir durchschauen Angst und fassen Mut.
Wir atmen und lauschen.
Erfahren wir ein Atmen?
Atem-Litanei
1. Wir denken an Menschen in unserem Umkreis:

◦ Eltern und Großeltern
◦ Kinder und Enkelkinder
◦ Freunde und Bekannte

2. Wir denken an Menschen, die krank werden:

◦ hier in unserem Land
◦ in anderen Ländern
◦ auf der Flucht oder in Flüchtlingslagern

3. Wir denken an Menschen, die sich um Gesunde und Kranke kümmern:

◦ Freiwillige Helferinnen und Helfer
◦ Frauen und Männer in der Pflege
◦ Ärztinnen und Ärzte

4. Wir denken an Verantwortliche in Öffentlichkeit und Staat:

◦ Fachleute der Wissenschaften
◦ Medienleute
◦ Behörden, Polizei und Militär

5. Wir denken an Kulturschaffende:

◦ Künstlerinnen und Künstler
◦ Kreative in Musik, Gesang und Sprache
◦ Spirituelle Meisterinnen und Meister
Abschluss
Erfahren wir einen Atem?
Das Atmen einer werdenden Welt?
Freiheit atmet auf.
Und wir reden darüber